Die Düngung im Gemüsebau wird immer mehr zur Herausforderung, vor allem in nitratbelasteten Gebieten. In einem Online-Düngeseminar des DLR Rheinpfalz ging es um den effizienten Einsatz von Düngemitteln und darum, ob mit reduzierten Düngeaufwandmengen marktfähiges Gemüse erzeugt werden kann.
In den so genannten roten Gebieten sind die Erzeuger nach der neuen Düngeverordnung verpflichtet, die Stickstoffmenge auf 80 % des Bedarfswerts der Pflanze zu reduzieren. Doch nicht nur die Düngermenge ist entscheidend, damit der Ertrag stimmt. Auch die Platzierung des Düngers, die Düngerform und der Düngezeitpunkt haben deutliche Effekte. Das DLR Rheinpfalz hat auf dem Queckbrunnerhof verschiedene Versuche mit unterschiedlichen Fragestellungen angelegt. Unter anderem wurde in einem Versuch in Blumenkohl untersucht, ob der Einsatz von Bodenhilfsstoffen zur Kompensierung einer N-reduzierten Düngung beitragen kann. Rebecca Frank vom DLR stellte die Ergebnisse des Versuchs vor. Vier Düngevarianten wurden auf zwei Praxisbetrieben untersucht. Zwei Varianten mit 100 % des ermittelten Düngebedarfs bzw. einer betriebsüblichen Düngung wurden mit zwei Varianten verglichen, bei denen jeweils 80 % des ermittelten Düngebedarfs in Form von betriebsüblichem Dünger mit Bodenhilfsstoffen ergänzt wurden. In einem Fall mit Vivisol minigran, einem organisch-mineralischem NPK-Dünger auf Basis von pflanzlichen Rohstoffen mit Bakterien, der 2,5 % Gesamtstickstoff enthält. In der anderen Variante wurde der betriebsübliche Dünger mit Quaterna Terra 100 bzw. Quaterna Terra UAB ergänzt. Der Bodenhilfsstoff besteht aus pflanzlichen Substanzen, natürlichen Mineralien, Grünkompost, Melasse, selektierten Pflanzenkomposte mit Mikroorganismen und hat 1,5 % Gesamtstickstoff.
„Beim Ertrag gab es kaum Differenzen zwischen den Varianten“, erklärte Rebecca Frank. „Alle Pflanzen sahen vital aus, der Bestand war sehr homogen.“ Ob die Bodenhilfsstoffe etwas gebracht haben, konnte Frank nicht mit Gewissheit sagen. Sie konnte im vergangenen Jahr aus versuchstechnischen Gründen keine Variante dagegenstellen, die mit 80 % des Düngebedarfs ohne Bodenhilfsstoffe auskam. Das soll in diesem Jahr nachgeholt werden. Die Düngevarianten mit Bodenhilfsstoffen waren allerdings deutlich teurer. Während in der betriebsüblichen Variante 559 €/ha für Dünger aufgewendet wurde, schlug die Vivisol-Variante mit 1 340 €/ha und die Variante mit Quaterna Terra mit 967 €/ha zu Buche. „Im vergangenen Jahr war eine Reduktion des Stickstoffs um 20 % ohne Ertrags- und Qualitätseinbußen möglich“, so das Fazit von Rebecca Frank. Sie gab aber auch zu bedenken, dass etwaige Starkregenereignisse oder Hitzeperioden bei den Reduktionsvarianten stärker ins Gewicht fallen. Auch eine kulturspezifische und stadiumgerechte Bewässerung sei bei einer Düngereduktion wichtig.
Unterfußdüngung mit besten Ergebnissen in Chinakohl
Lothar Rebholz, Wasserschutzberatung DLR Rheinpfalz, näherte sich in seinem Vortrag der Frage, welche Düngetechnik und Düngemittel bei Chinakohl am besten geeignet sind. In 2021 hat es am Queckbrunnerhof einen entsprechenden Versuch mit drei verschiedenen Düngermengen gegeben: 100 %, 80 % und 50 %. Zudem wurden verschiedene Düngetechniken angewendet: eine flächige Ausbringung mit dem Schleuderstreuer, eine flächige Ausbringung mit dem Kastenstreuer mit Aussparung der Fahrspuren sowie je eine Variante mit einer Banddüngung vor und nach der Pflanzung mit der vollen Aufwandmenge. In diesen Versuchsvarianten wurde Entec26 eingesetzt. In der ersten Variante der Unterfußdüngung wurde die gesamte N-Menge in Form von Schwefelsaurem Ammoniak 10 cm tief abgelegt, in der zweiten Variante wurde 50 % mit Kalkstickstoff beim Pflanzen unterfuß appliziert, die restlichen 50 % wurden bei der Kopfdüngung in Form von Kalkammonsalpeter als Band an der Pflanzreihe abgelegt. In der vorletzten Variante wurde 80 % der N-Düngung mit dem Kastenstreuer in Form von Entec26 gegeben, die restlichen 40 kg N in Form von Kalkstickstoff in der dritten Woche als Reihendüngung appliziert. In einer weiteren Variante wurden die restlichen 40 kg N auf zwei Gaben aufgeteilt und jeweils flüssig mit AHL in der sechsten und siebten Woche ausgebracht. In einer weiteren Variante wurde untersucht, ob man kurz vor Kulturende durch gezielte Blattdüngungen mit Harnstoff Ertrag und Qualität absichern kann. Hierbei wurden nach einer einmaligen Grunddüngung in der letzten und vorletzten Kulturwoche jeweils 10 kg N/ha mit der Pflanzenschutzspritze ausgebracht.
„Die beiden Unterfußdüngungs-Varianten zeigten die besten Ergebnisse hinsichtlich Qualität und Ertrag“, fasste Rebholz die Versuchsergebnisse zusammen. Auch die Varianten mit der Reihendüngung, vor allem die mit der Blattdüngung in flüssiger Form, zeigten gute Ergebnisse. „Wir wollten mit diesem Versuch auf dem Pfälzer Gemüsebaufeldtag den Praktikern zeigen, was umsetzbar ist“, ordnete der Wasserschutzberater den Versuch ein. Sein Fazit lautet, dass sich durch eine Platzierung des Düngers unter Fuß oder in der Reihe die Düngeeffizienz erhöhen lässt. Damit könnten die Auflagen durch die Düngeverordnung in nitratbelasteten Gebieten leichter erfüllt werden. Zudem ließen sich die Stickstoffüberschüsse nach der Ernte durch eine bedarfsgerechte Düngung reduzieren. „Investitionen in technische Lösungen bei der Düngung rechnen sich“, sagte Rebholz.
Reduzierte Düngung in Salat möglich
Dr. Sebastian Weinheimer, Leiter des Versuchswesens Gemüsebau beim DLR Rheinpfalz, stellte Versuchsergebnisse zur Düngung bei bunten Salaten vor. Er schilderte, dass sie am Queckbrunnerhof in den Vorjahren schon viele Düngevarianten in den Salaten ausprobiert hatten, die allesamt kein befriedigendes Ergebnis lieferten. Sowohl eine gesplittete Düngung als auch stabilisierte Dünger brachten Nachteile im Gewicht. Eine platzierte Düngung brachte ebenso wie eine 80 %-Düngungsvariante weder Vor- noch Nachteile. „Ich habe die Hoffnung verloren, mit Technik und Terminierung der Düngung Effekte zu erzielen“, so Weinheimer. In 2021 lag der Fokus auf Düngern mit verschiedenen Stickstoffformen, die in grünen (und roten) Salaten eingesetzt wurden. Der Düngebedarfswert betrug bei den grünen Salaten 130 kg N/ha, bei den roten Salaten 115 kg N/ha. Zusätzlich wurde ein Aufschlag von 20 kg N für die Verfrühung eingerechnet. „Es ist immer die Frage, ob der Zuschlag reicht“, sagte Weinheimer. Neben einer Variante mit 100 % und 80 % vom ermittelten Düngebedarf in Form von KAS wurden Varianten mit auf 80 % reduzierter Düngung mit ASS, Entec26 sowie KAS plus Spurenelemente getestet. Dazu kamen zwei Varianten mit Mehrnährstoffdüngern: in einer wurde trotz hoher P-Werte in den Bodenanalysen eine auf 80 % reduzierte Aufwandmenge mit NPK Perfekt gedüngt, die andere mit den Einzelnährstoffen N, P und K, ebenfalls auf 80 % reduziert, um zu sehen, ob Mikronährstoffe einen Effekt haben.
Aufgrund der kühlen Witterung war die Salaternte im Frühsommer sehr spät. „Die 80 %-Varianten waren vergleichbar mit der 100 %-Variante“, fasste Weinheimer das Versuchsergebnis zusammen. „Wir kommen im Salat mit einer reduzierten Düngung klar.“ Das beste Ergebnis bei den Kopfgewichten erzielte die 80 %-Variante mit KAS plus Kornkali und Superphosphat als Einzelgaben. „Die stabilisierten Dünger sind im Frühjahr nicht die beste Stickstoffform“, sagte Weinheimer. Sie wirken zu langsam, gerade bei niedrigen Temperaturen. Daraus resultierten im Versuch geringere Kopfgewichte. Bei den Varianten mit Spurennährstoffen zeigte sich kein Effekt auf den Ertrag.
Körnermais und Zwischenfrüchte fangen Stickstoff auf
Erstmalig wurde auf dem Queckbrunnerhof nach der Salaternte Körnermais eingesät, um den Stickstoff aus den Ernteresten, die bei Einarbeitung in den Boden leicht mineralisiert werden, aufzunehmen und zu nutzen. Die Einsaat des Maises der Reifegruppe 180 erfolgte am 15. Juni, er wurde im November gedroschen. Weinheimer zeigte sich mit einem Ertrag von 60 dt/ha zufrieden. „Da, wo kein intensiver Gemüsebau betrieben wird, eignet sich Mais gut, um mineralisierten Stickstoff zu verwerten. Alternativ könnte auch eine Sommerzwischenfrucht angebaut werden“, erklärte Weinheimer. Der Maisanbau soll in diesem Jahr wiederholt werden.
Auch Zwischenfrüchte sind geeignet, Nitratwerte zu senken, indem sie Stickstoff aus Ernteresten verwerten und für die nächste Kultur zur Verfügung zu stellen. Christoph Felgentreu von der Interessengemeinschaft gesunder Boden erklärte in seinem Vortrag die Vorteile des Zwischenfruchtanbaus für den Humusaufbau und die Bodenstruktur. Zwischenfrüchte durchwurzeln den Boden teilweise sehr tief. Felgentreu zeigte sehr anschaulich die Wurzelbildung verschiedener Zwischenfrüchte. Rettich beispielsweise bildet viele Feinwurzeln, während Ramtilkraut ein sehr kräftiges und dichtes Wurzelsystem ausbildet und Lupinen sehr tief wurzeln. „Bei Mischungen gibt es oft ein besseres Wurzelwachstum durch die Konkurrenz der Pflanzen untereinander“, sagte Felgentreu. Allerdings gibt es Pflanzenarten, die gar nicht miteinander harmonieren, und solche, die miteinander interagieren. Als Beispiel nannte er Gräser und Weißklee, die untereinander Symbiose durch Mykorrhiza betreiben. Die Rhizobien des Klees liefern Stickstoff für die Gräser. „Sie interagieren untereinander und haben zusammen eine deutlich höhere Leistung.“ Felgentreu stellte verschiedene Mischungen vor, die hinsichtlich ihrer Zusammensetzung auf die Folgekultur abgestimmt sind und einen hohen Vorfruchtwert haben. „Ziel muss ein biologisch aktiver Boden sein“, erklärte er. Denn ein biologisch aktiver Boden könne auch besser Wasser speichern, was in Zeiten mit extremen Wetterlagen von Vorteil ist.
Erntereste breit verteilen
Kerstin Mahler, Beraterin für Gemüsebau beim DLR Rheinpfalz, sprach in ihrem Vortrag einige Punkte in der neuen Düngeverordnung an, die immer wieder Fragen aufwerfen. Zum Beispiel die nach dem Unterschied zwischen Ernteresten oder Gemüseresten. „Erntereste fallen bei der Ernte an und verbleiben auf dem Acker“, erklärte Mahler. Auch die Aufbereitungsreste dürfen wieder auf die Ursprungsfläche gebracht werden. „Sie müssen aber breitflächig verteilt werden und dürfen nicht als Haufen abgeladen werden“, verdeutlichte sie. Zudem müsse die Stickstoff-Nachlieferung für jede Folgekultur bei jeder Düngebedarfsermittlung angerechnet werden. Im Unterschied dazu seien Gemüsereste als Aufbereitungsreste definiert, die nicht auf die Ursprungsfläche zurückgeführt werden. „Das hat große Auswirkungen. Sie werden als organischer Dünger über 1,5 % Stickstoff betrachtet“, erläuterte Mahler. Vor der Ausbringung muss ein Düngebedarf bestehen, der in der Düngebedarfsermittlung schriftlich erfasst werden muss. Die Ausbringung der Gemüsereste unterliegt einer Sperrfrist vom 2. Dezember bis 31. Januar. „In dieser Zeit müssen die Gemüsereste gelagert werden. Das ist auch auf einem Anhänger erlaubt“, so die Beraterin. Und nicht zuletzt gilt für Gemüsereste als organischer Dünger die betriebsbezogene Obergrenze von 170 kg N/ha und Jahr, im roten Gebiet auch schlagbezogen.
Kerstin Mahler sprach als zweiten Punkt die Zwischenfruchtdüngung an. Es stelle sich immer wieder die Frage, was erlaubt ist. Sie unterschied in ihren Ausführungen zwischen nitratbelasteten und neutralen Gebieten. In nicht nitratbelasteten Gebieten darf gedüngt werden, wenn ein Stickstoff-Düngebedarf besteht und die Zwischenfrucht bis zum 15.9. gesät wurde. Ein Düngebedarf besteht nach Getreide sowie auf kalten Böden. Zudem ist ein Bedarf davon abhängig, wie hoch der Leguminosenanteil in der Zwischenfrucht ist. Gedüngt dürfen maximal 60 kg Gesamt-N/ha bis zum 1.10., Mist und Kompost hat keine Obergrenze, aber eine Sperrfrist vom 1.12. bis 15.1. In nitratbelasteten Gebieten muss ebenfalls ein Düngebedarf bestehen. Eine Düngung darf nur bei Zwischenfrüchten mit Nutzung als Futter erfolgen.
Auch bei der Stickstoff-Bedarfsermittlung bei Überwinterungskulturen wie beispielsweise Porree gibt es nach Aussage von Beraterin Mahler immer wieder Nachfragen. „Die Bedarfsermittlung wird zur ersten Düngung gemacht“, erklärte sie. Der Bedarf könne dann auf beide Düngetermine verteilt werden, auch wenn die zweite Düngung erst im Februar des Folgejahres erfolge. „Die Dokumentation erfolgt ebenfalls im Bedarfsermittlungsjahr“, so Mahler. Die Beraterin stellte zudem einige Neuerungen im Excelprogramm zur Düngebedarfsermittlung vor. Es sind neue Kulturen hinzugefügt worden. Bei Gemüse sind es beispielsweise Winterspinat und Dillspitzen, einige neue Kulturen bei den Heil- und Gewürzpflanzen sowie im Ackerbau Zwischenfrüchte nach Getreide mit einem Leguminosenanteil von weniger als 50 %. „Außerdem gibt es geänderte Düngebasisdaten bei Heil- und Gewürzpflanzen für Trocknung und frische Kräuter“, sagte Mahler.
Imke Brammert-Schröder