Torfausstieg: Der Anfang ist gemacht, jetzt wird’s schwierig

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Mit dem Torfausstieg wird der Torfabbau nicht eingestellt. Weltweit gibt es ausreichende Mengen, die ihren Markt finden <br>Foto: Springer

Im Zuge der Torfminderungsstrategie strebt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Deutschland bis 2030 einen weitgehenden Ersatz von Torf im Erwerbsgartenbau an. Im Freizeitgartenbau sowie im Garten- und Landschaftsbau soll bereits bis 2026 vollständig auf den Einsatz von Torf verzichtet werden.

Die Minderung des Einsatzes von Torf im Erwerbsgartenbau ist eine wichtige Stellschraube zur Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase. Klimaschonende Kulturführung und Ökonomie müssen dabei keinen Widerspruch darstellen, wie aktuelle Ergebnisse aus verschiedensten Modell- und Demonstrationsvorhaben zeigen. Derzeit fördert das BMEL im Rahmen des beschlossenen Torfausstiegs über den Projektträger FNR Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Friedhofs- und Hobbygartenbau sowie zahlreiche Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Erprobung neuer Torfersatzstoffe, Ökobilanzierungen und Praxisversuchen zu torfreduzierten Kultivierungssystemen. Doch auch die Substratindustrie war in letzter Zeit nicht müßig, sich über alternative Substratmischungen Gedanken zu machen.

Profi-Substrate nähern sich den 30 %

So widmet sich Gramoflor verstärkt den "Lignofibre"-Holzfasern als wichtigstem alternativen Substratausgangsstoff und baut das Sortiment weiter aus. Die vier Strukturvarianten von extrafein gefärbt bis grob ungefärbt decken die gesamte Substratbandbreite vom Presstopf bis zum Container ab. Alle " Lignofibre"-Qualitäten sind RAL gütegesichert. Gemeinsam mit anderen alternativen Ausgangsstoffen, so informierte das Unternehmen, beträgt der Anteil nachwachsender Torfersatzstoffe in Profisubstraten jetzt rund 28 Vol.-%.

Patzer Erden hat erkannt, dass der anteilig zunehmende Ersatz von Torf in Substraten und Erden deutlich höhere Ansprüche an die Eigenschaften der alternativen Substratausgangsstoffe stellt, vor allem in puncto Homogenität und biologische Stabilisierung. Vor diesem Hintergrund wurde für den klassischen Naturton ein neues Aufbereitungsverfahren sowie für Holzfasern neben der Nährstoffstabilisierung auch eine mikrobielle Stabilisierung entwickelt. Das Ergebnis sind die beiden neuartigen Substratausgangsstoffe "Lignaton" und "Lignahum". "Lignaton" ist Naturton, der unter Verwendung einer speziellen Holzfaser aufbereitet wurde. Das homogene, bindige Material zeichnet sich durch eine gute Mischeigenschaft aus und sorgt so für eine gleichmäßige Verteilung des Tons im Substrat. Auf andere Substratkomponenten hat es eine ausgleichende Wirkung, erhält dabei aber ihre positiven, charakteristischen Eigenschaften. "Lignahum" sind Holzfasern, die unter Verwendung von humusreichem Material aufbereitet und stabilisiert wurden. Das Material besteht aus nachwachsenden Rohstoffen mit einem hohen Anteil an organischer Substanz. Das homogene und strukturstabile Material zeichnet sich ebenfalls durch eine gute Mischeigenschaft und Verteilung im Substrat aus. Es stabilisiert die Substratmischung im Hinblick auf Nährstoffe und biologische Aktivität.

Van der Knaap und die Den Ouden Groep bauen das Angebot nachhaltiger und zirkulärer Rohstoffe weiter aus. Die jüngste Entwicklung ist Fibrecompost, ein RHP-zertifizierter Rohstoff aus Kompost und Hortifibre (Holzfaser der Den Ouden Group). Die Mischung lässt sich mit weiteren Ersatzstoffen zu Substraten verarbeiten. Hier sorgen die Holzfaser für einen optimalen Lufthaushalt und der Kompost für ein aktives Bodenleben.

Klasmann-Deilmann berichtet, dass es Ziel des Unternehmens sei, den Anteil alternativer Ausgangsstoffe an der jährlichen Gesamtproduktion bis 2025 auf mindestens 30 Vol.-% zu erhöhen. Voraussetzung hierfür ist die gesicherte Versorgung mit Rohstoffen. Deshalb hat der Substrathersteller in Litauen eine eigene Perlit-Produktionsanlage in Betrieb genommen, um den modernen Ausgangsstoff unter strengen Qualitätsvorschriften selbst herzustellen. Die Anlage befindet sich in unmittelbarer Nähe der dortigen Substratfabrik, was zu einer Reduzierung des Transportaufwands führt und den ökologischen Fußabdruck verbessert.

Erdenspezialist Stender hat erkannt, dass sich ein Unternehmen in dieser Umbruchphase entscheiden muss, in welche Richtung es gehen soll. Stender hat sich für die Torffreiheit entschieden, die bereits letztes Jahr mit der Kampagne "beyond peat" eingeläutet wurde. Bis 2028 sollen alle Produkte ohne Torf auskommen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird am Hauptstandort Schermbeck in leistungsstarke und flexible Produktions- und Abfüllanlagen für Profi-Substrate investiert. Bereits 2024 sollen die ersten Substrate vom neuen Band laufen. Die Anpassungen sind notwendig, um im Rahmen des Torfausstiegs einerseits die Produktionskapazität deutlich zu steigern und um regionale Rohstoffe in den Mittelpunkt zu stellen. Das hält die Lieferwege kurz und ist umweltfreundlich. Der Stender-Standort Papenburg verliert infolge der Mission "beyond peat" seine bis heute wichtige strategische Stellung. Infolgedessen wird das Geschäft aus Papenburg ab 2024 in den bestehenden Standort Schermbeck integriert.

Not macht erfinderisch

Rohstoffe für die Substrat- und Erdenproduktion sind begehrt wie noch nie, denn weltweit stellen immer mehr Pflanzenproduzenten ihren Anbau im Freiland auf Substratkulturen um. Entsprechend wächst der Bedarf auf dem Weltmarkt, was zur Verknappung im Angebot führt. Hinzu kommt, dass in Deutschland keine neuen Lizenzen für die Torfgewinnung mehr erteilt werden. Produktionsgebiete im Baltikum, Irland, Polen und Skandinavien übernehmen den Part teilweise, können aber die weltweite Nachfrage bald nicht mehr decken. Dies gilt auch für Alternativen wie Kokos, Rindenprodukte, Kompost, Perlit und Holzfasern. Hinzu kommt, dass immer mehr nach torffreien bzw. nachhaltigen Produkten gefragt wird. Die Herausforderung für die Substratindustrie lautet daher, neue Rohstoffe mit einem kleinen ökologischen Fußabdruck zu finden, die genauso gute Eigenschaften haben wie Torf und die in ausreichenden Mengen verfügbar sind.

Komplett auf Torf könne daher vor allem bei der derzeitigen Situation des Rohstoffmangels und der problematischen Beschaffungslage nicht verzichtet werden. Dazu der Hinweis, dass bei steigenden Anteilen an Ersatzstoffen in torfreduzierten Substraten die Torfqualität entsprechend höher sein muss, um einwandfrei funktionierende Substrate zu erhalten.

Inzwischen konzentrieren sich einige Substrathersteller auch auf Sphagnum-Moos als Ersatzstoff für Torf. Beim finnischen Anbieter Novarbo Oy ist es "Mosswool", eine torfreduzierte Alternative zu Steinwolle, die zu einem Drittel aus Sphagnum-Moosen und zu zwei Dritteln aus Torf besteht. Gegenüber Steinwolle ist die Entsorgung damit wesentlich einfacher, denn Steinwolle ist Sondermüll und lässt sich weder verbrennen noch wiederverwerten. Von Novarbo heißt es, dass Finnland große Moorflächen besitzt, die sich als mögliche Abbauflächen für Sphagnum-Moose eignen. Somit nach Meinung des Unternehmens eine bisher ungenutzte, aber nachhaltige Möglichkeit, Substrate herzustellen. Das Moos wird schonend in Etappen abgebaut. So soll nach Angaben von Novarbo alle 25 Jahre eine Ernte möglich sein, um ein Nachwachsen zu garantieren und das Ökosystem zu schützen.

Miscanthus ist wieder da

Was viele vergessen haben: bereits zu Beginn der ganzen Torfersatz-Diskussion wurde nicht nur die Holzfaser, sondern auch der nachwachsende Rohstoff Miscanthus als Bestandteil für Substratmischungen entdeckt. Beide Stoffe begannen ihre Karriere mit den üblichen Problemen, weil es sich hierbei um Reststoffe für die Nutzung als Baummaterial handelte (Spanplatten, Dämmmaterial) und den speziellen Anforderungen gärtnerischer Substrate natürlich nicht genügen konnte. Bei den Holzfasern hat sich das inzwischen geändert, Miscanthus blieb aber leider auf der Strecke. Nun hat sich Floragard unter dem Begriff "Re-Peat" erneut dem Gras zugewendet. Das Elefantengras Miscanthus x giganteus ist eine natürliche Kreuzung aus Miscanthus sinensis und Miscanthus sacchariflorus. Es ist weltweit eine der drei ertragreichsten Energiepflanzen (C4-Pflanze) und zeichnet sich durch eine besonders hohe Biomasseleistung aus (Trockenmasseertrag 8 bis 15 t/ha/Jahr). Es wird daher bevorzugt als nachwachsender Rohstoff zur energetischen und stofflichen Nutzung angebaut. Von Vorteil ist die mehrjährige und regionale Kultur von über 20 Jahren. Halme und Stängel bleiben über den Winter auf dem Feld und bieten aufgrund der Höhe von 3 bis 4 m ähnlich den Feldgehölz- und Heckenbeständen entsprechende Ökosystem-Dienstleistungen für Tiere und Böden. Obwohl es sich um eine Monokultur handelt, ist die Biodiversität ähnlich hoch wie bei Schilfbeständen und deutlich höher als beim Mais. Der Blattfall im Winter führt zu einem nachhaltigen Humusaufbau mit etwa 8,5 t/ha/Jahr. Das verbessert die Bodenfruchtbarkeit und sorgt dafür, dass Kohlenstoff langfristig im Boden verbleibt mit entsprechend positiver Klimabilanz. Erst nach dem Winter, kurz vor dem Austrieb wird das trockene Gras gemäht und gehäckselt. In einem von Floragard entwickelten Aufbereitungsverfahren werden die Häcksel danach gezielt einer mikrobiellen Umsetzung ausgesetzt. Natürliche Zusätze fördern diese Umsetzung und führen zur Stabilisierung der Stickstoff-Festlegung (N-Immobilisierung unter 150 mg/l). Danach wird das Material mechanisch behandelt und auf eine konstante Struktur eingestellt. Als Miscanthus-Mix lassen sich in Erdmischungen damit dann etwa 10 bis 30 % Torf ersetzen. Das Material mit einem schwach sauren pH-Wert, niedrigen Salz- und Schwermetallgehalt und mäßigen Nährstoffgehalt besitzt eine gute Öko- und Klimabilanz, einen geringen CO2-Fußabdruck, ist biokonform und daher für Biosubstrate geeignet. Es ist frei von Pestizidrückständen und anderen Schadstoffen und mikrobiell belebt. In den Erden sorgt es für eine gute Strukturstabilität und für ein hohes Porenvolumen mit einer guten Luftkapazität.

Gesucht: Alternativen zu Schwarztorf

Wenn von Torfersatz die Rede ist, dann entsteht meist das Bild vom typischen Weißtorf als Bestandteil vieler professioneller Substratmischungen. Ebenso wichtig ist aber auch der Schwarztorf, weil er zu Presstöpfen verarbeitet wichtiger Bestandteil der Gemüseproduktion und damit der Nahrungsmittelproduktion ist. Hier wird ebenso dringend nach Alternativen gesucht. Hintergrund ist der starke Rückgang deutscher Schwarztorf-Reserven. Umfassende Versuchsreihen haben inzwischen geklärt, dass sich Schwarztorf auch von anderen Stoffen ersetzen lässt, beispielsweise durch Weißtorf in Anteilen von 30 bis 50 Vol.-% und durch speziell aufbereitete Holzfasern. Selbst Mischungen aus 70 % Weißtorf führten zu einer zuverlässigen Handhabung und Verarbeitung. Das Wachstum der Jungpflanzen war in allen bisher durchgeführten Versuchen völlig normal und mit dem Wachstum in herkömmlichen Presstopfsubstraten vergleichbar. Zum Teil zeigte sich sogar ein verbessertes Wurzelwachstum, was wahrscheinlich am höheren Luftangebot liegt. Mischungen mit Weißtorf sind zudem leichter und reduzieren die Transportkosten.

Das haben nun mehrere Hersteller umgesetzt und stellten ihre neuen Mischungen vor. Bei Compaqpeat nennt es sich QTS 3 aecoQcube. Der Erdenhersteller setzt bei dem neuen Presstopfsubstrat auf fein abgesiebten Weißtorf als Ersatzstoff. Um die Struktur der Erdwürfel zu verbessern und die Klebefähigkeit des Substrates zu erhöhen, wird fein verteilt Ton hinzugemischt. Die neue Mischung eignet sich auch für größere Presstöpfe. Diese erweisen sich als sehr formstabil und fallen bei der Verarbeitung nicht auseinander. Das erweitert den Verwendungsbereich von der Gemüsepflanzen-Anzucht auf die Jungpflanzen- und Stecklings-Produktion von Zierpflanzen.

Schwarztorf einzusparen, ohne aber die Eigenschaften von Presstopfsubstraten einzuschränken – diesen Weg geht auch Floragard mit den neuen Mischungen Floradur Block Bio 30P und 50P. Die Zahlen beziehen sich auf den noch verbleibenden Anteil an Torf. Mit einem stolzen Anteil von 70 % Ersatzstoffen ist 30P somit schon rekordverdächtig, vor allem als Substrat für die Herstellung von Presstöpfen. Als Ersatzstoffe kommen überwiegend Holzfasern und daneben Kokosmark und Kompost zu fast gleichen Anteilen zum Einsatz. Bei der Mischung P50 ist der Anteil an Schwarztorf entsprechend höher und wird ergänzt durch fein abgesiebten Weißtorf. Als Ersatzstoffe kommen auch hier (in der Reihe der Mengenanteile) Holzfasern, Kompost und Kokosmark zum Einsatz. Beide Mischungen enthalten darüber hinaus fein verteilt Naturton. Um die Bindigkeit, Festigkeit und Handhabung bei und nach dem Pressen zu verbessern, wird den Mischungen Fixolit und Flora Eco Glue beigegeben. Das sind betriebsinterne Bindemittel, die als biotauglich eingestuft sind und sich somit auch als Zusatz für Bioerden eignen.

Peter Springer