Neues bei den Topforchideen

MODERN

Weiße Blütenfarben dominieren nach wie vor bei den Topforchideen. Hier die Sorte `Makoto´ von Hassinger <br>Foto: Springer

Der Markt für Topforchideen ist in Bewegung. Dem Überangebot an Phalaenopsis ist es zu verdanken, dass nun auch verstärkt weitere Gattungen ins Sortiment gelangen und für frischen Wind sorgen.

Eine davon ist Dendrobium. Es gibt sie inzwischen in vielen intensiven Farben und außergewöhnlichen Formen. Die Wuchsform ist als Topfpflanze etwas ungewohnt, weil sie keine deutlichen Grundblätter bildet und lianenartig in die Höhe wächst. Manche Produzenten machen daraus ein Programm und formieren die Pflanzen zu exklusiven Gebilden.

Die Orchidee Vanilla planifolia zählt weltweit zu den kostbarsten und begehrtesten Gewürzen. Der Anbau ist aufwendig und auf die Tropen beschränkt. Als Topfpflanze lässt sie sich durchaus im Wohnraum halten, wird hier aber wohl kaum Früchte bilden. Obwohl es theoretisch möglich ist. Dazu müssen die Blüten zum richtigen Zeitpunkt per Hand bestäubt und die grünen bohnenartigen Schoten aufwendig fermentiert werden.

Die Orchidee bildet grünlichgelbe Blüten und ist eine immergrüne Kletterpflanze, die mithilfe von Luftwurzeln eine Länge von bis zu 15 m erreichen kann. Als Orchidee kann sie optisch sicherlich nicht mit anderen ihrer Gruppe mithalten. Sie zählt mehr zu den Raritäten und ist etwas für spezielle Pflanzenfreunde. Davon jedenfalls ist ein Verbund aus mehreren niederländischen Orchideen-Produzenten überzeugt, die sich hauptsächlich auf Dendrobium konzentrieren und ihre Pflanzen unter der Marke " SA-Nook" vertreiben. Um das Angebot interessant zu gestalten, ist Vanille als Topfpflanze nun mit ins Programm aufgenommen worden.

Interesse an blauen Blüten

Die Blütenfarbe spielt bei den Orchideen schon immer eine besonders große Rolle. Inzwischen ist das Sortiment recht umfangreich und vor allem bunte Mischungen und auffällige Zeichnungen bestimmen das Bild. Was bislang noch fehlt ist ein reines Blau, mal abgesehen von den Vanda, die aber als Zimmerpflanze recht heikel sind. Die Orchideenzüchter geben sich alle Mühe, um auch bei robusten Gattungen blaue Blüten ins Spiel zu bringen. Zu nennen sind hier Dendrobium, Zygopetalum und die Gruppe der Odontoglossum, die zumindest ins zarte oder kräftige Lila hineinspielen. Selbst bei den robusten Phalaenopsis gibt es inzwischen zahlreiche Sorten, die rotlila oder blaulila Blüten bilden.

Die Spezialisten Floricultura und Anthura stellen in ihren neuesten Katalogen einige von ihnen vor. Neu von Anthura ist die Zygopetalum `Impasto Blue´. Auffällig ist hier, dass die gesamte Blüte lilablau gefärbt ist. Normalerweise ist bei den Zygopetalum nur die Unterlippe blau gefärbt. Mit der Gruppe der Zygopetalum steht dem Markt eine Orchideen-Art zur Verfügung, in der reichlich Potential steckt. Typisch für viele Hybriden sind nicht nur die interessanten Farbkombinationen von rotbraunen, grünlichen und violetten Tönen. Zygopetalum stammen aus den höheren Bergregionen Südamerikas.

Dort wachsen sie als Erdorchidee im Humus der Wälder. Sie bevorzugen daher einen temperierten, nicht zu warmen und hellen Platz, der vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden sollte. Für den Gärtner ist Zygopetalum besonders interessant, weil sie relativ kühl kultiviert werden kann. Einzelne Arten der reizvollen Orchidee entwickeln einen starken Duft, der an Hyazinthen erinnert. Vielversprechend sind auch neuere Züchtungen, bei denen eine intensiv violettblau gefärbte Blütenlippe im Vordergrund steht.

Dem Trend zu Farbkombinationen in einem Topf konnten sich die Orchideen bislang entziehen. Jetzt stellte der Orchideenspezialist Inca-Orchids unter der Marke Bouquesh Zweiter- oder Dreier-Kombinationen vor, bei der Orchideen mit unterschiedlichen Farben in einen Topf zusammengepflanzt werden. Ob das so wie bei den Beet- und Balkonpflanzen ankommt, wird sich zeigen.

Markt bei den Phalaenopsis wird immer enger

Der Orchideen-Spezialbetrieb Hassinger gilt als Allrounder. Bei den Phalaenopsis richtet sich das Züchtungsprogramm nach den Ansprüchen der Kunden, ob Micro für den 6er-Topf, Medio für den 9er-Topf, Macro für den 12er-Topf oder Magnum für Töpfe von 13 bis 15 cm.

Das Sortiment umfasst inzwischen rund 200 Sorten. Neu im Programm sind Phalaenopsis der Sunrise-Serie mit einem umfangreichen Farbenspiel in gelb-orange bis Rottönen und bei manchen auch mit einer intensiven Duftnote. Hassinger hat sich aber nicht nur den Phalaenopsis verschrieben, sondern fährt bewusst ein breites Sortiment an Topforchideen. Der Markt bei den Phalaenopsis wird immer enger, heißt es hier, da bieten die zahlreichen Hybriden in den Bereichen Cambria, Promenaea und Miltoniopsis eine echte Chance.

So sind die Miltonia vor allem durch ihre großen und prächtig gefärbten Einzelblüten beim Verbraucher beliebt. Hierbei handelt es sich meist um ein Gemisch verschiedener Gattungen. Allen gemeinsam ist aber, dass sie sich als Topfpflanze relativ leicht kultivieren lassen und im Wohnzimmer gut aufblühen.

Stars im Sortiment sind die Miltoniopsis-Hybriden, bekannt als Stiefmütterchen-Orchidee. Ihre großen und auffällig gefärbten Blüten sorgen immer wieder für Aufmerksamkeit. Die Gruppe der Miltonia bildet im Gegensatz zu den Phalaenopsis Bulben als Speicherorgan und besitzt dadurch auch einen anderen Pflanzenaufbau. Bei guter Pflege und einem passenden Standort bilden die Pflanzen auch beim Verbraucher mehrmals hintereinander neue Bulben und Blütentriebe.

Ausweitung des Rand-Sortiments

In ähnlicher Weise ergeht es derzeit dem Sortiment der Cambria-Orchideen. Auch hier hat die verstärkte Nachfrage zu einer Ausweitung der Sortenvielfalt geführt. Cambria aus der In-vitro-Kultur bauen sich als kompakte Topfpflanze auf. Nach rund 24 Monaten stehen sie mit einer Gesamthöhe von etwa 40 bis 60 cm in Blüte und lassen sich vermarkten. Bei den Cambria widmet sich Hassinger vor allem den intergenerischen Hybriden. Verstärkt wird hier an Produkten gearbeitet, die schneller blühfähig sind und sich durch einen kompakteren Wuchs auszeichnen. Cambria Compact heißt es dann hier.

Gute Eigenschaften als Topfpflanze zeichnet auch die Gruppe der Promenaea aus. Den Anfang bildete bei Hassinger die Sorte `Sunlight´, eine interessante Kreuzung zweier Promenaea-Naturformen. Als Topforchidee soll sie sich einfach kultivieren lassen mit einer Blüte pünktlich zum Osterfest. Die sonnengelben Blüten halten bis in den Juni hinein. Pluspunkte der Neuheit sind deren einfache Pflege und wiederholte Blüte im kommenden Jahr. Von Nachteil ist allerdings die teilweise versteckte Blüte in der Laubmasse. Die Pflanze blüht vornehmlich zur Seite heraus und nicht wie bei der Phalaenopsis über dem Laub. Das macht sie aber als Hängepflanze interessant. Inzwischen ist das Sortiment mit weiteren Gelb- und Rottönen erweitert worden.

Hassinger gilt inzwischen als Spezialist für die Masdevallia. Unter dem Markennamen BellaVallia hat der Orchideenexperte blüh- und wuchsfreudige Sorten zusammengetragen. Die ursprünglich in den Bergregionen Südamerikas wachsenden Arten wurden züchterisch so bearbeitet, dass sie nun auch in Wohnräumen gut gedeihen. BellaVallia können als Jungpflanze oder als blühende Zimmerpflanze bezogen werden. Inzwischen ist das Sortiment mit noch nie dagewesenen, leuchtenden Farbtönen ergänzt worden. Das Spektrum reicht von Reinweiß, Zartrosa-Tönen, Dunkellila, Gelb, Orange, Rot bis Dunkelpurpur.

Erheblich ausgeweitet hat Hassinger sein Sortiment der Cocoon Orchids. Dabei handelt es sich um eine große Gruppe verschiedener Orchideen, die auf einem Stück Korkrinde wachsen. Kultur und Vermarktung der Pflanzen erfolgt in Glasgefäßen. Als Ergänzung dazu gibt es nun auch einige Vertreter, die an skurrilen Weinstöcken befestigt werden und sich mithilfe von Moos und ihren Haftwurzeln auf Dauer etablieren. Versorgt werden die Pflanzen über eine Wasserschale. Ein Docht transportiert das Wasser in den Wurzelbereich.

It's showtime

Rieke Blumen ist ein familiengeführter Gartenbaubetrieb im Münsterland mit zwei Standorten - einem Freilandbetrieb für Stauden und Herbstartikel und einem Produktionsbetrieb für hochwertige Phalaenopsis, die unter der Marke Show-Time geführt werden. Das Sortiment umfasst exklusive Varietäten mit attraktiven Blättern und einem kompakten Wuchs. Ein eigens entwickeltes Produktionsverfahren fördert die Bildung der Blütenrispen und führt mit zwei Pflanzen je Topf zu der außergewöhnlichen Qualität. Somit handelt es sich um ein Premiumprodukt für den Absatz an den Fachhandel. Und ständig wird am Sortiment gefeilt. So ist mit der Wild-Auslese eine Form aufgenommen worden, die ohne gestäbt werden zu müssen ihre Rispen buschartig über dem Topf aufbaut. Und Fingers ist eine Form, deren Rispen entsprechend der fünf Finger einer Hand angeordnet sind.

Peter Springer