Rijk Zwaan nutzte die Gelegenheit, den Besuchern auch das eigene vielfältige Sortiment an Züchtungen von Weiß-, Rotkohl und weiteren Gemüsesorten sowie deren Möglichkeiten für Anbau und Vermarktung vorzustellen. Ein Angebot, das großen Anklang fand.
Großer Andrang auf der Kohllagerschau
Der Gemüsebauberatungsring will mit seinem seit vielen Jahren durchgeführten Versuch etwas ganz anderes als Sortenvielfalt zeigen. Die Kisten mit Weiß- und Rotkohl aller in Dithmarschen bedeutender Sorten werden in Normallagern ohne Kühlung gelagert, so wie es übliche Praxis ist, wenn die Kühllager voll sind. Was die Besucher dann in den Großkisten auf der Lagerschau zu sehen bekommen, war gerade in diesem Jahr nicht schön. Christian Ufen, Vorsitzender des Gemüsebauberatungsringes Dithmarschen, stand dem Gartenbau-Profi für ein Gespräch über den Saisonverlauf zur Verfügung.
Der Kohlanbauer gab dem letztjährigen Witterungsverlauf die Schuld dafür, dass die Kohlköpfe im Normallager so schlecht über den Winter gekommen sind. Das Frühjahr und der Sommer seien recht trocken gewesen, mit wenig Stickstoff-Mineralisation und wenig Strukturschäden auf den Flächen. Im September dann kam der Regen auf einen warmen, dankbaren Boden. Das führte, so der Kohlanbauer, zu einer plötzlichen, großen Stickstoffverfügbarkeit.
Später Wachstumsschub in 2019
Die Kohlpflanzen erfuhren zu dieser späten Zeit noch einen ordentlichen Wachstumsschub und wurden überreif ins Lager gefahren. Für die Lagerung mit Kühlung ist dies kein besonderes Problem. Normallager jedoch mussten zusätzlich mit einem warmen Dezember, Januar und Februar zurechtkommen. Bei gleichzeitiger feuchter Witterung schimmelte und faulte es dann sehr schnell.
Hohe Putzabfälle im Normallager
„Auf meinem Betrieb hatte ich ungewöhnlich hohe Putzabfälle bei Kohl aus dem Normallager, teilweise sogar Totalausfall. Ich musste rund 100 t Weißkohl wieder auf den Acker fahren“, gab Ufen offen zu. Genau das war natürlich auf der Kohllagerschau zu sehen. Präsentierten sich die Sorten, die Rijk Zwaan aus dem Kühllager geholt hatte, in ihrem besten Licht, so hatten die Kohlköpfe der gleichen Sorten im Normallagerversuch sehr gelitten und zeigten so verständlicherweise extrem große Qualitätsunterschiede.
Im Kreis Dithmarschen befinden sich Kühllager für ungefähr 75 000 bis 80 000 t, schätzte Ufen. In Normallagern würden in durchschnittlichen Erntejahren ca. 20 000 bis 22 000 t vorgehalten. Das hänge allerdings sehr von der Erntemenge ab. Werde im September und Oktober schon viel Ware verkauft oder sei die Ernte gering, so werde weniger ohne Kühlung gelagert. Im Jahr 2018 seien aus diesem Grund – niedrige Ernte und guter Verkauf im Oktober und November - nur wenig, ca. 10 000 t Kohl, im Normallager gelandet, erläuterte der Vorsitzende. Das sei im Jahr 2019 ganz anders gewesen. Zu Anfang hätten viele Kohlanbauer nur sehr verhalten verkauft, weil man die Erntehöhe nicht richtig einschätzen konnte.
Große Erntemenge – volle Lager
Dann aber sei auf einmal die große Ernte aufgrund des späten Wachstumsschubes dagewesen und in den Normallagern habe grob geschätzt rund 35 000 t Kohl gelegen. „Die Befürchtung war natürlich groß, dass diese große Menge den Verkauf belastet und zu einem Zusammenbruch des Marktes führen könnte“, erläuterte Ufen, „da der Putzabfall bei 10-15 % lag, verschwinden so ganz schnell mal 5 000 t Kohl und ich glaube auch, dass ich nicht der einzige war, der Teile seines Kohls aus dem Normallager komplett entsorgen musste.“
Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht
Zurzeit sei die Versorgungslage nicht zu hoch, das Angebot und die Nachfrage sogar eher im Gleichgewicht, erklärte Ufen weiter. Zwar liege immer noch Kohl in Normallagern, allerdings sei durchaus schon gekühlte Ware verkauft worden. Die Preise könnten jetzt nur steigen, wenn ein extremer Impuls auch die Nachfrage wachsen ließe. Dies könnte durchaus sein, wenn im April oder Mai die osteuropäischen Länder Ware kaufen wollen. Dann könne sich das Blatt ganz schnell wenden und die Preise stiegen. „Eine Prognose ist und bleibt schwierig“, betonte Ufen.
Rijk Zwaan präsentiert Neuzüchtungen
Das Züchterhaus Rijk Zwaan nutzte die Kohllagerschau, um seine Kopfkohl-Neuzüchtungen zu präsentieren. Im Vordergrund standen dabei die sehr uniforme Frischmarktsorte `Foxma RZ´, die für die industrielle Verarbeitung gezüchtete Sorte `Missourima RZ´ und die mit hoher Lagerqualität ausgezeichnete `Axioma RZ´. Die Sorten wurden in vielen Varianten präsentiert, sodass die Besucher das Leistungsspektrum gut beurteilen konnten.
Josefine von Hollen