Vogel- und Wildabwehr - Optisch und akustisch vergrämen

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Vogelscheuchdrachen – im Bild das System von Patrick Christopher, Krefeld – lassen sich schnell und einfach installieren<br>Werkfoto

Gegen viele Schädlinge und Krankheiten kann man mit den richtigen Behandlungen und der optimalen Kulturführung etwas ausrichten. Aber was, wenn Vögel, Hasen oder Rehe über die Kulturen herfallen – immense Schäden können die Folge sein. Wie Sie Ihre Pflanzen vor Wild- und Vogelfraß schützen können, lesen Sie im folgenden Überblick.

Da sich Vögel sehr schnell an statische Maßnahmen gewöhnen, arbeiten die geräuschlosen Abwehrgeräte mit Bewegung. Vor allem Vogelschutzdrachen haben sich hier bewährt.

Achtung, Greifvogel!

Seit 60 Jahren ist Purivox Saat- und Ernteschutzgeräte GmbH ein inhabergeführtes Unternehmen für professionelle Vogelabwehrsysteme mit Sitz in Ottersheim. Purivox bietet für die optische Vergrämung von Vögeln verschiedene Greifvogelattrappen an, die an Fieberglasstäben hängen und durch Luftbewegung einen potenziellen Feind simulieren. Die Raubvogeldrachenscheuche gibt es als Falken- und Adlerattrappe (v.a. für die nördlichen Teile Deutschlands). Außerdem im Programm: große Ballons, die mit stilisierten Augen beklebt, auf viele Vogelarten bedrohlich wirken und deshalb die Nähe dieser Ballons von den Tieren gemieden wird. Die Ballons sollen laut Firmenangaben einen Umkreis von 40 m „schützen“. Weitere Informationen unter www.purivox.com.

Auch Saat- und Ernteschutz Rudolf Barth, Essen, hat verschiedene Vogelscheuchdrachen im Sortiment. Je nach Höhe der Anlage steigt dabei der Wirkungsbereich auf bis zu 3,5 ha pro Drachen. Weitere Informationen unter www.vogelabwehr-und-mehr.de.

Seit über 15 Jahren stellt Patrick Christopher, Krefeld, Vogelscheuchdrachen-Systeme her. Die Basis bildet eine Teleskoprute aus sonderlegiertem Aluminum - auch Flugzeugaluminium genannt - mit flexibler Glasfiber-Spitze. Diese sorgt bei Schwach- und Starkwind für die richtige Ausrichtung des Drachens. Sobald Wind aufkommt, steigt der Drachen auf die Wirkungshöhe. Das XL-System mit ca. 33 m Höhe bietet sich für Flächen bis 3,5 ha an. Neu im Sortiment ist ein Drachen in Falkenform, der auch bei starkem Wind eingesetzt werden kann. Weitere Informationen unter www.vogelscheuche.de.

Weitere optische Vergrämungsmöglichkeiten bietet die Toni Bird Control Solutions, Frankfurt am Main, an. Hier kommen unter anderem Laser, Blitzlichtlampen (beide nur für den Innenbereich) und Spiegel zum Einsatz.

Lichtreflexionen kombiniert mit akustischen Reizen nutzt die Spiegelpyramide von Toni Bird Control. Diese eignet sich laut Firmenangaben vor allem für Schutzflächen in der Nähe von Hochspannungsleitungen oder hohen Bäumen. Die Schadvögel, die sich dort niedergelassen haben, werden durch einfallendes Sonnenlicht auf die Spiegelpyramide stark geblendet und suchen das Weite. Weitere Informationen unter www.vogelabwehr.de.

Durch Geräusche vergrämen

Der „Bird Gard“ von Purivox – erhältlich in verschiedenen Varianten – spielt gespeicherte Vogellaute ab. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Angstschreien der zu vergrämenden Vögel, die diese normalerweise im Schwarm/Verband selbst abgeben, und Greifvogelrufen. Es kann eingestellt werden, wann, wie oft und wie lange beschallt werden soll. Um eine Gewöhnung der Vögel zu vermeiden, können immer wieder andere Tierstimmen auf den Chip des Geräts programmiert werden. Je nach Gerät liegt die Reichweite bei 0,5 bis 16 ha. Speziell für die Abwehr von Krähen bietet Purivox den BirdGard Super Pro PA4 mit einem niedrigfrequenten Lautsprecher an.

Ähnlich funktionieren die „Raptor“-Geräte des Herstellers electronic protection, Podersdor/A. Die hohe Wirksamkeit der Geräte beruht laut Firmenangaben auf einer akustischen Imitation natürlicher Feinde bzw. der Imitation arteigener Warnlaute oder Schrecklaute. Es werden acht verschiedene, in der Natur vorkommende Schreckgeräusche in zufälliger Reihung wiedergegeben. Die Tiere, die sie hören, assoziieren instinktiv Gefahr und halten sich von der zu schützenden Fläche weitgehend fern. Den Raptor gibt es in verschiedenen Ausführungen, zur Abwehr von Staren, Krähen, Wildschweinen, Rehen und auch zur Rehkitzrettung. Die Wildschwein- und Rehabwehr wurde in Kooperation mit Schweizer Wissenschaftlern entwickelt und in Studien positiv getestet. Die Geräte sind auch als Kombigeräte verfügbar, umschaltbar von Vogelabwehr auf Wildabwehr. Die Zeitintervalle zwischen den Geräuschen lassen sich manuell einstellen. Die ideale Stromquelle für den Feldbetrieb sind aufladbare 12-Volt-Batterien (z.B. Autobatterie ab 36 Ah), optional sind die Raptor-Geräte mit 230-V-Netzversorgung lieferbar. Außerdem ist  mit dem Raptor R56 remote ein funkgesteuertes System verfügbar, das auch automatisch arbeiten kann. Dies eignet sich ideal in Kombination mit Weingartenhütern. Weitere Informationen unter www.vogelabwehr.at.

Böck Silosysteme, Tacherting, vertreibt unter anderem die Vergrämungsgeräte des amerikanischen Herstellers Bird-X. Das Modell SBXP Pro 2 eignet sich zum Verscheuchen von Krähen, Raben, Amseln, Staren und Kormorane auf Flächen von bis 2,5 ha. Verschiedene Vogelpanikschreie und Raubvogelschreie sind frei kombinierbar, die Lautstärke ist regelbar. Ein Anschluss an eine 12-V-Autobatterie oder die Versorgung über 220-V-Netzteil sind möglich. Die vier Lautsprecher mit je 30 m Kabel ermöglichen eine gute Verteilung des Schalls auf dem Gelände. Weitere Informationen unter www.boeck.de.

Von Saat- und Ernteschutz Rudolf Barth werden die AviTrac-Geräte des französischen Herstellers AgriProTech vertrieben. Diese sind batteriebetrieben und geben Töne ab, die den Schutz der Anbauflächen ohne Gewöhnungseffekt bei den Vögeln ermöglichen: Schreie von natürlichen Feinden, Alarmrufe der betreffenden Arten sowie störende, physisch unangenehme Signale. Lautstärke, Zeiteinstellung, Intervalldauer und gesendete Signale (über 50 verschiedene) sind programmierbar.

Mit ultraSon bietet KME-Agromax, Endingen, eine Eigenentwicklung an, die sich schon seit über 30 Jahren im Gartenbau bewährt. ultraSon ist kein Schreckgerät, welches die Schädlinge nur kurzzeitig aufscheucht, sondern arbeitet nach dem Vergrämungsprinzip. Der spezielle Schallmix (hörbare Hochfrequenztöne in Verbindung mit Ultraschall) liegt laut Firmenangaben an der Schmerzgrenze der tierischen Hörorgane, macht den Aufenthalt im Abstrahlungsbereich auf Dauer unerträglich und die Tiere meiden das geschützte Gebiet. Im Zentrum des Geländes installiert schützt ultraSon ca. 1,5 ha Fläche gegen Vogelschwärme. Die Erweiterung mit Zusatzlautsprechern erlaubt lückenlose Schutzzonen bis ca. 4,5 ha. Für den Betrieb benötigt ultraSon eine 12-V-Autobatterie, ein Netzgerät oder einen Solaraufsatz. Acht Programme und sechs verschiedene Zeitabschnitte sind bei ultraSon Typ 650 individuell programmierbar. Weitere Informationen unter www.kme-agromax.de.

Knallschreck

Geräusche der etwas anderen Art sind Schüsse. Verschiedene Knallschussgeräte bietet zum Beispiel Purivox an. Das RC Karussell Triplex V soll laut Herstellerangaben eine Fläche von bis zu 4,5 ha schützen. Es basiert auf der Grundversion des Triplex V und ist mit einem Funkmodul ausgestattet. Das ermöglicht die Steuerung des Geräts über Funk aus bis zu 8 km Entfernung. Durch die Aktivierung des Gerätes über den Funkhandsender wird ein dreifach-Schuss abgegeben, danach wartet das Gerät auf die nächste Aktivierung. Durch die Funkauslösung ist es möglich, das Knallschreckgerät nur dann schießen zu lassen, wenn es nötig ist. Dadurch wird die Lärmbelastung auf ein Minimum reduziert.

Ziemlich dufte!

Die Firma Stunk® Wild-Fernhaltung bietet, mit ihrer seit neun Jahren erfolgreich eingesetzten Stunk-Flüssigkeit und den dazu passenden Duftsäulen, eine effektive Lösung zur Vermeidung von Wildschäden an. Die Duftsäulen haben eine Lebensdauer von durchschnittlich sechs Jahren. Einmal befüllt beduftet die eingebrachte Flüssigkeit über einen Zeitraum von vier Monaten die zu schützende Fläche. Wenn darüber hinaus weiter geschützt werden soll, wird einfach nachgefüllt. Die eingebrachte Flüssigkeit aktiviert beim Wild den Instinkt der Bedrohung. Je nach Wildart und Flächengröße kommen unterschiedliche Duftsäulen zum Einsatz. Im Sortiment sind Sets ab 0,5ha. Weitere Informationen unter www.wild-fernhaltung.eu.

Auch Saat- und Ernteschutz Rudolf Barth bietet Duftsäulen zur Wildfernhaltung an. Die Flüssigkeit auf Basis ätherischer Öle wird in die Duftsäulen eingefüllt und alle drei bis vier Monate nachgefüllt. Die Säulen gibt es in verschiedenen Größen – je nachdem welche Tiere vergrämt werden sollen.

Gut vernetzt

Auch mit Netzen lassen sich Kulturflächen vor Vogelfraß schützen. Die Firma Hadi, Marschacht, bietet verschiedene Taubenschutznetze an, die aus PP oder PE gefertigt und in Schwarz und/oder Grün erhältlich sind. Weitere Informationen unter www.hadi-gartenbau.de.

Für den Einsatz in Wein- und Obstbau bietet Agroflor, Wolfurt/A, Netze mit unterschiedlichen Maschenweiten von 12 bis 30 mm an. Die robusten PE-Gewirke sind laut Firmenangaben UV-stabilisiert und besonders witterungsbeständig. Die Netze sind in Grün oder Blau lieferbar. Weitere Informationen unter www.agro-flor.com.

Die Rantai-Kulturschutznetze der Rudolf Schachtrupp KG, Hamburg, schützen gleich zweifach. Mit ihrer Maschenweite von 1,35 x 1,35 mm bieten sie effektiven Schutz gegen Gemüsefliegen. Gleichzeitig halten sie Vögel und Wild von den Kulturen fern. Auch gegen Hagelschläge soll das Netz Schutz bieten. Gegen Kirschessigfliege, Erdflöhe und Lauchminierfliege bietet sich Rantai Typ S48 mit einer Maschenweite von 0,8 x 0,8 mm an. Weitere Informationen unter www.schachtrupp.de.

Marion Valenta