Anfang Juli haben Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz eine Feldbegehung im Betrieb Räss Wildbeeren, Benken, CH, genutzt, um sich über die Anbauerfahrungen mit verschiedenen neuen Strauchbeerensorten unter ‚Bio-Konditionen‘ zu informieren und auszutauschen.
`LaprimaS´
Mit dem Ziel, das Angebot an Stachelbeersorten zu verbessern und die Stachelbeeren für junge Käufer attraktiver zu machen, haben die Wissenschaftler der Hochschule Geisenheim hart gearbeitet und präsentieren jetzt `Laprima´.
`Laprima´ ist aus einer Kreuzung zwischen der gegen Mehltau resistenten Sorte `Rokula´ und der Sorte `Achilles´ entstanden.
Die Pflanzen haben ein sehr gutes aufrechtes Wachstum mit guter Verzweigung und eignen sich sehr gut sowohl für eine ein- als auch zweitriebige Erziehung. Der Austriebszeitpunkt der Sorte ist mit `Xenia®´ vergleichbar, etwas nach `Achilles´ und `Rokula´. Die robusten und starken Pflanzen erreichen sehr schnell Vollertrag und sind nur gering anfällig für Mehltau, was sie auch für Bioproduzenten attraktiv macht.
Die Sorte gehört zur Gruppe der früh reifenden Sorten und kann je nach Region von Ende Juni bis Anfang Juli geerntet werden, wenige Tage nach der Sorte `Xenia®´. `Laprima´ hat große, ellipsoide, unbehaarte Früchte, bei Marktreife mit grüngelber Grundfarbe und leuchtend roter Deckfarbe und dunkelrot bei Vollreife. Die Fruchtschale ist glänzend, dünn und die Adern sind sichtbar. Die Früchte haben einen durchschnittlichen Durchmesser von 25 mm, ein Fruchtgewicht von 12,6 g und einen Gesamtertrag von mehr als 85 % an Früchten der Klasse 1.
Die Früchte sind knackig, das Fruchtfleisch ist sehr saftig, mit einem ausgewogenen mittleren Zucker-Säure-Verhältnis und reich an vollem Stachelbeeraroma bereits im marktreifen Zustand. Im Vergleich zu anderen Sorten wie beispielsweise `Xenia®´ ist `Laprima´ weniger empfindlich gegen Sonnenbrand.
Im Rahmen der Besichtigung bei Räss haben die Teilnehmer einen guten Eindruck über die Anbaueignung der Sorte für die Bioproduktion erhalten:
Räss: „Die Sorte hat ein sehr gutes Wachstum, die seitliche Verzweigung ist regelmäßig und gut, die Fruchtverteilung ist sehr gut, was die Ernte schnell macht. Derzeit haben wir mit den verfügbaren Produkten keine Probleme, diese Sorte erfolgreich vor Schädlingen und Krankheiten zu schützen. Dies bringt uns einen guten Ertrag mit großen Früchten, die von unseren Kunden sowohl im Direktvertrieb als auch über andere Vermarktungskanäle sehr gut angenommen werden. In Bezug auf den Geschmack - `Laprima´ ist Prima!“
`Marlena®´ (HJGM2S)
Die Sorte, eine Mutation von `Red Lake´, wurde von Hans Jörg Gmeiner in Oberkirch/Tiergarten in Südbaden gefunden und in den vergangenen Jahren auf ihre Anbaueignung geprüft.
Das Wachstum ist stark, mit sehr guter Seitenverzweigung, die Triebe sind mittelstark und ideal verteilt. Eine zweitriebige Erziehung liefert nach Versuchen mit verschiedenen Anbauversuchen die besten Ergebnisse. Der Fruchtansatz ist sehr gut, regelmäßig jedes Jahr und es ist lediglich eine mäßige Ausdünnung nötig, um eine optimale Erntemenge bei erstklassiger Fruchtqualität zu erreichen.
Unter den klimatischen Bedingungen in Benken reift `Marlena®´ in der zweiten Juni-Hälfte, ca. fünf bis sieben Tage vor `Jonkheer van Teets´. Die Trauben sind mittellang (7-9 cm), sehr kompakt mit geringer Verrieselungsneigung. Die Trauben haben rd. 15-20 Beeren mit einem Durchmesser von 8-10 mm und einen langen Stiel, der eine einfache und schnelle Ernte ermöglicht. Die Beeren haben eine leuchtendrote, glänzende Fruchtschale.
Bereits zur Marktreife sind die Früchte voll ausgefärbt, sie können aber mit der sehr guten und stabilen Fruchtqualität über einen sehr langen Zeitraum hinweg geerntet werden. Die Beeren sind fest, saftig und platzfest, mit kleinen Samen im Inneren und einem sehr angenehmen Aroma, ohne die bei frühen Sorten Roter Johannisbeeren übliche spitze Säure.
Räss: „Abgesehen davon, dass die Pflanzen in diesem Moment noch jung sind, sehen wir dies als eine sehr gute Neuheit in Bezug auf Erntezeit und Fruchtqualität. Was für uns auch sehr wichtig ist, ist die geringere Empfindlichkeit gegenüber Mehltau.“
`HaroniaS´
Ebenfalls aus Oberkirch stammt die stark nachgefragte Sorte `Haronia´ mit ihren regelmäßigen, hohen Erträgen an ausgesprochen milden und süßen Früchten.
`Haronia´ reift etwa eine Woche nach `Jonkheer van Teets´ und zehn Tage nach `Marlena®´. Die Trauben sind sehr gleichmäßig, lang, durchschnittlich 9-11 cm, mit 17-25 Beeren, die einen Durchmesser von etwa 10 mm haben. Die Fruchtschale ist leuchtendrot, die Farbe bleibt auch bei voller Reife stabil, die Früchte sind platzfest, über ein langes Erntefenster pflückbar und ermöglichen mit ihrem recht langen Stiel eine sehr gute Pflückleistung. `Haronia´ besitzt eine ausgezeichnete Lagerfähigkeit, sowohl im normalen Kühllager als auch im CA-Lager.
Ihr starkes Wachstum und die große Blattmasse ermöglichen einen reichen Ertrag und bieten einen sehr guten Schutz vor Sonnenbrand. Dieses starke Wachstum ist ein Vorteil, der genutzt werden sollte, um bereits ab dem dritten Jahr hohe Erträge zu erzielen. Sehr wichtig ist es, in den ersten zwei Jahren nach dem Pflanzen gute Bedingungen bei diesem starken Wachstum zu schaffen - durch starkes Ausdünnen und Entfernen von Trauben in voller Blüte sowie durch Entfernen von Seitenzweigen im gleichen Zeitraum. Dies wird zu einer sehr großen Pflanzenhöhe führen, die im dritten Jahr bis zu 1,8 m erreichen kann. Dank der sehr guten Verzweigung ist diese Sorte für den eintriebigen Spindel-Anbau sehr gut geeignet.
Räss: „`Haronia´ ist sehr stark im Wachstum und auch im Ertrag, das größte Hindernis ist das Management von Mehltau, aber Ertrag und Fruchtqualität, insbesondere Geschmack, machen diese Sorte in unserer Produktion attraktiv und wir bieten sie frisch, aber auch in Saft verarbeitet an.“
`Haronia´ ist sehr tolerant gegenüber Holzkrankheiten, jedoch mehltauanfällig. Bei angemessenem Pflanzenschutz, regelmäßigem Beschneiden und Ausdünnen wird diese Sorte dem Erzeuger einen hohen Ertrag von bis zu 18 t/ha bei einer Spindelerziehung mit einem Pflanzabstand von z.B. 2,5 x 0,33 m ermöglichen. Während der Produktion mit Dreiasthecke können bis zu 12 t/ha erreicht werden.
Aleksandar Krdzic, Artevos GmbH