Region oder Reibach?

MODERN

Thomas Kühlwetter

Bilder von Bauern, die auf dem Feld oder im Gewächshaus stehen und Obst oder Gemüse ernten, machen sich in Prospekten immer gut. Jede LEH-Kette hat mittlerweile ihre eigene Regionalmarke, die auch fleißig beworben wird. Aber warum kommt es dann aktuell immer häufiger vor, dass deutsche Ware neben billiger Importware liegt und aufgrund des höheren Preises weniger stark vom Verbraucher angenommen wird?

Bei Erdbeeren geht es in diesem Jahr soweit, dass Landwirte ihre Bestände z.T. nicht mehr beernten oder unterpflügen, um andere, lukrativere Kulturen anzubauen. War es nicht mal so, dass – wenn deutsche Erdbeeren Saison haben – Importe gestoppt werden oder zumindest deutlich in den Hintergrund treten?

Bei Obst und Gemüse mit einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Saisonalität ist man es gewohnt, dass Früchte aus verschiedenen Ländern bzw. Erdteilen gleichzeitig um die Gunst der Kunden buhlen. Aber bei Erdbeeren? Muss man sich auch daran gewöhnen?

Natürlich müssen die Einkäufer der Lebensmittelketten knallhart kalkulieren, stehen sie doch in starkem Wettbewerb untereinander. Die Supermarktdichte ist so hoch, dass Kunden ohne großen Aufwand von einem Anbieter zum nächsten wechseln können. Und dass die Verbraucher aufgrund der Inflation verhaltener einkaufen und versuchen, im Alltag zu sparen, ist auch völlig nachvollziehbar.

Doch da beißt sich die Katze in den sprichwörtlichen Schwanz: Der Handel schiebt die „Schuld“ auf den Kunden, der immer nur nach dem günstigsten Preis schaut; der Anbauer sieht in Handel und Verbraucher den Schuldigen, liefert aber (meist notgedrungen) zu den diktierten Preise an den LEH; die Kunden kaufen schlicht das, was angeboten wird, und je angespannter die wirtschaftliche Lage, je preisbewusster wird gekauft. Egal wie hoch gelobt Regionalität bei Umfragen von den Verbrauchern auch wird, meist zählt am Ende doch der Preis.

Was bleibt also? Eine Möglichkeit, die Abhängigkeit von Abnehmern zu senken, ist, sich auf der Vermarktungsseite breiter aufzustellen. Aber nicht alle Anbauer wollen bzw. können auf Direktvermarktung umstellen, wo man seine Preise noch selbst kalkulieren kann und mit den Kunden im direkten Austausch steht und auch mal Preissteigerungen direkt erklären kann.

Die Forderung, einfach keine Ware an die Ketten zu liefern, wenn diese zu niedrige Preise diktieren oder die Nachfrage durch hohe Importmengen mäßig ausfällt, ist bei schnell verderblicher Ware bekanntlich nicht so leicht umzusetzen. Breiter aufstellen geht aber nicht nur auf der Vermarktungs-, sondern auch auf der Produktionsseite. Denn vor allem stark spezialisierte Betriebe leiden, wenn Produkte nicht gewinnbringend oder wenigstens kostendeckend vermarktet werden können. Werden mehrere unterschiedliche Obst- oder Gemüsearten produziert, kann unter Umständen ein Produkt das andere querfinanzieren – zumindest kurzfristig.

Dies alles sind Konsequenzen aus der derzeitigen prekären Lage, die vor allem die Anbauer fordert. Denn das sich die Einstellung des Handels bzw. der Einkäufer grundlegend ändert und Regionalität wirklich wertgeschätzt wird – und auch anständige Preise für heimische Waren gezahlt werden -, ist nicht abzusehen. Bleibt noch der Verbraucher. Hier sollten Anbauer und vor allem Verbände nicht müde werden, die Vorzüge des regionalen Anbaus herauszustellen und über alle möglichen Kanälen mit den Verbrauchern zu kommunizieren.

 

Zitat: „Es wird mit Regionalität geworben, aber knallhart gerechnet.“