Familie Drechsler aus Nürnberg-Almoshof erhöhte ihre Tomatenanbaufläche mit dem 2019 eingeweihten Abenberger Zweigbetrieb auf insgesamt 5,5 ha. Als zweites Nachtschattengewächs werden im Nürnberger Stammbetrieb 1 ha Auberginen angebaut. Nichtsdestotrotz bleibt die Familie ihrer Gurkenproduktion weiterhin treu.
In zwei Häusern mit 4,5 bzw. 3,5 m Stehwandhöhe werden Schlangen- und Minigurken in traditioneller Weise kultiviert: Kappen des Haupttriebes in 2 m Höhe und Belassen von 2 Seitentrieben. Für eine Kultur am „Hohen Draht“ sind die Gewächshäuser nicht hoch genug und die Früchte erreichen deshalb nicht das gewünschte Gewicht von 400 g.
Die unveredelten Jungpflanzen stammen von Gipmans, Venlo/NL. Gepflanzt werden sie ab Mitte Januar bei einer Standweite von 1,25 Pfl./m2. Der zweite Satz folgt Anfang Mai, der dritte Anfang August. Für den ersten Satz hält Christian Drechsler die Rijk Zwaaner Sorte (RZ) `Proloog´ vor allem wegen ihres Ertrages für gut geeignet. Da der Virusdruck im intensiven Anbaugebiet des Knoblauchslandes recht hoch ist und während der Vegetationsperiode zunimmt, setzt der Anbauer beim zweiten und dritten Gurkensatz auf `Bonnet´ (RZ).
Die Drechslers produzieren aus Überzeugung in Perlite im geschlossenen System. Perlite ist strukturstabil, trocknet leichter ab, kann gedämpft und drei Jahre lang verwendet werden. Bei Steinwolle seien Gießfehler eher möglich und es gebe auch keine Entsorgungsstelle. Die Wasser- und Nährstoffversorgung ist durch Tropfbewässerung sichergestellt. Das Dränwasser wird durch Erhitzung entkeimt, Rohre und Schläuche mit Wasserstoffperoxid desinfiziert. Geheizt wird mit Gas (Busrail-System und Vegetationsheizung von Gakon), die Steuerung übernimmt ein Klimacomputer von Sercon, Gorinchem/NL.
Der Pflanzenschutz läuft selbstverständlich über Nützlinge. Eingesetzt werden Encarsia formosa, Amblyseius-Arten, und Macrolophus spec. von der Firma Koppert. Sehr angetan ist Christian Drechsler von Aphipar (Aphidius colemani), einer Schlupfwespe gegen Blattläuse. Berater des Gemüseerzeugerrings Knoblauchsland e.V. hatten zu deren Einsatz geraten. Steinkrautampeln (Alyssum) über dem Gurkenbestand liefern zusätzlich Nektar zur Ernährung der Nützlinge.
Durch „Zwischenpflanzung“ schafft es der Gurkenproduzent, die Erntelücke zwischen den Sätzen von ca. 20 Tagen auf vier Tage zu reduzieren. Beim Wechsel vom ersten auf den zweiten Satz rodet Drechsler zuerst jede zweite Reihe und ersetzt sie mit Jungpflanzen. Sind diese nach zehn bis 14 Tagen kurz davor, den Kulturdraht zu erreichen, werden die restlichen Altpflanzen gerodet und ersetzt.
Beim Pflegeaufwand muss man allerdings zweigleisig fahren und sich gleichzeitig um die älteren und jüngeren Gurken kümmern. Aber die dadurch verkürzte Erntelücke hat zur Folge, dass man ständig mit Gurken am Markt bleiben kann. Das lohnt den Arbeitsaufwand allemal. Leider lässt sich der Übergang vom zweiten zum dritten Satz Gurken nicht mehr mit Zwischenpflanzung optimieren. Zu diesem Zeitpunkt, Anfang August, ist die Tageslänge bereits zu kurz, um sicher zu gehen, dass die Jungpflanzen im Schatten der Älteren genügend Tageslicht bekommen.
Die Abnehmer erwarten nicht nur kontinuierliche Belieferung, die Gurken sollen inzwischen auch möglichst wenig verpackt sein. Sie müssen aber trotzdem gekennzeichnet werden, da Registrierkassen regionales Gemüse nicht von anderswo erzeugtem unterscheiden können. Christian Drechsler bevorzugt dazu Klebeetiketten. Gummiringe mit Papierschildchen oder gar Papiermanschetten hält er für ungeeignet: „Die Verpackung darf bei einem Niedrigpreisartikel wie der Gurke nicht zu viel an Material- und Arbeitskosten verursachen.“
Die Vermarktung von 95 % des in den beiden Drechsler‘schen Betrieben produzierten Gemüses läuft über Nürnberg. Deshalb wird auch fast die komplette Ernte im Almoshofer Stammbetrieb verpackt und kommissioniert. Damit das noch reibungsloser verläuft, entsteht hier zurzeit ein 1 300 m² großes Logistikzentrum, das auch einen 350 m² großen Kühlraum beinhaltet.
50 % der Gesamtproduktion gehen an die Franken-Gemüse Knoblauchsland eG, 30 % an Edeka Nordbayern, 10 % an Real Bayern und weitere 10 % an den Nürnberger Großmarkt. Die Gurken allerdings werden zu 80 % über die Genossenschaft und jeweils zu 10 % über den Großmarkt und an Edeka verkauft.
Vermarktung und Produktion sind Sache Christian Drechslers. Deshalb findet man ihn meist am Almoshofer Standort. Vater Bernd Drechsler schaut dagegen in Abenberg nach dem Rechten und managt gleichzeitig sämtliche Betriebsbaustellen.
Neben dem Juniorchef arbeiten im Nürnberger Stammbetrieb noch Mutter Erna Drechsler, zwei festangestellte Gärtnerinnen in Vollzeit, eine weitere festangestellte Teilzeitkraft, eine Arbeitskraft auf 450-€-Basis und 25 bis 30 Saison-AK. Alles was es im Büro zu tun gibt, ist Sache von Juniorchefin Alexandra Drechsler.
Wie wurden die Folgen des Corona-Ausbruchs geschultert? Da bei Drechslers bereits im Dezember Tomaten gepflanzt werden, waren zu Beginn der Reisebeschränkungen schon ausreichend Saison-AK im Betrieb. Sie blieben auch länger, um die Quarantäne bei Rückkehr ins Heimatland zu vermeiden. In der Zwischenzeit charterten mehrere Knoblauchsländer Gemüsebaubetriebe gemeinsam einen Flug, um ihre Arbeitskräfte ins Land zu holen, was später über den Bauernverband organisiert wurde. Die anschließend notwendige Arbeitsquarantäne konnte Familie Drechsler vor allem im Abenberger Zweigbetrieb relativ einfach organisieren. Zu einem Absatzeinbruch kam es nicht. Darunter hätten vor allem Anbauer zu leiden, die an Großküchen oder die Gastronomie vermarkten.
Soll die Anbaufläche weiter vergrößert werden? „In naher Zukunft nicht“, so Christian Drechsler. „Die Corona-Krise kam aus dem Nichts und hat gezeigt, wie schnell Unerwartetes passieren kann. Deshalb wollen wir vor einer Betriebserweiterung erst einmal Rücklagen für alle Fälle aufbauen und dann weitersehen.“
Ramona Schneider