„Die Abschaltautomatik von Pflanzenschutzsprühgeräten ist für mich ein sehr greifbares Beispiel für den praktischen Nutzen einer elektronischen Sensortechnik. Sie ermöglicht eine elektronische Reihenendabschaltung, so dass hier exakt nach dem letzten Baum in der Reihe die Düsen geschlossen werden, was durch manuelle Betätigung durch den Fahrer nicht so exakt erfolgen kann. Dadurch wird die Abdrift am Vorgewende vermindert, der Fahrer wird entlastet und die Umwelt geschont“, erklärt Josef Nuber, Assistent der Geschäftsführung beim Maschinenring Tettnang. Darüber hinaus gibt es inzwischen für fast jeden Arbeitsschritt im Obstbau digitale Möglichkeiten der Arbeitserleichterung - oder der Verkomplizierung? „Für viele, besonders für ältere Erzeuger, ist der Einsatz vom Computertechnik fremd, sie haben Angst davor und verlassen sich lieber auf ihren eigenen Verstand, Zettel und Stift“, beobachtet Katharina Giger, Betriebswirtin aus dem internationalen Forschungsprojekt DigiLand – zwei Jahre lange setzte sich hier ein Team aus deutschen, Schweizer und österreichischen Forschern mit der Digitalisierung in der Landwirtschaft im Bodenseeraum auseinander. In Interviews mit diversen Praktikern rund um den Bodensee wurde erfasst:• Welche Arbeitsschritte finden statt – von der Aussaat über die Ernte bis zur Verarbeitung und Distribution?• Wie werden diese Arbeiten aktuell in der Regel von Praktikern ausgeführt?• Und wie kann eine Digitalisierung die Arbeitsprozesse verbessern?In Arbeit ist derzeit ein Technologie-Radar, das zu jedem möglichen Einsatzgebiet aufzeigt, welche Technologien und Formen der Digitalisierung von welchen Anbietern bereits auf dem Markt sind. Voraussichtlich bis Anfang März wird diese Übersicht unter www.agrodigital.ch für jeden Interessierten einsehbar sein. Weitere Themen im Forschungsprojekt sind die Entwicklung des Prototypen eines Ernteroboters für Äpfel und die Entwicklung eines differenzierten Ernteerfassungssystems für Brokkoli.Bei der Frage, mit welchen Geräten das Unkraut in den Baumreihen am besten in den Griff zu kriegen ist, wurde weder das Rad noch die Hackmaschine neu erfunden. Zu sehen waren Hack- und Fadengeräte sowie diverse Gerätekombinationen namhafter Hersteller. Zum mechanischen Baumschnitt stellte Michael Zoth die neusten Ergebnisse im Versuchsanbau am Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee in Bavendorf vor. Hier zeigte sich deutlich: Auch wenn zumindest alle zwei bis drei Jahre per Hand nachgeschnitten werden muss, ist die Einsparung von Arbeitszeitbedarf enorm, während in Qualität und Erntemengen keine signifikanten Einbußen festzustellen sind – im Gegenteil: Die Ausfärbung der Früchte ist im Vergleich zum händischen Winterschnitt sogar verbessert.Das Schweizer Forschungszentrum Agroscope stellte die Fast Track Züchtung von Äpfeln vor. Apfelbäume werden hier im Gewächshaus unter gesteuerten Klimabedingungen herangezogen. Den Bäumen wird durch entsprechende Klimasteuerung ein beschleunigter Jahreszeitenverlauf vorgetäuscht. Blüte, Frucht- und Samenbildung erfolgen dadurch in einem Rhythmus, der knapp doppelt so schnell verläuft wie im Freiland. Das Fast Track Verfahren wird genutzt, um gezielt neue Eigenschaften, wie beispielsweise die Resistenz eines Wildapfels gegen Feuerbrand, in bekömmliche Kulturäpfel einzukreuzen. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es mehrere Züchtungslinien, welche eine Resistenz gegen Schorf mit einer Resistenz gegen Feuerbrand vereinigen. Für eine marktreife Sorte wichtige Details wie Fruchtgröße, Farbe und Aroma werden nun im Freiland geprüft und züchterisch optimiert.Auch die Direktvermarkter kamen auf ihre Kosten. Zur Sortimentserweiterung im eigenen Hofladen gab es von der Schokolade mit Cassisbrand-Füllung über Säfte, Trockenfrüchte und Käse einiges zu entdecken. Im Trend und thematischen Fokus standen die Verkaufsautomaten. Innovative Modelle, beispielsweise ein selbst auscheckender Kühlschrank, aus dem sich jeder zuvor registrierte Kunde frei an der Produktauswahl bedienen kann, wurde vorgestellt. Ein Vortrag von Thomas Schädler, Berater beim Beratungsdienst Direktabsatz, legte die Chancen und Risiken der neuen Vermarktungsform dar. Ladeneinrichter, Lohnverarbeiter und verschiedene Software-Anbieter rundeten das Thema Direktvermarktung ab.Schließlich zeigte ein Streifzug durchs Rahmenprogramm die Themenvielfalt auf, die den modernen Obstbau auszeichnet: Biodiversität auf Obstbauflächen und autonomes Fahren, geschützter Anbau und Bestäubungsmanagement wurden von kompetenten Referenten beleuchtet. Und es gab wertvolle Tipps, wie man das, was den Alltag eines Obstbauern auszeichnet, auf kreative und ansprechende Weise dem branchenfernen Verbraucher vermitteln kann.
Katja Brudermann