Phytoseiulus und andere Raubmilben können zwar zur Bekämpfung von Spinnmilben und Thripsen häufig erfolgreich eingesetzt werden, bei heißem, trockenen Klima im Gewächshaus funktionieren sie aber unzureichend. Dann sind Korrektur-Behandlungen nötig. Welche alternativen Spritzmittel dafür geeignet sein könnten, sollten Versuche in Gurkenkulturen der Sorte `Climont´ in 2022 und 2023 zeigen.
Im ersten Versuchsjahr gerieten die Spinnmilben wegen klimatischer Umstände außer Kontrolle. Der Versuch konnte kaum ausgewertet werden.
Im Jahr 2023 wurde die Zahl der Varianten reduziert, dafür gesellten sich zu den eigens vermehrten und zur Pflanzung ausgebrachten Spinnmilben noch unerwartet Thripse (Thrips tabaci) in der Gurkenkultur hinzu. Also wurde der Thripsbefall mit bonitiert. Neben der unbehandelten Kontrolle umfasste der Versuch folgende Varianten: Micula, Neudosan Neu, Prev-Gold (Orangenöl), Lalguard M52 OD (Nutzpilz Metarhizium brunneum), Naturalis (Nutzpilz Beauveria bassiana) und der Blattdünger Lebosol-Schwefel 800 SC. Appliziert wurde dreimal im Juli per Spritzbaum möglichst früh morgens. Bonitiert wurden immer an denselben markierten Pflanzen der Gesamteindruck der Pflanze sowie die Anzahl Schädlinge auf ausgestanzten Blattscheiben unter dem Binokular.
Beste Wirkung gegen Spinnmilben hatte im Versuch Micula, gefolgt von Neudosan, Lalguard und Schwefel. Auch gegen Thrips tabaci hatte Micula die Nase vorn, hier folgten auf den weiteren Plätzen mit etwas Abstand Neudosan, Lalguard und Prev-Gold. Zu den Nutzpilzen kann gesagt werden, dass das neue Präparat Lalguard sowohl gegen Spinnmilben als auch gegen Thripse besser wirkte als das bereits bekannte Naturalis.
Allgemein konnte Scholz-Döbelin feststellen, dass alle getesteten alternativen Pflanzenschutzmittel den Befall lediglich reduzierten. Die Strategie wäre daher, grundsätzlich mit Nützlingen zu arbeiten und die alternativen Präparate im Bedarfsfall zur Herdspritzung zu verwenden. Da es sich um Kontaktmittel handelt, sei das Treffen der Schädlinge dabei essentiell. Da dies mit zunehmender Bestandsdichte immer schwieriger wird, sei für weitere Versuche eine Applikation mit Luftunterstützung oder als Schaum angedacht.
Die Schwefelvariante (5,6 l/ha) wirkte erwartungsgemäß kaum gegen Thripse. Dafür traten hier trotz Break Thru S240 verbrannte Blätter und Spritzflecken an den Gurkenfrüchten auf. Im weiteren Versuchsverlauf wurde die Aufwandmenge daher auf 2/3 reduziert und damit die Phytotox sowie die Spritzflecken vermieden.
Thrips in Fruchtkulturen
Weiter ging der Vortrag mit Strategien zur optimierten Bekämpfung von Thrips in Gurken, Paprika und Auberginen. Tomaten nehme sie aus, betonte Scholz-Döbelin, denn Thripse in Tomaten träten in unseren Breiten nur sehr selten auf. In den übrigen Fruchtkulturen sind es zwei Arten: Thrips tabaci, der Zwiebel- oder Porreethrips, der auf den Blättern sitzt, und Frankliniella occidentalis, der Blütenthrips, der wie der Name schon sagt, fast ausschließlich in den Blüten zu finden ist. Typisch seien kleine schwarze Kottröpfchen und silbrig erscheinende leer gesogene Blattflecken beziehungsweise verkrüppelte Früchte.
Die Bekämpfung von Thripsen mit Raubmilben funktioniere nur vorbeugend, weil die größeren Larvenstadien der Thripse für die vergleichsweise kleinen Raubmilben einfach zu groß sind, um sie zu überwältigen. Die Raubmilben müssen also schon im Bestand sein, wenn die Thripse anrücken, damit sie sich an die Eier und kleine Larvenstadien machen können.
In Paprika sei in der Regel eine einmalige Raubmilbenausbringung als Streuware oder in Tütchen ausreichend, sobald sich die ersten Blüten öffnen, erläuterte die Referentin. In Gurken hingegen sollten Raubmilben in Tütchen ausgebracht werden, wenn die Pflanzen eine Größe von etwa 1 m erreicht haben. Nach etwa vier Wochen sollte die Ausbringung noch mal wiederholt werden. Tipp zur Abstimmung auf den Thripszuflug: eine Gelbtafel oben unter die Lüftung hängen, um den Thripszuflug bei Getreide- oder Maisernte zu kontrollieren.
Unter stetiger Kontrolle
Überhaupt sei ein wöchentliches Monitoring bei Thripsen sehr wichtig. Thrips tabaci wird von gelben Leimtafeln angelockt, Frankliniella occidentalis von blauen Leimtafeln. An trüben Tagen fliegen die Thripse allerdings kaum, sodass sie dann auch nicht auf den Tafeln landen. Deshalb sollten darüber hinaus auch Blätter und Blüten kontrolliert werden. Die Tafeln sollten erneuert werden, wenn kein weiterer Zuflug mehr zu sehen ist.
Wenn die Thripspopulation trotz Raubmilbeneinsatz ansteigt, kann die Raubwanze Orius majusculus oder Orius laevigatus zusätzlich eingesetzt werden. Diese entwickeln sich allerdings ziemlich langsam, sodass es schon mal dauern kann, bis ihr Einsatz in Thripsherden sichtbar greift. In Auberginen, aber auch in Paprika und Gurken, gebe es auch die Tendenz, eher die Raubwanze Macrolophus sp. einzusetzen.
Ist die Thripspopulation immer noch nicht in Schach, sollte über eine Herdbehandlung mit Spritzmitteln nachgedacht werden. Es gelte immer: Herdbehandlung vor Gesamtbehandlung, um die Nützlinge zu schonen. Integrierbare chemische Pflanzenschutzmittel gegen Thrips, die nützlingsschonend wären, sind allerdings nicht verfügbar. Es kommen also nur alternative Pflanzenschutzmittel infrage, wie weiter vorne im Artikel erwähnt, die allerdings nur als Kontaktmittel wirken. Diese Mittel wie Lalguard oder Naturalis müssen mehrfach im Abstand von drei bis fünf Tagen ausgebracht werden. Eventuell biete sich deren Ausbringung im Kaltnebelgerät an, um Arbeitszeit zu sparen. Neem Azal T/S wirke gut gegen Thrips, sei aber auch schädlich für Raubwanzen, gab die Expertin zu bedenken. Ansonsten kämen noch Öle oder Seifen infrage. Als letzte Waffe im Bio-Anbau sei Spintor denkbar, das allerdings die Nützlinge mit abtötet. Genauso wie chemische Pflanzenschutzmittel gegen Thrips im konventionellen Anbau. Nach neueren Erfahrungen kann auch die Nebenwirkung des Insektizids Verimark genutzt werden (Tropfverfahren, Substratkultur); die Nützlingsschädigung im Tropfverfahren ist hierbei sehr unterschiedlich und sollte für die einzelnen Nützlinge nachgeschaut werden.
Spinnmilben in Fruchtkulturen
Spinnmilben, die Gurken, Tomaten, Paprika oder Auberginen befallen, sind immer die Art Tetranychus urticae. Sie erscheinen aber verschieden gefärbt, abhängig davon, was sie fressen. Auf Tomaten sind sie eher rot, wegen der Anthocyane. Auch ihre Überdauerungsform ist rot, was der Art auch die Bezeichnung Rote Spinne eingebracht hat. Halten sich die Spinnmilben geschützt in ihren Spinnweben auf, so lassen sie sich auch mit chemischen Pflanzenschutzmitteln nicht mehr abtöten. Als Fangpflanzen kommen Brennnesseln, Vogelmiere, Weide oder Pappeln in Betracht, weil die Spinnmilben diese noch vor den Kulturpflanzen besiedeln. Hier sollte das Monitoring also beginnen.
Heike Scholz-Döbelin ging zunächst auf die Bekämpfungsempfehlung in Gurken, Paprika und Auberginen ein. Vorbeugend wird seit Jahren Amblyseius californicus eingesetzt. Aber auch die typischen Raubmilben gegen Thripse haben einen guten Nebeneffekt auf Spinnmilben: Amblyseius swirskii, Transeius montdorensis und Amblyseius degenerans. All diese Raubmilbenarten ernähren sich von in der Luft vorhandenem Pollen und Pilzsporen; ein Zufüttern mit Pollen ist also nicht notwendig; es hat sich im Gemüsebau nicht durchgesetzt, da zu arbeitsaufwendig. Die Raubmilben haben einen bremsenden Effekt auf die Entwicklung der Spinnmilbenpopulation, können ihren Anstieg aber nicht verhindern, so die Erfahrungen.
Zeitig und ausreichend!
Sobald sichtbare Spinnmilbenherde oder geschädigte Blätter sichtbar werden, sollte frühzeitig Phytoseiulus persimilis eingesetzt werden. Diese Raubmilben sind deutlich größer als die zuvor genannten und haben somit viel höhere Fraßraten und damit mehr Bekämpfungswirkung. Wichtig sei allerdings, von Anfang an ausreichende Mengen einzusetzen, also mindestens 10-20 Tiere/m² zwei- bis dreimal. Ebenso wichtig sei die passende relative Luftfeuchtigkeit von >60 %, die im Sommer gegebenenfalls über Sprühnebel erzielt werden kann.
Die Erfolgskontrolle geht über die Beobachtung auf markierten Blättern mit der Lupe: Sind die Nützlinge anwesend? Haben sie Eier abgelegt? Phytoseiulus-Eier sind rosa und oval und etwas größer als die runden, transparenten Spinnmilben-Eier. Setzt man ihre Anzahl ins Verhältnis, kann man einschätzen, ob der Nützlingseinsatz erfolgreich sein wird.
Außerdem stellte die Nützlingsberaterin eine Gallmücke zur Bekämpfung von Spinnmilben vor. Feltiella acarisuga fliegt häufig natürlich zu, kann aber auch gekauft werden. Wertvoll ist es, sie zu kennen, dann kann man sie fördern, wenn sie zugeflogen ist. Sie verpuppt sich auf den Blättern, ihre Larven und Adulten ähneln denen der Aphidoletes-Gallmücke gegen Blattläuse. Schwefel verträgt Feltiella acarisuga nicht.
Sollten die Spinnmilben trotz Nützlingseinsatz überhand nehmen, gilt wieder: Herdbehandlung vor Gesamt-Behandlung. Wenn der Schädling sich schon eingesponnen hat, hilft es nur noch, die betroffenen Pflanzen zu entfernen und dabei die Spinnmilben nicht zu verschleppen. Kleine Herde sollten rasch behandelt werden, bevor sich von dort aus die Schädlinge ausbreiten. Als integrierbare chemische Akarizide nannte die Referentin beispielsweise Kanemite oder Ordoval, wobei deren Zahl Applikationen begrenzt ist und dies im Resistenzmanagement berücksichtigt werden muss. Alternative Pflanzenschutzmittel – wie weiter vorne im Artikel genannt – müssen als Kontaktmittel den Zielorganismus treffen und machen daher bei Spinnmilben nur Sinn, wenn der Pflanzenbestand nicht zu dicht ist.
Sonderfall Tomaten
Wegen ihrer dichten Behaarung stellen die Tomaten einen Sonderfall für den Nützlingseinsatz dar: Raubmilben werden von den Pflanzenhaaren in ihrer Mobilität behindert, daher empfehlen sich hier Macrolophus-Raubwanzen oder Feltiella-Gallmücken.
Sabine Aldenhoff
(Artikel aus GP 04/25)