Zwiebelsaison 2023/2024

MODERN

Die aktuelle Zwiebelsaison 2023/24 steht seit Beginn vor Herausforderungen. In Deutschland folgte auf ein nasses und kühles Frühjahr, eine extreme Hitzeperiode in der ersten Sommerhälfte. Dadurch war eine Bewässerung der Kulturen bundesweit unerlässlich. Reichliche Niederschläge in der zweiten Hälfte des Sommers sorgten für ein Wachstum der Zwiebeln. So wurde in diesem Jahr zum Stichtag 1. Oktober fast die gleiche Menge eingelagert wie 2022, die Größenverteilung hat sich jedoch wieder normalisiert. Die immer noch ergiebigen Niederschläge im August förderten zwar die Größenentwicklung der Zwiebeln, nicht aber die Qualitäten. Aufgrund der enormem Sortierverluste wird davon ausgegangen, dass die Lagersaison früher endet als im knappen vergangenen Jahr.

Nachdem die vergangene Zwiebelsaison mit rekordhohen Preisen endete, konnte sich der Markt bisher nur wenig entspannen. Mitte September war die Versorgung mit Saatzwiebeln bundesweit gegeben, und die Preise gaben in großen Schritten nach. Die Anbaufläche in Deutschland wurde in diesem Jahr Schätzungen zufolge erneut ausgeweitet (+4 %) und erreicht somit eine Rekordhöhe. Demnach fällt die Bruttoernte 7 % größer aus als vergangenes Jahr. Jedoch wird der Ertrag schätzungsweise nahe dem niedrigen Vorjahresniveau liegen. Zudem führen Qualitätsprobleme derzeit zu einem hohen Sortieraufwand, sodass die Lagerfähigkeit sowie die weitere Angebotsentwicklung unsicher bleiben. Erwartet werden noch größere Sortierverluste bei der Lagerware als im vergangenen Jahr, in dem die Zwiebelsaison früh beendet war. Das dürfte die tatsächlich verfügbaren Mengen an verkaufsfähiger Ware weiter reduzieren. In den umliegenden Nachbarländern zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. So liegen die Preise für deutsche Zwiebeln aktuell zwar noch unter dem rekordhohen Vorjahresniveau, geben jedoch nicht weiter nach – eher im Gegenteil. Denn Ende November zogen die Preise für sortierte Zwiebeln wieder leicht an und nähern sich mit durchschnittlich 37,00 EUR/100 kg den Vorjahrespreisen. Zurzeit stehen höhere Preisforderungen im Raum und es wird für die Adventszeit mit Aufschlägen gerechnet.   

In weiten Bereichen lassen sich die Entwicklungen im deutschen Zwiebelanbau auch auf Europa übertragen. So wurde die europäische Zwiebelernte auf der Euronion Konferenz Anfang November auf 6,52 Mio. t geschätzt, ein Plus von 7 %. Dabei haben sich die Anbauflächen und die Produktion in diesem Jahr europaweit unterschiedlich entwickelt. Die klimatischen Anbaubedingungen waren in vielen Ländern Europas eine Herausforderung. So wird die Zwiebelproduktion in den Niederlanden auf rund 1,5 Mio. t und damit auf Vorjahresniveau geschätzt. Jedoch führen auch hier enorme Sortierverluste zu einer unsicheren Angebotslage. Demnach bewegen sich die Preise in den Niederlanden weiterhin auf Rekordhöhe und stiegen Mitte November infolge einer Nachfragebelebung im Exportgeschäft. In Polen fällt die Produktion in diesem Jahr witterungsbedingt knapp 3 % geringer aus. In Spanien war die Saison von extremer Hitze und Trockenheit geprägt. Vor allem fehlt es dort in dieser Saison an großen Kalibern.

 Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft mbH (AMI)