Weiße Fliege – biologische Bekämpfung im geschützten Anbau

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Weiße Fliege – Puparien und geschlüpfte adulte Tiere<br>Foto: Haardt

Mit den Fliegen haben diese Insekten so gar nichts gemein, sind sie doch mit vier Flügeln unterwegs und auch wenig elegante Flugkünstler. Der Name der zu den Mottenschildläusen gehörenden Pflanzenschädlinge beruht auf dem weißen Wachsstaub, der den gesamten Körper bedeckt. Zusammen mit den Blattläusen, Schildläusen und Blattflöhen bilden sie die Gruppe der Pflanzenläuse (Sternorrhyncha). Im geschützten Anbau in Deutschland treten überwiegend zwei Arten auf: die Gewächshaus-Weiße Fliege (Trialeurodes vaporariorum) und die Tabak- oder Baumwoll-Weiße Fliege (Bemisia tabaci).

Für die Unterscheidung der beiden Arten sind die unterschiedliche Flügelhaltung, die Anordnung der abgelegten Eier und auch die Ausbildung der Puparien wichtige Merkmale. Während T. vaporariorum die Flügel eher flach hält, sind sie bei B. tabaci spitzdachartig aufgestellt. Bei der Eiablage sticht T. vaporariorum den Saugrüssel ins Pflanzengewebe ein und legt dann die Eier ab, während sie den Körper bewegt. Dadurch ergibt sich eine kreisförmige Anordnung, während B. tabaci die Eier meist einzeln ablegt. Die Puparien der beiden Arten sind besonders gut voneinander zu unterscheiden: bei T. vaporariorum sind sie erst weißlich-grau gefärbt und wechseln mit zunehmendem Alter zu schwarz. Sie sind oval dosenförmig mit einem hohen, bewimperten Rand. Bemisia-Puparien sind hingegen gelblich und verfärben sich mit zunehmendem Alter bräunlich. Die Form ist ebenfalls oval, sie besitzen allerdings keinen hohen Rand und weisen auch keine Bewimperung auf.

Als Wirtspflanzen dienen den Weißen Fliegen Zier- und Gemüsepflanzen aus mehr als 80 Familien, z.B. Poinsettien, Fuchsien, Gerbera, Geranien, Auberginen, Gurke, Tomate und Paprika. Aufmerksam auf den Pflanzenschädling wird man oft durch das Auffliegen der weiß gefärbten Tiere, da die Larven aufgrund ihrer versteckten Lebensweise eher unauffällig sind. Die erwachsenen Tiere sind dabei schlechte Flieger, können sich durch die Ausbildung der Hinterbeine zu Sprungbeinen aber auch springend fortbewegen. Ein Befall findet seinen Ursprung oft in der Nähe von Eingängen oder Lüftungen und breitet sich dann allmählich weiter aus. Eine Verbreitung durch starke Flugbewegungen ist eher selten.

Schadbild

Wie die meisten Pflanzenläuse sind Weiße Fliegen Phloemsauger und saugen an den Blattunterseiten direkt am Saftstrom. Der kohlenstoffreiche Pflanzensaft enthält nur geringe Mengen an Nährstoffen, wodurch eine große Menge aufgenommen werden muss. Die starke Saugtätigkeit führt schließlich zur Vergilbung der Blätter. Die überschüssigen Kohlenhydrate aus dem Pflanzensaft scheiden sowohl die Larven als auch die Adulten als sog. Honigtau wieder aus, der als glänzende, klebrige Schicht auf den Blättern anhaftet. Dieser Belag ist eine ideale Grundlage für das Wachstum von sog. Schwärzepilzen (Rußtaupilze), wodurch die Assimilationsfläche der Pflanze reduziert und die Pflanze geschwächt wird. Starker Befall führt zu reduzierten Fruchterträgen und der Zierwert wird erheblich beeinflusst. Auch als Überträger von Pflanzenviren sind Weiße Fliegen problematisch.

Entwicklung

Weiße Fliegen können sich sowohl geschlechtlich als auch ungeschlechtlich durch Jungfernzeugung (Parthenogenese) vermehren. Männliche Tiere entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern, aus befruchteten entwickeln sich Weibchen. Das Populationswachstum hängt stark von den vorherrschenden Temperaturen und von der Wirtspflanze ab.

Die Entwicklung verläuft vom Ei über vier Larvenstadien bei 20 °C innerhalb von etwa 40 Tagen zum Vollinsekt (Imago), bei 30 °C reduziert sich die Entwicklungszeit auf mehr als die Hälfte. Die Eiablage erfolgt in die Blattepidermis, in der die Eier mit einem kleinen Stiel verankert werden. Während sich T. vaporariorum bevorzugt an den oberen, jüngeren Blättern und Triebspitzen aufhält, findet die Eiablage bei Bemisia meist auf den unteren, älteren Blättern statt. Die Anzahl der insgesamt abgelegten Eier variiert je nach Weiße Fliegen-Art zwischen etwa 200 bis 400 Eiern und ist ebenfalls abhängig von der Wirtspflanze. Bei hohen Temperaturen werden deutlich weniger Eier abgelegt. Bereits nach etwa einer Woche schlüpfen die noch beweglichen, durchscheinenden Larven, die sich auf der Blattunterseite einen günstigen Platz suchen und festsetzen. Durch Reduktion der Beine und Fühler bilden sie ein festsitzendes Gebilde, das sich über ein bis zwei Wochen zum Puparium entwickelt. Durch eine t-förmige Naht schlüpft nach etwa zehn Tagen das geflügelte Vollinsekt.

In unserem Klimabereich ist eine Überwinterung von T. vapoariorum und B. tabaci aufgrund der Temperaturempfindlichkeit ausschließlich an grünen Pflanzen in geheizten Räumen und Gewächshäusern möglich. Neben den eigentlichen Wirtspflanzen dienen auch Unkräuter, wie z.B. Sauerklee, Vogelmiere, Franzosenkraut als Überwinterungspflanzen und können so der Ursprung für die Schädlingspopulation des nächsten Jahres sein. Es muss daher im Rahmen der Gewächshaushygiene unbedingt dafür gesorgt werden, dass diese Quellen aus dem Gewächshaus entfernt werden. Eine dritte Art, die Kohlmottenschildlaus (Aleyrodes proletella), kann im Freiland überwintern, spielt aber als Schädling im geschützten Anbau nahezu keine Rolle.

Biologische Bekämpfung

Für die erfolgreiche biologische Bekämpfung der Gewächshaus-Weißen Fliege und auch der Tabak-Weißen Fliege haben sich verschiedene Nützlinge bewährt. Bereits seit langem werden sehr erfolgreich Erzwespen, Raubmilben und Wanzen gegen die verschiedenen Entwicklungsstadien der Pflanzenschädlinge eingesetzt. Mit Naturalis® steht zusätzlich ein biologisches Pflanzenschutzmittel zur Verfügung.

Schlupfwespe Encarsia formosa

Im geschützten Anbau ist die nur 0,7 mm lange Erzwespe Encarsia formosa der wichtigste Gegenspieler. Sie vermehrt sich überwiegend parthenogenetisch, Männchen treten nur äußerst selten auf. Die ursprünglich in Mittel- und Südamerika beheimatete Schlupfwespe reduziert den Befall nicht nur durch Parasitierung der älteren Larvenstadien (L3 und L4) der Weißen Fliege, sondern trägt auch durch sogenanntes Host-Feeding zur Reduzierung des Schädlings bei. Dabei sticht sie mit ihrem Legebohrer junge Larvenstadien (L1 und L2) an und nutzt deren Körperflüssigkeit (Hämolymphe) als Proteinquelle für die Eiproduktion. Dabei kann sie sogar parasitierte von nicht parasitierten Larven unterscheiden. Von den durch Encarsia abgetöteten Weiße Fliege-Larven kann der Anteil des Host-Feedings bis zu einem Drittel betragen.

Die Entwicklung ist temperaturabhängig und dauert etwa zwei bis vier Wochen. In der durchschnittlichen Lebensdauer von ein bis zwei Wochen als adultes Insekt werden bis zu 100 Eier in Wirte abgelegt. Hohe Temperaturen verkürzen die Lebensdauer der adulten Tiere erheblich.

Für einen erfolgreichen Einsatz benötigt Encarsia Temperaturen von mindestens 18 °C und Langtagbedingungen, sodass ein Einsatz ohne Zusatzbeleuchtung nur von Ende März bis Ende September sinnvoll ist. Ein bereits starker Befall mit Weißer Fliege kann problematisch sein, da Bereiche mit starkem Honigtaubelag von Encarsia gemieden werden und damit die Parasitierungsrate drastisch sinkt. Es ist deshalb unbedingt erforderlich, diesen Nützling bereits vorbeugend, spätestens jedoch beim ersten Auftreten des Schädlings einzubringen.

Schlupfwespe Eretmocerus eremicus

Neben dem Nützling Encarsia formosa wird noch eine weitere Schlupfwespen-Art, Eretmocerus eremicus, gegen Weiße Fliegen eingesetzt. Sie hat sich besonders beim Auftreten von Bemisia tabaci bewährt und ist alleine oder als Kombination mit Encarsia erhältlich. Die aus dem Südwesten der USA stammende Schlupfwespe Eretmocerus bevorzugt zur Eiablage das 2. und 3. Larvenstadium und betreibt ebenfalls Host-Feeding. Eine Konkurrenz um geeignete Wirte ist daher begrenzt. Im Gegensatz zu Encarsia bleibt die Schlupfwespe auch noch bei höheren Temperaturen von mehr als 30 °C aktiv.

Weichwanze Macrolophus pygmaeus

Neben den beiden Parasitoiden Encarsia und Eretmocerus wird die räuberische Weichwanze Macrolophus pygmaeus gegen Weiße Fliegen eingesetzt. Sie hat sich besonders in Tomaten- und Auberginen-Kulturen bewährt. Die Wanze erreicht eine Körperlänge von 3 - 4 mm und ist grün gefärbt. Die Augen sind rot. Eine erwachsene Wanze frisst pro Tag 40 - 50 Eier oder 15 - 20 Puparien der Weißen Fliege. An Zierpflanzen können durch die Wanze Saugschäden an Blüten entstehen, da sie neben der tierischen Beute auch Pflanzensaft zu sich nimmt. Die Entwicklungszeit vom Ei bis zum erwachsenen Insekt beträgt 95 Tage bei 15 °C, nur 30 Tage bei 25 - 30 °C. Im Laufe ihrer recht langen Lebenszeit von etwa drei Monaten bei 20 °C kann ein Weibchen mehr als 250 Eier vertilgen. Um rechtzeitig eine effektive Nützlingspopulation aufzubauen, muss frühzeitig mit dem Einsatz begonnen werden. Dabei dienen sterilisierte Motteneier (Sitotroga) als Ersatznahrung.

M. pygmaeus geht unter Kurztagbedingungen in eine Winterruhe (Diapause) und ist deshalb nur von Ende März bis Oktober einsetzbar.

Raubmilben

Auch einige Raubmilben-Arten nehmen neben ihrer Hauptbeute auch Eier und Larven der Weißen Fliege als Beute. Die gegen Thripse eingesetzten Arten Amblyseius swirskii, Transseius montdorensis oder auch Amblydromalus limonicus tragen somit als Nebeneffekt ebenfalls zur Reduzierung des Befalls bei. Sie sollten aber immer nur als Ergänzung zu den Schlupfwespen zum Einsatz kommen.

Biologische Pflanzenschutzmittel gegen Weiße Fliege

Mit Naturalis® gibt es auch ein biologisches Insektizid gegen Weiße Fliege. Die Wirkung beruht auf dem Kontakt der Pilzsporen von Beauveria bassiana mit der Insektenkutikula. Nach der Keimung dringt der Pilz in den Insektenkörper ein und tötet das Insekt durch weiteres Myzel-Wachstum und damit gestörter Wasser- und Nährstoffversorgung ab. Die optimalen Bedingungen für den Einsatz sind Temperaturen von 20 – 27 °C und eine relative Luftfeuchte von mehr als 60 %. Ein Einsatz empfiehlt sich aber auch besonders in der kühleren Jahreszeit, in der für die Nützlinge wie Encarsia nicht mehr ausreichende Temperatur- und Lichtbedingungen vorliegen.

Fazit

Eine biologische Bekämpfung der Weißen Fliege ist in vielen Fällen mit den vorgestellten Nützlingen möglich. Für einen erfolgreichen Einsatz ist es wichtig, mit dem Einsatz der Nützlinge rechtzeitig zu beginnen und den Pflanzenbestand regelmäßig zu bonitieren. Mit Hilfe von Gelbtafeln sollte der Bestand überwacht werden und spätestens beim Auftreten der ersten Schädlinge der Einsatz der Nützlinge erfolgen.

Helge Arp