Die weiteren Aussichten: heiter bis wolkig

Beim Feldtag auf dem Acker der Zukunft im niederländischen Ens Anfang September hatte auch die Rabobankstudie zu Vor- und Nachteilen der Präzisionslandwirtschaft gemäß einer Umfrage unter niederländischen Ackerbauern gewissermaßen Weltpremiere. Die wichtigsten darin geschilderten Erkenntnisse sind erst einmal wenig überraschend: die größten Vorteile der Präzisionslandwirtschaft werden im effizienten und genauen Arbeiten gesehen. Zukünftig werde zudem die standortspezifische Anwendung stets mehr an Bedeutung gewinnen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Gewinnung von Daten, ein weiterer Vorteil wird in einem Plus an Bequemlichkeit für den Anwender gesehen.

Theoretisch steht außer Frage: Mit Präzisionslandwirtschaftstechniken wie GPS, Bodenscans und ortsspezifischem Einsatz von Düngemitteln und Pflanzenschutz können Ressourcen effizienter und genauer genutzt werden. Die Umfrageergebnisse zeigen aber, dass Ackerbauer dies in der Praxis nicht immer bestätigen können. So ist zum Beispiel die Kommunikationsfähigkeit der verschiedenen Gerätschaften untereinander noch nicht optimal gelöst und auch der Return on Investment lässt zuweilen zu wünschen übrig.

Was aber sind die Vorteile der Präzisionslandwirtschaft? 64 % der befragten Landwirte gab an, dass der hauptsächlich im effizienteren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln liegt. 44 % erklärten, im wahrsten Sinne des Wortes präziser arbeiten zu können, und 42 % bestätigten, Düngemittel mit Hilfe dieser Techniken effizienter einsetzen zu können. Dank der Präzisionslandwirtschaft können Unternehmer somit Kosten für Pflanzenschutz, Düngung und Arbeitszeit sparen. Während in Fachzeitschriften häufig die Steigerung der Ernteerträge als Vorteil genannt wird, konnten dies die Umfrageergebnisse nicht unterstreichen: Nur 25% der Landwirte konnten messbar höhere Erträge einfahren.

Etwa 85% der befragten Landwirte verwenden Lenksysteme, die landwirtschaftliche Maschinen automatisch auf GPS-Basis steuern. Damit scheint der Ackerbau für den nächsten Schritt in der weiteren Implementierung eigentlich bereit zu sein. Dies wird durch die Umfrageergebnissen unterstrichen. Viele der befragten Landwirte wollen innerhalb der nächsten fünf Jahre in Technik investieren, die helfen soll, Nährstoffe und Pflanzenschutz so standortspezifisch wie möglich auszubringen: 47% im Bereich Pflanzenschutz und 35 % bei der Düngung.

Grundsätzlich sind die befragten Landwirte bereit, ihre Daten mit anderen Parteien in der Produktionskette zu teilen. Nur 15 % betrachten mangelnde Transparenz bei der möglichen Weiterverwendung ihrer Daten als Hinderungsgrund. Außerdem gaben 9% der Befragten an, dass sie zunächst wissen möchten, wem die Daten dann eigentlich gehören, bevor sie sich weiter in die Präzisionslandwirtschaft vertiefen. Weitgehend einig waren sich die befragten Landwirte darüber, dass Daten in den nächsten fünf Jahren eine stets größere Rolle bei der Entscheidung spielen werden sowohl was die Kulturwahl angeht als auch die Beratung.

Die befragten Landwirte beklagten, dass Geräte verschiedener Lieferanten oft nicht miteinander verbunden werden können. Infolgedessen bestehen Zweifel, ob sich die Investitionen auszahlen werden. Für einen erfolgreichen Einsatz von Präzisionslandwirtschaftstechniken ist es wichtig, zu prüfen, was diese in Bezug auf Komfort und Nutzen bringt. Ist keines von beiden klar erkennbar - dann könnte es sich den Rabobänkern zufolge auszahlen, mit der Investition zu warten.

In Ens gab es einige Hinweise, die es zu bedenken gilt: „Schauen Sie sich die Gesamtinvestitionskosten an. Die Kosten für die Präzisionslandwirtschaft gehen über den Anschaffungspreis hinaus, sondern fordern auch viel Zeit und Willen, sich mit den Techniken zu beschäftigen. Die Präzisionslandwirtschaft liefert zwar viele Daten bspw. aus Bodenscans und Ertragsmessungen – und diese Daten können unbestritten wertvolle Erkenntnisse liefern. Die Verarbeitung und Interpretation dieser Daten kostet jedoch wiederum auch viel Zeit und Geld.

Zur Optimierung des Erkenntnisgewinns sollten Sie unabhängige Beratern zu Rate hinzuziehen. Wenn möglich sollten Sie die Möglichkeiten gemeinsam mit den Kollegen vor Ort erkunden. Studiengruppen oder Branchenorganisationen können wertvolle Hilfe leisten.“ Nicht zuletzt sollte auch die Nutzung von Skaleneffekten durch Datenaustausch innerhalb einer Region bedacht werden. Ein erster Schritt in die richtige Richtung kann der Austausch der Daten von Wetterstationen sein.

Tim Jacobsen