45 Prozent der Arten in NRW sind vom Aussterben bedroht

Leserbrief zum Artikel "45 Prozent der Arten in NRW sind vom Aussterben bedroht" in der Rheinischen Post vom 02.09.2020:

"In Ihrem Artikel vom 02.09.2020 nannte die Nabu Chefin, Frau Heide Naderer, die auf Effizienz getrimmte Landwirtschaft, als Hauptursache für den Insektenrückgang. Ich bin seit 35 Jahren Landwirt und bewirtschafte meinen Betrieb mit einer vielfältigen Fruchtfolge von Gerste, Weizen, Rüben, Kartoffeln, Mais und Blühstreifen. Zwischenfrüchte werden in unserem Betrieb seit über 50 Jahren angebaut und nicht erst seit der Greeningverordnung. In  diesem Frühjahr bin ich vom Nabu angeschrieben worden, dass auf mehreren Parzellen von mir, Kiebitznester durch den Nabu, mit ca. 1,20m hohen Kunststoffstangen markiert worden  sind. Die Fläche, in der sich die Nester befanden, wurde somit nicht mehr bearbeitet. Der Nabu sollte sich nach der Brut auch wieder  um die Entfernung der Kunststoffstangen bemühen, damit diese nicht im Viehfütter wiederzufinden sind. Über Wochen habe ich Buch über die Nester geführt, was ich dem Nabu auch mitgeteilt habe. Aus 4 Gelegen mit 12 Eiern ist m.E. kein Kiebitz herangewachsen. Daraufhin habe ich dem Nabu meine Erfahrungen mitgeteilt und darauf aufmerksam gemacht, dass dort Prädatoren, wie die Krähe, mit einer Population von ca. 20 Stück die Nester plündern. Ich habe einer Mitarbeiterin empfohlen Kameras zu installieren, um die Nesträuber ausfindig zu machen. Auf meine Frage: Ob der Nabu Buch darüber führe, wie viele Paare im Frühjahr vom Süden kommen und wie hoch die Zahl nach der Brut sei, bekam ich als Antwort, dass das nicht vorgesehen sei. Desweiteren habe ich den Nabu daraufhingewiesen, dass das Insektensterben in erster Linie mit dem Höfesterben in Zusammenhang zu bringen ist. Betriebe mit Viehhaltung,  wie in meinem Betrieb, wo sich Misthaufen befinden,  sind auch Insekten. Dort wo Insekten sind, gibt es auch ausreichend Vögel. Es besteht meines Erachtens eine Korrelation zwischen dem Höfesterben mit Tierhaltung und der abnehmenden Artenvielfalt. Dies könnte z.B. anhand einer wissenschaftlichen Ausarbeitung bewiesen werden.

Bei einem Rundgang auf meinem Betrieb, zeigte eine Nabu Mitarbeiterin wenig Interesse an der dort vorhandenen Artenvielfalt.  Ich denke, dass der Nabu zuerst einmal die von mir beschriebenen Dinge umsetzen soll um zu erfahren, wer die Nester plündert, wie viele Kiebitze tatsächlich vorhanden sind, anstatt pauschal die Landwirtschaft  als Verursacher  für  den Rückgang der Artenvielfalt verantwortlich zu machen. Nur gemeinsam können wir den Artenschutz vorantreiben bei einem fairen Umgang miteinander."

Meinhard Schnothale, Wegberg

Quelle: Rheinische Post