Unter www.bodenseebauer.de präsentieren sich 80 Betriebe auf einer gemeinsamen Homepage. Verbraucher gewinnen hier schnell einen Überblick, wo in der Bodenseeregion Hofläden, Hofcafés, Ferienwohnungen und weitere landwirtschaftliche Angebote zu finden sind. Und die Anbieter profitieren nicht nur vom Werbeeffekt, sondern auch von gemeinsamen Veranstaltungen und vom Erfahrungsaustausch mit Kollegen.
Die Homepage www.bodenseebauer.de startete 2002 auf Initiative des Landratsamtes FB Landwirtschaft im Bodenseekreis und war von Anfang an landkreisübergreifend entlang des deutschen Bodenseeufers – beteiligen können sich alle Betriebe, die sich mit der Bodenseeregion identifizieren. Voraussetzung war und ist bis heute ein eindeutiger landwirtschaftlicher Bezug. Ferienwohnungen müssen aktiven landwirtschaftlichen Betrieben zugeordnet sein; der Leitspruch „direkt vom Bauern“ will auch bei verarbeiteten Produkten wie Bauernbrot oder Fruchtaufstrichen halten, was er verspricht.
Die gemeinsame Homepage diente als Neuauflage der Direktvermarkter-Broschüre in gedruckter Form, die zuvor alle ein bis zwei Jahre neu aufgelegt wurde – im Vergleich zu dieser bot der Online-Auftritt viele Vorteile. Neben der Präsentation der einzelnen Betriebe und ihren Angeboten werden aktuelle Veranstaltungstipps, saisonale Rezepte und kurze Geschichten über neue Ideen der Betriebe regelmäßig in die Homepage eingestellt und bilden eine Art gemeinsame Hofzeitung, die zusätzlich das Interesse der Verbraucher weckt. Zudem hatte zu Beginn des neuen Jahrtausends kaum ein Betrieb eine eigene Homepage – die gemeinsame Plattform bot eine gute Gelegenheit, in das neue Medium hinein zu schnuppern. In den vergangenen 18 Jahren, seit die Seite im Netz steht, ist die Zeit nicht stehen geblieben:
- Fast jeder Betrieb hat heute seine eigene Homepage, viele präsentieren sich darüber hinaus auch bei Facebook und in anderen sozialen Medien
- Insbesondere im Bereich Ferienangebote sind diverse kommerzielle Anbieter dazugekommen, über die sich die Betriebe auch und zum Teil sogar leichter finden lassen.
- Der beständige Wandel im Funktionieren von Google und anderen Suchmaschinen macht es nicht nur für den einzelnen Betrieb, sondern auch für die gemeinsame Plattform immer schwerer, bei Suchanfragen zu Themen wie „Urlaub auf dem Bauernhof“ oder „Hofladen“ vorne mit dabei zu sein.
Was braucht eine Idee aus dem Jahr 2002, um bis heute den aktuellen Bedürfnissen von Verbrauchern und Anbietern gut zu begegnen?
Ein entscheidender Punkt ist: Die Vernetzung der Betriebe untereinander hat sich inzwischen auch im realen Leben etabliert. Seit 2018 ist der bis dato lose Zusammenschluss von Betrieben zum eingetragenen Verein „Bäuerliche Anbietergemeinschaft am Bodensee e.V.“ organisiert. 80 Mitgliedsbetriebe zählt dieser und organisiert jährlich mehrere Seminare und Direktvermarkterstammtische. In den Seminaren werden Themen wie Automatenverkauf, rechtliche Rahmenbedingungen oder Gestaltungstipps für Ferienwohnungen aufgegriffen – die Stammtische finden meist auf einem der Mitgliedsbetriebe statt – nach einer Besichtigung ist Zeit für Erfahrungsaustausch. „Die Betriebe sind im gesamten Bodenseegebiet verstreut, man tauscht sich also nicht mit direkten Nachbarn aus, das macht es manchmal leichter, offen miteinander umzugehen“, betont Joachim Knoll, 1. Vorsitzender des Vereins.
Auch was die Werbeaktivitäten betrifft ist der Verein über die gemeinsame Homepage hinaus aktiv. „Wir haben von Anfang an auf eine gute Verlinkung im Netz geachtet – www.bodenseebauer.de ist mit allen einzelbetrieblichen Internetseiten gegenseitig verlinkt und auch mit vielen Organisationen, denen wir nahe stehen – beispielsweise mit dem Maschinenring und dem Bauernverband“, erklärt Joachim Knoll. Zudem ist der Verein auf diversen Messen und Ausstellungen präsent – teils sind dies lokale Events direkt am See, doch auch die CMT in Stuttgart, eine der größten Touristikmessen im deutschsprachigen Raum, zählt zu den festen Terminen im Kalender.
Und schließlich – back to the roots, könnte man sagen – gibt es auch wieder eine neue Broschüre in gedruckter Form: Unter dem Titel „Einkaufen direkt beim Bauern“ ist eine Landkarte vom Bodenseegebiet erschienen, auf der alle Mitgliedsbetriebe mit ihren Angeboten eingezeichnet sind. Sie bietet interessante Einblicke in die Betriebe und die Region und liegt in vielen Ferienwohnungen und Hofläden aus.
Der Verein lebt vom ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder – und von einem Jahresbeitrag von 96 €, den jedes Mitglied beiträgt. Joachim Knoll schaut optimistisch in die Zukunft des Vereins, auch wenn er vermutet, dass die Internetseite in Sachen Suchmaschinenoptimierung und Suchmaschinenanzeigen sich langfristig gegenüber den kommerziellen Mitbewerbern nicht durchsetzen kann. Dafür schweißen gemeinsame Messeauftritte und andere Veranstaltungen die Mitglieder zusammen. Und der Wunsch des 1. Vorsitzenden für die Zukunft lautet: „Ich würde gern den vereinsinternen Austausch noch mehr fördern; ich denke hier liegt noch viel ungenutztes Potenzial, die Mitglieder könnten über einen internen Bereich der Homepage Produkte tauschen oder sich auch außerhalb der Veranstaltungen gegenseitig Tipps in Vermarktungsfragen geben.“
Zu den jüngsten Entwicklungen in der Corona-Krise weiß Geschäftsführer Michael Baldenhofer zu berichten: „Natürlich haben die Corona-Maßnahmen auch unsere Vereinsaktivitäten eingeschränkt. Vorstandssitzungen, auf denen wir Pläne für das laufende und das kommende Jahr schmieden, sind mittlerweile wieder möglich. Einige Veranstaltungen wie der geplante Regionalmarkt in Überlingen sind ausgefallen bzw. aufs nächste Jahr verschoben – für uns bedeutet dies, dass die Vorstände in Sachen ehrenamtliches Engagement etwas entlastet sind, dafür aber auch weniger Möglichkeiten bestehen, unser Angebot in der Öffentlichkeit zu präsentieren.“
Auf die Mitgliederentwicklung scheint sich die Corona-Krise nicht auszuwirken; die Zahl steigt weiterhin langsam, aber kontinuierlich. Die Mitgliedsbetriebe wurden von der Corona-Krise unterschiedlich stark getroffen. Drängende Probleme gab es vor allem bei Sonderkulturbetrieben, die aufgrund der geschlossenen Grenzen akuten Arbeitskräftemangel zu verzeichnen hatten. Drastische Umsatzeinbußen gab es z.B. bei Ferienwohnungen und Hofgastronomie sowie auch bei Betrieben, die Schulen, Kindergärten, Kantinen oder Altenheime mit Obst beliefern. Eine gegenseitige Unterstützung der Betriebe im Verein konnte die Probleme sicher nicht in Luft auflösen, aber manches ein wenig entkrampfen. „Insgesamt ist mein Eindruck, dass unsere Betriebe recht gut durch die Krise gekommen sind. Und ich sehe in der Corona-Krise auch positive Aspekte: Bei vielen Kunden hat sich ein neues Bewusstsein entwickelt, was den Einkauf saisonaler und regionaler Produkte angeht, oder das vermehrte Kochen in der eigenen Küche. Auch scheint mir, die Menschen sind hinsichtlich Tierwohl, Herkunft und Produktionsart von Lebensmitteln sensibler geworden. Als Verein möchten wir dieser Entwicklung durch unsere Öffentlichkeitsarbeit gezielt begegnen, indem wir z.B. in unseren Kundennews offene Einblicke in die Betriebe geben und die besonderen Eigenschaften regionaler und saisonaler Lebensmittel hervorheben.“ Joachim Knoll ergänzt: „Ich sehe auch, wie die Krise neue und vielversprechende Vermarktungswege hervorgebracht hat. Der Online-Hofladen Fridafrisch wurde in unserer Region gegründet; auch die nachhaltig-regionale Einkaufs-App „Marktfee“ finde ich interessant. Wir als Verein hatten mehrere Verkaufsautomaten beschafft, die eigentlich auf der Landesgartenschau stehen sollten. Für diese haben wir nun bereits zwei alternative Standorte gefunden.“
Katja Brudermann