Wie jetzt Zuversicht erhalten?

Thomas Kühlwetter

Absolut unvorbereitet versetzt die Corona-Pandemie weltweit die Gesellschaften in den Zustand einer Lähmung und nichts scheint mehr so, wie es vorher einmal war. Europa ist eines der Epizentren und Deutschland beweist in einer noch nie dagewesen Situation bislang seine Stärke. Es gibt wenige Gewinner und allzu viele Verlierer. Die Landwirtschaft und der Gartenbau,  sogenannte „systemrelevante Bereiche“ sind Teil des Ganzen. Letzter steht beim ersten Blick eindeutig auf der Seite der Verlierer, doch wie sieht es bei längerer Betrachtung aus?

Katastrophenstimmung macht sich breit auf den Betrieben, eine schlechte Nachricht jagt die andere und der Glaube, dass auch mal etwas Positives geschieht, rückt zunächst einmal für viele Betriebsleiter, ihre Familien und Mitarbeiter in weite Ferne. Wochenlange, vielleicht sogar monatelange Restriktionen sind angesagt: Die Schulen sind geschlossen, strikt wird geregelt, wo und wie sich Menschen aufhalten und treffen dürfen, die Maßgaben reichen bis zur Ausgangssperre in einigen Bundesländern. Dann sind nicht nur viele Dienstleister und Geschäfte (u.a. der Blumenfachhandel) oder die Gastronomie, sondern auch noch Gartencenter betroffen.

 Die Gesundheit von Menschen genießt eindeutig Vorrang vor der Wirtschaft, der Einbußen in bislang nicht vorstellbarem Ausmaß drohen. Parallel steigt unweigerlich die Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter, die, so Ministerin Klöckner, eine Alternative zu den vielen tausend Saisonarbeitern sind, die auf Grund  ausgesprochener Grenzschließungen oder Einreiseverbote bzw. aus Furcht vor dem Virus in der Heimat bleiben.

Noch schwieriger hätte sich wohl niemand den Start in die diesjährige Saison vorstellen können. Der Blumeneinzelhandel bleibt geschlossen, ebenso wie die Gartencenter in einigen Bundesländern – große Mengen an Blumen finden keine Käufer und müssen vernichtet werden. Der Mangel an Saisonarbeitskräften überschattet den Start in die Freilandsaison ist die größte Sorge vieler Obst-, Gemüse- und Zierpflanzenbetriebe.

Wichtige terminlich nicht verschiebbare Arbeiten, wie das Packen fertiger Bestände, Aussaat und Pflanzung, die Spargel- und Rhabarberernte oder die Vorbereitungen für die Erdbeerernte stehen an. In vielen Betrieben ist völlig unklar, wie dies geschehen soll. Ob durch Freiwillige, die sich nach Aufruf durch zahlreiche Initiativen gemeldet haben, die Löcher zu stopfen sind – und falls ja, wie – ist nicht vorhersehbar.

Es herrscht eine absolute Ausnahmesituation vor. Unsere Sparte ist extrem betroffen, sie steht in der Verantwortung und soll Sorge dafür tragen, dass die Versorgungslage der Bevölkerung sichergestellt ist. Ohne geeignete Arbeitskräfte wird dies wohl kaum zu schaffen sein. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ist mit Innenminister Horst Seehofer im Gespräch über die Erteilung von Arbeitserlaubnissen an Asylbewerber, die bereits im Land sind, aber noch keiner Tätigkeit nachgehen dürfen - dies wäre zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Hinwegtrösten wird es aber wohl nicht über eine insgesamt fatale Situation, in der sich viele Gartenbaubetriebe zum Start in die Saison befinden. Man muss schon sehr lange suchen, um dieser Situation, die nicht nur bedrückend für die gesamte Gesellschaft ist und noch lange nicht gelöst scheint, vielleicht auch etwas Positives abgewinnen zu können. Ein Zeichen in diese Richtung ist aber sicher die Solidarität, die über alle Bevölkerungsschichten hinweg das Bewusstsein schärft und den Zusammenhalt fördert.  Zu wünschen bleibt, dass dies am Ende vielleicht dazu beiträgt, einer längst verloren gegangenen Wertschätzung für unsere Branche und die Vielzahl hochwertiger Produkte, die sie anbietet, wieder Inhalt zu geben.

 

Kernsatz: „Man muss schon lange suchen, um dieser Situation etwas Positives abzugewinnen.“