Nach dem Sturm war vor dem Hurrikan

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Ende Januar bereitete sich die City of Sails auf weiteren Regen vor, dass die neuseeländische Nordinsel Mitte Februar mit Zyklon Gabrielle eine der schwersten Naturkatastrophen jemals heimsuchen würde, konnte im neuseeländischen Hochsommer noch niemand ahnen. Überschwemmungen hatten zu dem Zeitpunkt bereits zu beträchtlichen Schäden geführt. Chris Nicholson aus Pukekohe musste bspw. zusehen wie Tonne um Tonne seiner zur Ernte bereitliegenden Zwiebeln auf die Koppel des Nachbarn gespült wurde.

In knapp vier Stunden waren 140 mm Regen gefallen. Auf TikTok-Videos sind Zwiebeln zu sehen, die fernab der Felder auf Fußmatten von Eingangstüren liegen. Der Schaden wäre nicht so groß gewesen, wenn die Zwiebeln noch gewachsen wären und von Wurzeln im Erdreich verankert gewesen wären, aber die Bestände waren bereits geerntet worden und lagen auf Schwad zum Trocknen. Nicholsons Pechsträhne begann bereits deutlich früher: Hätte es in den Wochen zuvor sonniges und trockenes Wetter gegeben, wären die Zwiebeln bereits im Lager gewesen.

Kirit Makan, Präsident der Pukekohe Vegetable Growers Association, erklärte Ende Januar, dass nur so viel bereits feststehe: einige Erzeuger seien stärker betroffen als andere, und es sei schwierig, die Gesamtauswirkung abzuschätzen. Sicher sei aber auch: Wenn das nasse Wetter anhielte, würden die Auswirkungen noch größer werden. Es kam noch schlimmer, wenige Tage später musste der frische gebackene Prime Minister den nationalen Notstand ausrufen. Tausende von Menschen wurden vertrieben, Erdrutsche zerstörten zahllose Häuser, große Gebiete des Landes wie die Küstenregion um Gisborne, Teile von Hawke´s Bay und Northland wurden von der Außenwelt abgeschnitten und waren nicht erreichbar.

„Der Zyklon Gabrielle ist das bedeutendste Wetterereignis, das Neuseeland in diesem Jahrhundert erlebt hat. Die Schwere und der Schaden, den wir sehen, wurden seit einer Generation nicht mehr erlebt“, so Chris Hipkins - ausgerechnet am Valentinstag. „Es wird eine Weile dauern, bis wir wirklich wissen, was genau passiert ist.“ Klimaminister James Shaw beklagte in einer wütenden Rede vor dem Parlament „die verlorenen Jahrzehnte, die wir damit verbracht haben, darüber zu streiten, ob der Klimawandel real ist oder nicht, ob er von Menschen verursacht wurde oder nicht, ob er schlimm ist oder nicht, ob wir etwas dagegen tun sollten oder nicht.“

Tim Jacobsen