Raubmilben gegen Tomatenrostmilbe

MODERN

Raubmilbe aus der Familie Iolinidae</br>Foto: Dr. Hakl

Mit bloßem Auge kaum zu sehen, aber doch schädlich im Tomatenanbau ist die Tomantenrostmilbe Aculops lycopersici. Im Versuchszentrum Gartenbau Auweiler der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen wurden Versuche zum Einsatz von Raubmilben gegen den Schädling gemacht, wie Dr. Ute Perkons, Versuchswesen ökologischer Gemüsebau, beim Rheinischen Unterglasgemüsebautag berichtete.

 

Die Symptome, die die winzige Milbe hinterlässt, sind „berostete“ Stängel, Blätter und Früchte. Bei starker Vermehrung, besonders bei Hitze, könne so ein Befall bis zum Totalausfall der Tomatenkultur führen. Bisher sei von den Betrieben zwar vereinzelt Befall gemeldet worden, aber eher gegen Kulturende, sodass die Schäden nicht so gravierend waren.

 

Als natürliche Gegenspieler kommen zwei Raubmilbenarten infrage, die auch natürlich bei uns vorkommen: Pronematus ubiquitus und Homeopronematus ancai. Sie ernähren sich von den Schadmilben, von Pollen und Echtem Mehltau. Der erste Versuch in Köln-Auweiler fand im Jahr 2022 mit der Art Pronematus ubiquitus statt, zur Verfügung gestellt von einer Nützlingsfirma. Dabei standen die Fragen nach der Etablierung der Raubmilbe, ihrer Verteilung auf der Pflanze und des möglichen Einflusses der Tomatensorte im Vordergrund. Letzteres vor dem Hintergrund, dass jede Tomatensorte eine andere Behaarung aufweist und die Raubmilben darauf unterschiedlich mobil sind.

 

Wie etablieren sich die Raubmilben?

 

Die Tomaten in ökologischem Anbau im Boden im Foliengewächshaus wurden in KW 12 gepflanzt. In KW 14 und 16 wurden vorbeugend jeweils die Raubmilben auf den Blättern ausgestreut. Solange noch keine Schädlinge da sind, brauchen die Raubmilben Nahrung in Form von Pollen (Nutrimite). Dieser kann alle zwei Wochen im Bestand verblasen werden. In KW 24 hatten sich die Raubmilben gut etabliert, so die Referentin.

 

So lässt sich eine Raubmilbenpopulation aufbauen, bevor die erste Tomatenrostmilbe erscheint. Es zeigte sich, dass die Raubmilben eher an den unteren und mittleren Blättern der Pflanzen zu finden waren. Oben wächst die Pflanze weiter und neue Blätter müssen erst besiedelt werden. Beim Entblättern ist darauf Rücksicht zu nehmen, um nicht den Großteil der Population zu entfernen. Eine weitere Beobachtung im ersten Versuchsjahr: Im Verlaufe des Versuchs war der Nützling Homeopronematus ancai aus der Natur zugewandert. Rostmilben traten hingegen nicht auf, sie wurden dann künstlich im Bestand ausgebracht. Für sichtbare Ertragseinbußen hat ihre Gegenwart aber nicht gesorgt. Und was die Tomatensorten und ihre Behaarung betrifft, so konnten keine Unterschiede in der Mobilität der Raubmilben beobachtet werden. Daher wurde in den folgenden Versuchsjahren mit einer Sorte weitergearbeitet.

 

Arbeitsaufwand reduzieren

 

Nachdem aufgrund der ersten Versuche geklärt war, dass sich eine Population an Raubmilben gut aufbauen lässt, stand im zweiten Versuchsjahr, also 2023, im Vordergrund, den Aufwand für die Nützlingsfütterung mit Pollen zu reduzieren und die Ausbringung der Nützlinge zu vereinfachen. Dafür wurde nun nur noch jede fünfte Pflanze mit Nützlingsmaterial bestreut und die Pollenfütterung nur noch alle vier Wochen ausgebracht. Um auch sicher Schädlinge im Bestand zu haben, wurden Anfang Mai, rund zwei Wochen nach den ersten Nützlingen, Rostmilben ausgesetzt. Die Raubmilben haben sich im Verlauf des Versuchs so gut im Gewächshaus verteilt, dass sie dann auch auf den unbehandelten Kontrollpflanzen zu finden waren.

 

Als weitere Variante wurde Schwefel gegen die Rostmilben ausgebracht. Dies führte zwar zu einer Verringerung der Zahl der Rostmilben, aber auch zu einer Verringerung der Zahl der Raubmilben. Im Vergleich schnitten die Varianten mit Raubmilben, aber ohne Schwefel, besser ab, das heißt, die nicht geschwächten Raubmilben konnten die Schädlinge besser in Schach halten als fünf Schwefelanwendungen.

 

Genau betrachtet wurde 2023 auch, welche Raubmilbe im Bestand unterwegs war. Zu Beginn im Mai waren es noch zu 100 % die ausgesetzten Pronematus ubiquitus, während ab Mitte Juni die ersten natürlich zugewanderten Homeopronematus anconai auftraten, die ab Mitte Juli bis zum Kulturende im Oktober deutlich in der Mehrheit blieben. Die weniger häufige Ausbringung des Futterpollens hatte offenbar keinen negativen Einfluss auf die Raubmilbenpopulationen. Signifikante Ertragsunterschiede bei den Tomaten wurden auch im zweiten Versuchsjahr nicht festgestellt.

 

Raubmilbe schon in Jungpflanzen?

 

Arbeitswirtschaftliche Überlegungen führten zu der Idee, im Versuchsjahr 2024 die Raubmilben bereits in der Jungpflanzenanzucht auszubringen, wenn die Pflanzen noch dicht beieinander stehen. Dies hat laut Dr. Perkons gut funktioniert, die Nützlinge haben sich sehr gut etabliert und nach der Pflanzung im Bestand gut weiter vermehrt.

 

Auf die unbehandelte Kontrolle sind in diesem Versuchsjahr zunächst keine Raubmilben übergesiedelt, zum Ende der Kulturdauer haben sich aber auch dort welche etabliert. Der Rostmilbenbefall war in der unbehandelten Kontrolle und in der Schwefelvariante am höchsten. Die Raubmilbenpopulation wurde durch die vier Schwefelbehandlungen im Juli und August geschwächt und hat sich erst allmählich wieder aufgebaut. In den übrigen Varianten mit Nützlingen, aber ohne Schwefel waren stets genügend Raubmilben vorhanden, egal ob der Futterpollen alle zwei Wochen oder alle vier Wochen oder gar nicht ausgebracht wurde. Entsprechend reduziert war in diesen Varianten auch die Zahl der Schädlinge.

 

Bei den Erträgen machte sich der in diesem Versuchsjahr recht starke Rostmilbenbefall dann bemerkbar. In der unbehandelten Kontrolle und in der Schwefelvariante ergab sich ein hoher Anteil unverkäuflicher Ware aufgrund stark berosteter Kelchblätter.

 

Fazit aus drei Versuchsjahren Im Jahr 2023 waren die natürlich zugewanderten Raubmilben stark in der Überzahl, im Jahr 2024 waren sie hingegen nur vereinzelt zu finden. Auf ihr Auftreten kann man sich also nicht unbedingt verlassen. Die vorbeugende Etablierung von gekauften Raubmilben hat hingegen gut funktioniert und ist vielversprechend. Wenn die Raubmilbe schon da ist, sobald die Rostmilbe auftritt, stehen die Chancen gut, dass sie den Schädlingsbefall in den Griff bekommt. Allerdings sei seitens der Nützlingsfirma wohl noch nicht geklärt, ob und wie sie Pronematus ubiquitus als Produkt anbieten wird. Die hier verwendeten Raubmilben waren nur zu Versuchszwecken zur Verfügung gestellt worden.

 

Schwefel beeinträchtigt sowohl die Schädlinge als auch die Nützlinge negativ. Für konventionell arbeitende Tomatenbetriebe ist auch nicht geklärt, wie die Raubmilben auf andere chemische Pflanzenschutzmittel reagieren. Die arbeitswirtschaftlich effizienteste Strategie ist der Einsatz der Raubmilben bereits im Jungpflanzenbestand und später in der Kultur die vierwöchige Pollenfütterung per Verblasen.

 

Für dieses Jahr sollen die Versuche zur Tomatenrostmilbe fortgesetzt werden, wie Dr. Perkons in Aussicht stellte. Dabei sollen die bisherigen Versuchserfahrungen, insbesondere der Einsatz in der Jungpflanze, überprüft werden. Eine weitere Fragestellung ist: Wie kann das Auftreten von Homeopronematus anconai gezielt gefördert werden? Können beide Arten zusammen oder vergleichend eingesetzt werden?

 

Sabine Aldenhoff

 

(Artikel aus GP 07/25)