Nachhaltigkeit bei Substraten

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Torf macht immer noch den Löwenanteil bei den Substratkomponenten aus<br>Foto: Aldenhoff

 

Als fossiler Rohstoff steht Torf als Ausgangsstoff für Substrate in der Kritik. Wie nachhaltig sind aber mögliche Torfersatzstoffe und reichen sie überhaupt? Die Aspekte für eine Bewertung sind vielschichtig, wie Michael Emmel von der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Hannover-Ahlem beim diesjährigen Ahlemer Forum darlegte, das Mitte Januar online abgehalten wurde und sich großen Zuspruchs erfreute.

Zunächst ging der Referent auf die Mengen ein, denn fraglich sei ja, ob die Torfersatzstoffe überhaupt in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Zahlen des Industrieverbands Garten (IVG) e.V. von 2020 zeigen, dass in Deutschland insgesamt 5,6 m³ Substrate für den deutschen Hobby- und Profimarkt hergestellt wurden. Die mengenmäßige Verteilung der Ausgangsstoffe belief sich auf ein Drittel Weißtorf, ein Drittel Schwarztorf und ein Drittel Torfersatzstoffe wie Kokosprodukte, Holzfasern, Rindenhumus, Grünkompost sowie sonstige organische Ausgangsstoffe. Diesen Zahlen zufolge reicht der Torfersatz offenbar nicht oder die Qualität genügt nicht, denn sonst wäre der Anteil an Torf vielleicht geringer, folgerte Emmel aus den Zahlen.

Nachhaltigkeit bewerten

„Reicht es denn überhaupt, den Torf zu ersetzen, um die Nachhaltigkeit von Substraten zu verbessern?“, fragte sich der Experte weiter. Dafür müsste der Begriff Nachhaltigkeit erst einmal definiert werden. Wenn man die Nachhaltigkeitsstrategie der UN betrachtet, so sind diese 17 globalen Nachhaltigkeitsziele sehr breit angelegt und gehen mit beispielsweise „Geschlechtergleichheit“ und „Hochwertige Bildung“ weit über den Umwelt- und Klimaschutzbegriff hinaus, den wir häufig zuerst mit Nachhaltigkeit verbinden. Allgemein wird Nachhaltigkeit so definiert: „Nachhaltigkeit bedeutet, die Bedürfnisse der Gegenwart so zu befriedigen, dass die Möglichkeiten zukünftiger Generationen nicht eingeschränkt werden.“ Die Nachhaltigkeit beruhe im Wesentlichen auf den drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Wie sieht es vor diesen Hintergründen mit der Nachhaltigkeit von Substraten aus? Dafür gebe es einen methodischen Ansatz, nämlich, den kompletten Produktlebenszyklus zu analysieren, so Emmel. Dazu gehöre dann die Soziale Lebenszyklusanalyse, die Lebenszykluskostenanalyse (also Ökonomie) und die Ökobilanz. Aus der Zusammenfassung dieser Ergebnisse lasse sich schließlich die Nachhaltigkeit jeder einzelnen Substratkomponente bestimmen.

Als Kategorien für die Bewertung eines Produktlebenszyklus kommen allerlei Faktoren in Frage wie beispielsweise das Treibhauspotential, die Ökotoxizität, der Ressourcenverbrauch, der kumulierte Energieaufwand oder die Wassernutzung. Einige dieser Kategorien fänden sich auch in DIN-Normen wieder. „Im Substratbereich gibt es inzwischen einige Studien, die sich mit Nachhaltigkeit und Ökobilanzierung auseinandersetzen. Eine der letzten Studien kommt aus der Schweiz von der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und ist 2015 veröffentlicht worden“, informierte Emmel. Darin wurden für Torf, Kompost, Rindenhumus, Holzfasern, Holzhäcksel, Kokosfasern und Kokosmark Ökobilanzen erstellt.

Bei der Kategorie „Kumulierter Aufwand nicht erneuerbarer Energien“ schnitt Torf mit weitem Abstand am schlechtesten ab, weil eben nicht nur die Energie für Herstellung und Transport zu Buche schlägt, sondern auch der Brennwert des Torfes als fossiler Rohstoff, also nicht erneuerbare Energie. Als weiterer Aspekt wurde in der Studie die Gesamtumweltbelastung mit und ohne Schwermetall-Emissionen während der Nutzung betrachtet. Wurden die Schwermetall-Emissionen berücksichtigt, schnitt Kompost mit großem Abstand am schlechtesten ab. Ob mit oder ohne Schwermetall-Emissionen schnitten auch die Kokosfasern mit ihrer Gesamtumweltbelastung deutlich schlechter ab als beispielsweise Torf oder die anderen Substratausgangsstoffe. Als letztes Beispiel wurde das Treibhauspotential berechnet. Hier hatte Torf mit 250 kg CO2-Equivalent/m³ den höchsten Wert, gefolgt von Kompost (rund 180), Kokosfasern (etwa 80) und Kokosmark (etwa 40). Hintergrund sei, dass der Kohlenstoffgehalt im Torf als fossil gilt und daher voll zu Buche schlägt. Bei allen anderen Ausgangsstoffen würde der Kohlenstoff zwar auch kurzfristig in der organischen Masse gespeichert, aber die eigentliche Freisetzung des Kohlenstoffes dürfe hier nicht mit einbezogen werden. Der Wert für Kompost liegt hier so hoch, weil bei der Studie davon ausgegangen wird, dass es bei der Kompostierung je nach Methode auch zu hohen Methanemissionen kommen kann. Allerdings sei immer zu berücksichtigen, von welchen Annahmen bei so einer Studie ausgegangen wird. Daher könnten andere Untersuchungen auch zu anderen Ergebnissen führen.

Mit Hilfe der Ergebnisse der einzelnen Kategorien wurden in der schweizerischen Studie alle Substratausgangsstoffe verglichen. Bei der Umweltbilanz schnitten demnach Holzfasern und Holzhäcksel am besten ab, während bei Torf, Kompost und Kokosfasern die negativen Punkte überwogen. Des Weiteren wurde die Wirtschaftlichkeit mit den Punkten Verfügbarkeit (bei Torf eher negativ) und Preisabhängigkeit (bei Holz und Kokos eher negativ) bewertet. Auch soziale Risiken wurden einbezogen; da schnitt Kokos nicht gut ab, während Kompost, Rindenhumus und Holz positiv bewertet wurden.

Pflanzenbau nicht vergessen

Last but not least müssen natürlich auch die pflanzenbaulichen Eigenschaften der Substratausgangsstoffe beurteilt werden, denn es nütze der nachhaltigste Stoff nichts, wenn er pflanzenbaulich nicht geeignet ist. Hier wurden in der schweizerischen Studie zehn Faktoren betrachtet: pH-Wert, Pufferkapazität, N-, P- und K-Gehalt, Salzgehalt, N-Immobilisierung, Wasser- und Luftkapazität sowie Strukturstabilität. Der Salzgehalt war bei Kompost kritisch zu sehen, ebenso die N-Immobilisierung bei Kokos. Der N-Gehalt war nur bei Rindenhumus positiv, bei allen anderen Komponenten negativ.

Michael Emmel berichtete auch noch von einer britischen Studie, bei der die „verantwortungsvolle Herstellung von Substraten“ mit einem Bewertungsschema betrachtet wurde, das folgende Kriterien berücksichtigt: Energie- und Wasserverbrauch, Sozialverträglichkeit, Biodiversität und Lebensraum, Umweltverschmutzung, Erneuerbarkeit und Rohstoff-Nutzungseffizienz. Holzfaser, Kokosmark und Grünkompost wurden zunächst theoretisch nach diesen Kriterien mit Punkten bewertet. Dann wurden Bewertungen dieser Substratkomponenten im Einsatz in Praxisbetrieben vorgenommen, was die theoretische Einschätzung in ihren Tendenzen größtenteils bestätigt bzw. etwas relativiert hat.

Gegenüber dem Grünkompost konnten Holzfaser und Kokosmark bei der Rohstoffnutzung punkten. Ansonsten stand der Grünkompost in allen anderen Kriterien mit Abstand am besten da. Das Kokosmark machte Negativpunkte beim Wasserverbrauch und der Umweltverschmutzung, während die Holzfaser beim Energieverbrauch in den kritischen Bereich rutschte.

Torf verantwortungsvoll nutzen

Für die verantwortungsvolle Nutzung von Torf hat die Stiftung „responsibly produced peat“ Kriterien aufgestellt, wie der Referent erläuterte. Diese Kriterien sollen dazu dienen, wenn schon Torf genutzt wird, zumindest möglichst nachhaltig gewonnenen Torf einzusetzen: Rechtmäßigkeit des Abbaus, verantwortungsvolle Führung, Transparenz, Auswahl der Abbaufläche, Flächenvorbereitung und Torfgewinnung sowie Folgenutzung und Wiederherstellung.

Fazit des Referenten: „Ich denke, dass wir gehalten sind, mit einem Bewertungssystem Ausgangsstoffe und Substrate zu beurteilen, das einerseits praktikabel ist, andererseits aber auch so vollumfänglich, dass es von allen Beteiligten, sowohl Umweltverbänden, als auch Substratherstellern, als auch Gärtnern akzeptiert wird. Nur mit Transparenz wird es möglich sein, eine Nachhaltigkeit bei Substraten nachzuweisen und immer mehr in den positiven Bereich zu kommen.“

Sabine Aldenhoff