Verpackungen für Obst und Gemüse unterliegen zurzeit einem starken Wandel: Verbraucher und Handel verlangen verstärkt umweltfreundlichere, nachhaltige Lebensmittel. In der Produktion steigt der Kostendruck und Arbeitskräfte fehlen. Diese Problematik greift die Verpackungsindustrie zunehmend auf und entwickelt zeitgemäße, ressourcenschonende und nachhaltige Lösungen. Gartenbau Profi hat sich auf der Fruit Logistica über den aktuellen Stand der Technik umgeschaut.
Neben den Frischeprodukten ist der Maschinenbereich ein großer Teil der Ausstellung auf der Fruit Logistica, die im Februar in Berlin stattfand. Dort zeigten sich zahlreiche zeitgemäße, ressourcenschonende und nachhaltige Lösungen im Verpackungsbereich. Neben einfachen und raffinierten Ideen waren fortschrittliche Technik sowie automatisierte Lösungen bis hin zu Robotik und künstlicher Intelligenz zu sehen.
Die großen Fortschritte in der Robotik waren beispielsweise am Stand von MAF Roda Agrobiotic mit einer breiten Palette von Lösungen für die Prozessautomatisierung zu sehen. Das Unternehmen zeigte die neuesten Kalibratoren und elektronischen Sortiersysteme bis hin zur vollständigen Automatisierung der Verpackungsphase von frischem Obst und Gemüse. „Was früher nur manuell möglich war, kann nun dank der Einführung der Computer Vision auch automatisch erfolgen“, hieß es vom Unternehmen. „Je nach Organisation und Ausrüstung der Linien sind in dieser Phase erhebliche Arbeitskrafteinsparungen möglich.“ Vom losen zum verpackten Produkt gelten für alle Obst- und Gemüsesorten besondere Anforderungen an die Verpackung.
So beeindruckend und futuristisch die Technik der Robotik in der Messehalle 4.1 auch war, in Gesprächen mit den Ausstellern und Besuchern wurde deutlich, dass zurzeit die Themen Kostendruck und nachhaltige Verpackungen in der Praxis dominieren.
Nachhaltigkeit
Das Thema Nachhaltigkeit begegnete den Fachbesuchern auf der Fruit Logistica überall. Der Markt für nachhaltige Lebensmittel wächst – und das bezieht sich nicht nur auf die Früchte, sondern auch auf Produktion, Verpackung und Logistik. Viele Unternehmen stehen vor einem ähnlichen Problem: Die Anforderungen nach umweltfreundlicheren und nachhaltigen Produkten sind hoch, gleichzeitig steigen in den meisten Bereichen die Kosten. Viele Technikhersteller haben da bereits reagiert und zeigten in Berlin z.T. innovative, ressourcenschonende und nachhaltige Lösungen für den Verpackungsbereich.
Weniger ist mehr – so das Motto bei der Cyklop GmbH. Mit den Bündelmaschinen des Kölner Unternehmens kann ein Großteil der Verpackung, häufig in Form von Kunststoff, eingespart werden. So wurde der Elastobinder speziell für das Bündeln von länglichen Produkten mit einem Gummiring, dem Strepper®, entwickelt. „Ein Strepper ist ein geschlossener Gummiring, welcher das Produkt nicht verformt und keine Spuren oder Beschädigungen hinterlässt“, unterstrich Wijnand Visser. Optional gibt es den Elastobinder auch mit einem Etikettendrucker. Das Etikett ist an dem Gummiring angebracht und mit ein paar einfachen Handgriffen können die Druckdaten umgestellt werden. Das Menü ist in mehreren Sprachen verfügbar, sodass Mitarbeiter verschiedener Nationalitäten mit der Maschine arbeiten können. „Die Vorteile dieser Bündelungsmethode sind vielseitig“, betonte Visser. „Es gibt keine Knoten mehr, weil der Gummiring eine geschlossene Form hat. Der Gummiring verformt das Produkt nicht und beschädigt es auch nicht.“ Der Elastobinder kann sowohl horizontal als auch vertikal eingesetzt werden. Die Platzierung von den Produkten erfolgt von Hand oder über ein Förderband.
Umweltbewusstes Banderolieren stellte die Project Service & Produktion GmbH vor. „Mit dem Proband V-System nutzen immer mehr Betriebe die Möglichkeit, umweltschonend mit wiederverwertbaren Materialien zu verpacken“, so Frank van Dalen von Project. „Unsere Maschine ist ein Alleskönner: Sie ist sehr einfach zu bedienen und kann Progreen-Papier und Kunststoff in verschiedenen Breiten und Stärken verarbeiten.“ Das Unternehmen unterstrich, dass eine Banderole die einfachste Form der Verpackung sei und man darauf achten solle, dass die Materialien zu dem zu verpackenden Produkt passen. Die Banderolen des Unternehmens vom Niederrhein erfüllen die verschiedensten Qualitätsanforderungen, ob aus Papier oder Kunststoff, ob bedruckt mit bis zu zwölf Farben oder unbedruckt. Erhältlich sind sie in den Standardbreiten von 20 bis 120 mm, die Rollen selbst können bis zu 1 700 m lang sein. Die Qualität der Banderolen ist entscheidend für einen effizienten Verpackungsprozess.
Das Besondere am Proband V ist der innovative Schnellwechselrahmen, betonte van Dalen. „Die Rahmen sind so konzipiert, dass unterschiedliche Banderolenbreiten mit nur einem Rahmen verarbeitet werden können. Durch die einfache Handhabung ist ein Wechsel der Rahmen in Sekundenschnelle vollzogen.“ Seit Anfang letzten Jahres ist das neue Modell Probrand V2000 auf dem Markt und bietet neben dem leichteren Banderolenwechsel weitere Vorteile: unter anderem eine Steigerung der Taktleistung auf 30 Stck./min und einen größeren Bandpuffer. Die Banderolen werden speziell verschweißt und haben einen Klebeanteil von 0,5 %. Aus diesem Grund sind die Papierbanderolen auch komplett recyclebar.
Auch das Schweizer Unternehmen ATS hat Banderoliermaschinen im Programm, die in der Schweiz entwickelt und gebaut werden und höchste Qualitätsanforderungen erfüllen, wie Luca Herzig auf der Fruit Logistica betonte. „Die Banderoliermaschinen von ATS sind universell einsetzbar - vom mobilen Einsatz bis zur individuellen, nahtlosen Integration in bestehende Produktionslinien“, so Herzig. „Sie funktionieren auch bei Feuchtigkeit, Staub und Kälte einwandfrei und sind äußerst zuverlässig, wartungsarm und energieeffizient.“ Neu ist das 100 % recycelbare Banderolierpapier „TruePaper“ - eine ökologisch nachhaltige, mit Ultraschall- und Heatseal-Technologie verschweißbare Papierbanderole. TruePaper besteht aus mindestens 95 % reinem Frischfaserpapier, kann im normalen Papierkreislauf recycelt werden und ist für den direkten Kontakt mit Lebensmitteln geeignet. Die Banderole kann vorgedruckt oder unbedruckt verwendet werden. Es besteht auch die Möglichkeit, einen Drucker an die Maschinen anzubauen. Das Verschweißen mit Ultraschall bietet die Möglichkeit, eine relativ hohe Spannung auf die Produkte zu bekommen. Das reißfeste Papier hält diese Spannung aus. Die Bedienung der Maschinen ist ausgesprochen einfach und erreicht eine Leistung von bis zu 30 Takten/Min. ATS bietet manuelle Maschinen oder automatische Modelle.
Erich Baumeister bietet mit den ARC-Maschinen aus Frankreich eine absolut unkomplizierte und sehr zuverlässige Lösung zum Verschnüren von unterschiedlichen Produkten. Der ECO-Binder läuft sehr ruhig und ist vielseitig einsetzbar. Die Maschine kann als Einzelgerät installiert werden oder in eine Bündellinie integriert werden. Mit einer Abmessung von 45 x 35 cm ist der ECO-Binder ein sehr kompaktes Tischgerät. Die Maschine verarbeitet elastische Garne wie zum Beispiel Ein-Elastikgarn mit Baumwollabdeckung, Dreifach-Elastikgarn mit Zellwolle und viele andere Qualitäten. Da Baumeisters Kernkompetenz die Garne sind, bietet er eine sehr große Auswahl von Garnen aus den unterschiedlichsten Materialien, Farben und Herstellungstechniken. Dabei setzt das Unternehmen auch auf Nachhaltigkeit und hat kürzlich Cellulose- sowie Baumwollgarne ins Programm aufgenommen. Beide enthalten Naturkautschuk und sind biologisch abbaubar. Für Früchte, die sich nicht bündeln lassen, hat Baumeister erstmalig auch Obst- und Gemüse-Netze im Angebot, die ökologisch abbaubar und kompostierbar sind.
Moderne Technik für vielseitigen Einsatz
Nordvac GmbH ist aus Boss Vakuum hervorgegangen und präsentierte ein umfangreiches Sortiment an Schalensiegelmaschinen für die Versiegelung von Lebensmittelverpackungen. „Als Einstieg bietet der Handsiegler eine effiziente Verpackungslösung für Imbissbetriebe, Catering, Außer-Haus-Verkauf und die Ladentheken“, hieß es von Seiten des Unternehmens. Halb- und vollautomatische Schalensiegler ermöglichen zuverlässige und hochwertige Verpackungsergebnisse bei maximalem Preis-Leistungsverhältnis. Mit Hilfe modernster Technik ermöglichen die In-Line Siegelmaschinen das Vakuumieren in Schalen unter Schutzgasatmosphäre bei höchster Produktivität und Geschwindigkeit - ideal für die industrielle Automatisierung. Der Einsatz der Schalensiegler und Tiefziehverpackungsmaschine für veredeltes Gemüse ermöglicht einen optimalen Schutz zum Erhalt von Frische und Haltbarkeit.
Vielseitiger Einsatz und einfache Bedienung zeichnet die Technik von Redpack Packing Machinery aus. Mit fast 50-jähriger Erfahrung optimiert das Unternehmen laufend seine Maschinen mit einem klaren Fokus auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit. „Gemeinsam mit unseren Kunden schaffen wir es, die Produkte mit bis zu 70 % weniger und in recyceltem oder kompostierbarem Material zu verpacken“, betonte Charles Fletcher, Niederlassungsleiter bei Redpack Europe. In Berlin stellte das Unternehmen die horizontale Schlauchbeutelmaschine P325, die für eine vielseitige Verwendung bei einfacher Bedienung konzipiert wurde und eine Leistung von 120 Schalen/Min hat. Neben den Produkten in Schalen können auch verschiedenartige Artikel in Papier oder lose verpackt werden.
Birgit Scheel