Richtige Entscheidung: Freilandgemüsebau
Soll weiterhin auf großflächigen Freilandanbau gesetzt oder der Gewächshausbau vorangetrieben werden? Eine Frage, der sich vor ca. 15 Jahren viele Knoblauchsländer Gemüseanbauer stellten. Thomas Seischab blieb beim Freilandanbau. Eine goldrichtige Wahl, wie sich inzwischen herausgestellt hat!
Dabei stand dem Betriebsleiter damals gar nicht der Sinn nach wichtigen betrieblichen Entscheidungen. Thomas Seischab, Sohn Stefan und der Betrieb mussten zu dieser Zeit den Tod von Ehefrau, Mutter und wichtiger Familienarbeitskraft, Elisabeth Seischab, miterleben und schultern. Erst später wurde Vater und Sohn klar: “Unser Hauptinteresse gilt dem Freilandanbau und wir bleiben dabei!“
Die Anbaupalette der insgesamt 22 ha ist so gestaltet, dass Händler ihren kompletten Bedarf durch Seischab‘sches Gemüse decken können: Rettich, Kohlrabi, Blumenkohl, Brokkoli, Rucola, Feldsalat, Schnittkräuter, Sellerie, Lauch, Möhren, Mangold, Spinat, Lauchzwiebeln und Rhabarber. Ergänzend dazu gibt’s auch Rettich und Gurken aus dem Gewächshaus (2.100 m2 Hochglas).
„Mit den Salaten ist wenig verdient“, so Hofnachfolger Stefan Seischab, „aber die Händler fragen danach“. Die Standardsorten `Gisela´ und `Carasco´, `Jolita´ und `Almagro´ bilden das Kopfsalatsortiment und `Eduardo´ den Eissalatvertreter. Letzterer überzeugt durch seine Mehltauresistenz. Bei den Blumenkohlsorten setzen die Anbauer auf `Clarina´, `Barcelona´ und `Clapton´. Die Bundmöhrensorten `Laguna´, `Crafton´ und `Napoli´ ergänzen sich wegen ihrer unterschiedlichen Wachstumsgeschwindigkeiten gut. Sie ermöglichen die kontinuierliche Ernte der bevorzugten kleinen Möhren. `Kaigaro´, `Green Banner´ und `Choho´ bilden das Bundzwiebelsortiment.
Technik und Düngung nach Maß
Zur Beetvorbereitung setzt Stefan Seischab vor dem Fräsen die Scheibenegge ein: „Sie arbeitet schneller als der Grubber und vernichtet das Unkraut besser. Außerdem sieht die Fläche hinterher gleichmäßiger aus. Ein neuer GPS-gesteuerter Schmalspurschlepper wird noch in diesem Jahr helfen, Beetvorbereitung und Pflanzung weiter zu optimieren.
Drei eigene Brunnen, das Regenauffangbecken und der Bezug von Wasser über den Wasserverband Knoblauchsland decken den Bedarf an Beregnungswasser ab. Bei den anstehenden Sandböden ist Beregnen ein unbedingtes Muss. Auch der konstant gehaltene Humusgehalt des Bodens, zwischen drei bis fünf Prozent, verbessert den Wasserhaushalt. Gründünung mit Winterroggen, Hafer, Sudangras und Phacelia machen das möglich. Gleichzeitig bieten diese Pflanzen den Insekten etwas und liefern Nährstoffe.
Bei der Beetvorbereitung erfolgt gleichzeitig die Grunddüngung, beim ersten Hackendurchgang gibt es eine weitere Gabe als Kopfdüngung. Thomas und Stefan Seischab nehmen das Thema Dünung sehr ernst. Bereits im fünften Jahr nehmen sie an dem Projekt „Optimierung der N-Düngung im Freilandgemüsebau“ teil. Dieses Modell- und Demonstrationsverfahren betreut zurzeit Andrea Spirkaneder vom Fürther Amt für Landwirtschaft und Forsten. Für den Betrieb Seischab wurde sehr bald die Erkenntnis gewonnen, die Phosphordüngung einzustellen, um die Aufnahme von Schwefel und Bor zu fördern. In Knoblauchslandböden ist oft Bormangel anzutreffen. Allerdings wirken kombinierte S- und B-Dünger bei Zwiebelgewächsen nicht so gut. Der Schwefel scheint die Bor-Aufnahme zu blockieren. „Bei Blumenkohl, Rettich und Sellerie klappt es dagegen gut“, stellte Stefan Seischab fest.
Die Unkrautregulierung erfolgt ausschließlich mechanisch, per Hand oder Maschinenhacke. Auch die Brachflächen werden monatlich gegrubbert, um das Blühen der Wildkräuter zu verhindern.
Gibt es Probleme mit Springschwanz oder Erdfloh, ist chemischer Pflanzenschutz unvermeidlich. Ansonsten versuchen Vater und Sohn die „chemische Keule“ zu vermeiden und setzten Kulturschutznetze gegen die Kohlfliege und Feldhasen ein. Gegen letztere muss unbedingt bereits vor der ersten Nacht nach der Pflanzung abgedeckt werden.
Auch unter Glas wächst etwas
Die beiden Gewächshäuser aus den 1990er-Jahren eignen sich gut für den Anbau von Schlangen-, Mini-, Bauerngurken und Rettich. Beide Gemüsearten ergänzen das Angebot an Freilandgemüse auf ideale Weise.
Die Gurken wachsen in Perlite, in 5-l-Containern am hohen Draht. Die Bewässerung und Düngung erfolgt über Kopf und mit Tröpfchenbewässerung. Thomas und Stefan Seischab haben bisher mit den Düngeempfehlungen der Berater des Gemüseerzeugerringes Knoblauchsland e.V. nur gute Erfahrungen gemacht.
Auch bei der Gewächshausproduktion ist chemischer Pflanzenschutz ganz klein geschrieben. Probleme mit Blattläusen gibt es eher selten und gegen Spinnmilben und Thrips setzt Stefan Seischab Nützlinge von Koppert, Straelen, ein. Zurzeit testet der Hofnachfolger das Stärkungsmittel Rhizovital (Biofa) gegen Pilzerkrankungen. Alle zwei Wochen wird es dem Gießwasser der Gurken zugesetzt. Die Ausfälle aufgrund von Mykosen sind merklich zurückgegangen.
Für Blumenkohl wird ein Ernteband genutzt, ansonsten erfolgt die Ernte im Freiland und unter Glas ausschließlich von Hand. Eine Waschmaschine von König, Dannstadt, reinigt Sellerie, Lauch und Bundzwiebeln. Für Salat, Blattgemüse und Kräuter steht eine Eigenbauwaschmaschine zur Verfügung.
Die beiden Kühlräume (Frigotec, Landsberg) werden eigentlich nur in den „weißen Wochen“ der Blumenkohlernte so richtig genutzt. Ansonsten dienen sie dem Kommissionieren. Denn die anderen Gemüsearten werden täglich abgeholt oder geliefert und müssen nicht gelagert werden.
Vermarktung
30 % der Ernte wird am Nürnberger Großmarkt verkauft, 40 % gehen an die Franken-Gemüse Knoblauchsland eG und 30 % werden zu den Lagern des LEH gefahren oder von Spediteuren abgeholt.
Die „Corona“-Krise hat sich natürlich auch im Betrieb Seischab bemerkbar gemacht. „Aber im Großen und Ganzen war bisher alles bewältigbar“, meint Stefan Seischab ganz unaufgeregt. „Es fielen zwar Kunden aus dem Gastrobereich weg, aber dafür zog die Nachfrage am Nürnberger Großmarkt bei allen Gemüsearten an. Vielleicht lag es daran, dass während der Ausgangsbeschränkungen privat mehr gekocht wurde?“
Zusammen mit seinem Vater kümmert er sich um Produktion und Vermarktung. Des Weiteren arbeiten sechs Vollzeit-AK, 15 Saison-AK und mehrere Minijobber auf dem Hof. Vater Thomas Seischab engagiert sich zudem jeweils als 1. Vorstand beim Gemüseerzeugerring Knoblauchsland e.V. und bei der Flurbereinigung Kraftshof. Stefan Seischab sorgt für die digitale Präsenz des Betriebes mittels Internet-, Facebook- und Instagramauftritt. Selbstverständlich ist der Betrieb auch Ausbildungsbetrieb.
Trotz vielfältiger Zertifizierungen (Grasp, GlobalG.A.P., Geprüfte Qualität Bayern, QS), starkem Nützlingseinsatz und 70 % Selbstversorgungsgrad beim Strombedarf (Photovoltaikanlagen) standen Vater und Sohn einer Umstellung auf biologischen Anbau bisher skeptisch gegenüber. Das scheint sich nach und nach zu ändern. Vor allem die wachsende Vielfalt biologischer Pflanzenschutzmittel beeindruckt den Hofnachfolger: „So ganz abgeneigt bin ich dem Bio-Anbau gegenüber inzwischen nicht mehr.“
Ramona Schneider