Gemüsebau in Corona-Zeiten

Christian Berghs-Trienekens nimmt als Positives aus der Krise mit, wie die Mitarbeiter zum Betrieb stehen und motiviert bleiben<br>Foto: Aldenhoff Peter Feegers, Tomatenanbauer aus Weeze: “Im Moment ist alles schwieriger, aber solange das Personal noch gesund ist, laufen die Betriebsabläufe“<br>Foto: privat

Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen greifen in sämtliche Lebens- und Wirtschaftsbereiche. Was bedeutet das für den produzierenden Gartenbau? Gartenbau-Profi hat bei Praktikern nachgefragt.

Christian Berghs-Trienekens, Freilandgemüseanbauer aus Straelen am Niederrhein:

„Im März gab es ja die ersten Gerüchte wegen Corona auch unter den polnischen Mitarbeitern, die sich sorgten, aber es sind alle da geblieben. Und der erste Schwung Rumänen kam zum Glück noch vor den Einreisebeschränkungen. Im April sind wir daher sehr gut klar gekommen. Mit der Saison geht es bei uns erst ab Mitte Mai so richtig los.

Außerdem kamen per Mundpropaganda, ohne dass wir einen Aufruf gestartet hätten, zwei Kurzarbeiter aus der Gastronomie zu uns, die jetzt im Packbetrieb mitarbeiten und mit denen es sehr gut klappt. Wir hatten auch einige Studenten hier im Packbetrieb, die sind inzwischen allerdings wieder zurück im Studium. Aber sie helfen noch, wenn sie Zeit haben, zum Beispiel an den Wochenenden.

Wichtig wird jetzt sein, die Rumänen zu bekommen. Die ersten sind schon mit dem Flugzeug gekommen und der nächste Flug ist gebucht. Die Rumänen aus dem letzten Jahr wollen auch kommen und Geld verdienen, also bin ich da aktuell noch guter Dinge. Wir müssen eben die vorgeschriebenen Bedingungen schaffen für die zwei Wochen Quarantänezeit, die sie einhalten müssen nach ihrer Anreise und natürlich die zusätzlichen Auflagen für die Zeit danach. Unsere Unterkünfte sind jetzt geringer belegt und zusätzlich haben wir uns Mobilheime angeschafft. Diese stehen separat und dienen dann für die zwei Wochen Quarantäne und im Anschluss als zusätzliche Unterkünfte, damit die vorhandenen Häuser weniger belegt sind. Außerdem haben wir unsere Leute in vier Trupps eingeteilt, die gemeinsam wohnen und arbeiten. Das war auch vor Corona bei uns schon so.

Mit der Hygiene klappt es ganz gut. Natürlich schulen wir unsere Mitarbeiter, aber man sieht auch, dass die Leute von sich aus das Hände waschen und Desinfizieren sehr gut einhalten. Auch die Abstände zu den anderen Trupps werden gut eingehalten. Einweghandschuhe und Masken stellen wir ebenso selbstverständlich vom Betrieb aus zur Verfügung und das wird gut angenommen.

Wir beliefern nur den Lebensmitteleinzelhandel. Nach den Hamsterkaufwochen, die sehr chaotisch waren, läuft es jetzt normal mit leicht erhöhten Mengen. Das kann man sich erklären, weil die Restaurants geschlossen sind und die Leute dann eben das Gemüse mehr für die eigene Küche kaufen. Wir liefern zurzeit Miniromanaherzen, Kopfsalat und Mini-Pak Choi. Im Mai kommen dann noch Kohlrabi und Eisbergsalat hinzu.

Natürlich hoffen wir auf gute Preise, aber das kann man ja noch überhaupt nicht abschätzen. Die Kosten sind natürlich durch die ganzen Auflagen, die man einhalten muss, höher als bisher. Dazu kommen auch noch die üblichen Anbauprobleme wie die aktuelle Trockenheit. Wir sind beregnungstechnisch gut aufgestellt, aber das sind natürlich auch Energie- und Lohnkosten. Wir haben schon Sorgen, ob die ganzen Mehrkosten wirklich gedeckt werden können.

Als Positives kann ich aus der Krise mitnehmen, dass ich jetzt gemerkt habe, wie die Mitarbeiter zum Betrieb stehen und motiviert dabei bleiben. Das hat mich sehr angenehm überrascht und macht mich zufrieden. Wir sind froh, dass wir in einer Branche sind, die aktuell weiter arbeiten kann. Wie immer im Freilandgemüsebau gibt es viele Faktoren, die wir nicht beeinflussen können. Und da muss man halt immer versuchen, optimistisch zu bleiben.“

Peter Feegers, Tomatenanbauer aus Weeze am Niederrhein:

„Im Moment ist alles deutlich schwieriger. Wir sind ein Betrieb mit rund zehn Arbeitskräften, davon fehlt zurzeit nur einer, das ist noch machbar. In den letzten Jahren konnte ich verstärkt Personal aus dem Ort bzw. dem Nachbarort einstellen, was die Einhaltung der Quarantänebestimmung bei der Unterbringung deutlich entlastet.

Bei zwei meiner Mitarbeiter haben wir Anfang März nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub strikt 14 Tage bezahlte Quarantäne eingehalten. Weitere Maßnahmen sind die Bereitstellung von zusätzlichen Hygieneartikeln, die strikte Trennung der Arbeitsbereiche, veränderte Arbeits- und Pausenzeiten. Dass diese Maßnahmen den Aufwand erhöhen bzw. Geld kosten, ist klar. Bleibt zu hoffen, dass wir den Aufwand wenigstens teilweise über die Verbraucherpreise wieder hereinbekommen.

Eine ähnliche Situation hatten wir Tomaten-, Gurken- und Salatgärtner ja schon mal in 2011 mit der EHEC-Krise. Da hatten wir drei Monate lang fast keinen Umsatz, das vergisst Du nie und das ist eigentlich auch nicht machbar. Vielleicht geht der Kelch diesmal an uns vorbei. Aktuell ist die Nachfrage für Tomaten gut, das Wetter spielt mit.

Aber insgesamt laufen bei uns die Betriebsabläufe, solange unser Personal gesund ist, und der Warenfluss sichergestellt ist, auch mit Zulieferung beispielsweise von Verpackungsmaterial. Ich hoffe, dass es so bleibt und wir nicht noch einen Infizierten dazwischen kriegen. Soweit ist noch alles im grünen Bereich, aber es sind halt so viele Unsicherheiten im Hinterkopf. Auch von unseren Privatkunden hören wir das, es herrscht überall Unsicherheit.

Einmal in der Woche haben wir hier einen kleinen Hofladen geöffnet, dafür habe ich natürlich alles den Corona-Vorschriften gemäß vorbereitet. Die Hygienevorschriften kennen wir ja von den pflanzlichen Viren, die unsere Bestände bedrohen, das ist letztlich nichts anderes. Wir wissen daher auch, dass nur ein Impfstoff helfen kann und sonst nichts.

Ich hoffe so ein bisschen, dass die Verbraucher jetzt doch wieder mehr auf das Regionale und Qualität setzen, wo es ja vor Corona eigentlich auch schon hinging. Dann hätten wir der Situation vielleicht noch was Positives abzugewinnen.“

Die Interviews führte Sabine Aldenhoff