Eines der Hauptthemen des Profitags Gemüsebau im November 2021 war neben Pflanzenschutz und Betriebsmanagement die Düngung. Vor allem die Einhaltung der Minus-20-%-Regelung ist für viele Anbauer eine Herausforderung – Expertinnen lieferten Versuchsergebnisse und Strategien, um konform zur Dünge-VO zu arbeiten.
Christine Lessmann, LWK Niedersachsen, stellte zunächst einige Daten zu reduzierter Düngung vor. In Versuchen, wo die Düngermenge pauschal um 20 % gekürzt wurde, kam es zu Ertragsverlusten von 10-15 % in Brokkoli, Eissalat, Kopfsalat und Porree, bei Rote Bete, Wirsing und Weißkohl von über 15 %. Außerdem wurden Qualitätsverluste bzgl. Farbe, Form, Kopffüllung etc. von über 50 % in allen Kulturen beobachtet. Es ist demnach nicht möglich, bei einzelnen Kulturen pauschal 20 % des errechneten Düngebedarfs einzusparen. Im Durchschnitt aller Flächen ist dies zudem schwer planbar.
Generell ist das so eine Sache mit der Düngeplanung. Anders als im Ackerbau ist die im Gemüsebau nicht zu Beginn des Jahres möglich – da ist sich Christine Lessmann sicher. Dagegen sprechen zum Beispiel die sehr unterschiedliche Kulturdauer mit Kulturbeginn zwischen Ende Februar und Anfang September (mit unterschiedlichen Nmin-Gehalten), die Mehrfachbelegung der Flächen mit N-Gehalten aus den Ernteresten, die angerechnet werden müssen, und die steigende Tendenz von extremen Wetterverhältnissen mit Mineralisierungsschüben und N-Verlagerungen. Aus all diesen Gründen sind kulturbegleitende Maßnahmen nötig, um die Einsparung zu erreichen.
Effizienzsteigerung des Düngers
Um mit der ausgebrachten Düngermenge mehr zu erreichen, könnte vermehrt Blattdüngung oder stabilisierter Dünger zum Einsatz kommen. In einem Versuch zur Verwendung von Blattdüngern (Folimac N+ und YARALiva CalciNit) in Kopfsalat und Lollo Bionda wurden Verträglichkeit und Einsparmöglichkeit bei der Düngermenge überprüft. Es zeigte sich, dass es zu keinen Blattverbrennungen kommt. Die Produkte wurden morgens im Tau an einem sonnigen, heißen Tag ausgebracht. Die Kopfgewichte der Varianten (100 % der DBE, 80 % der DBE und 60 % der DBE + Nachdüngung über das Blatt) unterschieden sich bei Kopfsalat kaum. Beim ersten Erntetermin im Lollo-Bionda-Bestand traten ebenfalls keine Unterschiede auf, beim zweiten Termin (fünf Tage später) lagen die 100-%- und die 80-%-Variante leicht vorn.
Eine weitere Möglichkeit, mehr aus dem ausgebrachten Dünger rauszuholen, ist die Konservierung von N durch Zwischenfrüchte. Dabei ist es wichtig, diese so lange wie möglich stehen zu lassen. Der Humusaufbau ist hier langfristig und bietet Nachlieferungspotenzial. Durch den Anbau der Zwischenfrüchte wird die Auswaschung reduziert und es können höhere N-Nachlieferungen erreicht werden als in der DÜV anzurechnen ist. Christine Lessmanns Hinweis: Abfrierende Arten liefern etwas nach und nicht-abfrierende Arten liefern mindestens 20 kg N gemäß DÜV – bei gutem Aufwuchs und warmem Wetter ist deutlich mehr möglich. Für Grünroggen wurden z.B. Werte von 50 kg N/ha im Aufwuchs gemessen (Anbau November 2018 bis Mai 2019), bei Phacelia wurden Werte von 66 kg N/ha im Januar (Aussaat am 19.09.) gemessen. Der Aussaatzeitpunkt ist für die Aufnahme und den Aufwuchs von enormer Bedeutung!
Auch ein Fruchtwechsel zwischen Flach- und Tiefwurzlern kann zur besseren Ausnutzung der ausgebrachten Düngermenge und so zu Mengeneinsparungen führen.
Düngung unterhalb der DBE
Um mit Düngemengen unterhalb des errechneten Düngebedarfs zu bleiben, gibt es die Möglichkeit, die Düngung nach dem KNS-System mit Aufteilung in Grund- und Kopfdüngung vorzunehmen. KNS steht dabei für Kulturbegleitendes Nmin-Sollwert-System, was bedeutet, dass die Höhe der Kopfdüngergaben während der Kultur bestimmt bzw. errechnet werden. Hierfür kann auch das Programm N-Expert genutzt werden. Der Einsatz des Systems bedeutet aber auch einen erhöhten Aufwand durch bis zu drei Bodenproben und mehrere Überfahrten zur Düngerausbringung (außer sie laufen in Kombination mit Pflanzenschutzanwendungen). Christine Lessmann konnte von mehreren Modellbetrieben berichten, die das System anwenden und seit mehreren Jahren erfolgreich Kohl, Sellerie und Porree mit Düngermengen bis zu 40 % unter der DBE produzieren. Durch KNS sind 20 % Düngereinsparung im Schnitt der Betriebsflächen durchaus realistisch, so Lessmann.
Auch der Einsatz von Düngefenstern zur Abschätzung des Nährstoffbedarfs während der Kultur kann eine Möglichkeit sein, Dünger einzusparen. In einem Salatversuch wurden Teile der Kulturfläche als „Fenster“ mit 20 % weniger N gedüngt als die DBE errechnet hatte. Es zeigte sich bei Eichblatt rot kein Unterschied im Kopfgewicht, bei Romana aber sehr wohl – hier waren die Köpfe aus dem Düngefenster deutlich leichter.
Einsatz von Technik
Auch die optimale Platzierung des Düngers spielt bei der Mengeneinsparung eine Rolle, hierzu wurden die Nutzung von Reihen- und Kastendüngerstreuern an der LWK getestet. Im Vergleich zum Schleuderstreuer können mit dem Kastenstreuer 15 % der Fläche (Erntegassen und Spuren) ausgespart – und damit Dünger eingespart – werden. Allerdings ist die Dokumentation der Einsparung gar nicht so einfach: Schlaggröße und Einstellung des Düngerstreuers sind zwar bekannt, aber die Einstellung am Gerät ist nicht gleich der tatsächlichen Düngermenge je Hektar, da 15-20 % des Schlags gar nicht gedüngt werden. Also muss exakt nachgemessen und umgerechnet oder der Dünger im Streuer gewogen werden.
Christine Lessmann stellte auch einen Tastversuch zu Unterfußdüngung in Weißkohl vor. Dabei wird der Dünger mittels Düngescharen 3-5 cm unter und neben der Pflanze abgelegt. Der komplette in der DBE ermittelte Bedarf wurde zur Pflanzung ausgebracht – entweder über Kopf oder als Unterfußdüngung (in den Varianten 75 % der DBE und 50 % der DBE). Während der Kultur zeigten sich keine Unterschiede im Aufwuchs und keine Mangelsymptome in den verschiedenen Varianten, alle erreichten vermarktungsfähige Köpfe in zufriedenstellender Qualität. Der Ertrag war allerdings in der Variante mit Düngung in Höhe von 100 % der DBE um ca. 10 % höher als in den Unterfußvarianten (mit verringerter Düngermenge). Bei einem Versuch in Wirsing zeigte die 75-%-Variante keine Unterschiede zur vollgedüngten Kontrolle, der Bereich, der nur in Höhe von 50 % der DBE gedüngt wurde, zeigte aber starke Aufhellungen. Lessmanns Tipp: In lang stehenden Kulturen kann es günstiger sein, die Düngermenge in mehrere Gaben aufzuteilen.
Versuche in Bayern
Andrea Spirkaneder, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth, stellte Versuche aus dem Knoblauchsland vor. In einem Brokkolibestand wurden Düngefenster mit reduzierter Düngung (250, 165 und 135 kg N/ha statt 300 kg in der Kontrolle) angelegt. Die Aberntequote lag mit 250 kg genauso hoch wie bei der voll gedüngten Variante (bei gut 80 %); die 165-kg-Variante brachte nur 60 % Quote und die 135-kg-Variante nur gut 50 % - allerdings kam Mitte Juni ein Starkregenereignis dazu. Wurde Brokkoli als zweite Kultur (nach Brokkoli) angebaut und mit 200 kg N/ha statt 300 kg gedüngt, gab es (ohne Starkregen) keine Unterschiede in Ertrag und Qualität.
In einem Sellerie-Versuch erreichten die Düngungsvarianten folgende Erträge: um 600 dt/ha (bei 170 und 145 kg N/ha), 700 dt/ha (bei 215 kg N/ha) und 740 dt/ha (bei 340 kg N/ha). Allerdings erreichten alle N-reduzierten Varianten deutlich höhere Erträge (sogar über 800 dt/ha), wenn zusätzlich Bor und Schwefel verabreicht wurde. Tendenziell niedrigere Nmin-Werte nach der Ernte bei den B/S-Varianten weisen zudem auf eine höhere N-Effizienz in dieser Kombination hin.
Neben der Düngung selbst, hat auch die Bewässerung einen Einfluss auf die Verfügbarkeit von Nährstoffen: In feucht-nassen Bereichen kommt es zu Sickerwasserbildung und Nitratauswaschung, in stets trockenen Bereichen zu schlechter Auflösung der mineralischen Dünger. Hier sollte bei der Auswahl der Regner bzw. der Einstellung (Abstand im Verband, Druck) auf den DU-Wert geachtet werden. Dieser gibt an, wie gleichmäßig die Bewässerung ist – er reicht von 65 % (= schlecht) bis 85 % (= exzellent). Und auch die Bodenverdichtung hat Einfluss auf die Nährstoff-Verfügbarkeit – in verdichteten Bereichen können die Wurzeln schlechter wachsen, Stickstoff in tieferen Bodenschichten ist für die Pflanzen damit verloren.
Marion Valenta