Im letzten Herbst präsentierte die internationale Informations- und Handelsplattform VertiFarm zum dritten Mal technologische Highlights und eine umfassende Übersicht zu den vielfältigen neuen Möglichkeiten von Vertical Farming, New Food Systems und Controlled Environment Agriculture (CEA) in den Dortmunder Westfalenhallen. Die Fachmesse fokussiert sich auf Verfügbarkeit, Qualität und Ressourceneffizienz von Nahrungsmitteln der Zukunft.
Der Landwirtschaft unter kontrollierten Bedingungen gehört die Zukunft, hieß es auf der Messe. Sie biete optimale Voraussetzungen, um die konventionelle Landwirtschaft künftig ideal zu ergänzen, um einer der größten Herausforderungen unserer Zeit erfolgreich zu begegnen: die Ernährungssicherheit unter den Einflüssen von Klimakrise und Bevölkerungswachstum zu gewährleisten. Im Rahmen der dritten Ausgabe der Fachmesse für IndoorFarming in Kombination mit New Food Systems versammelten sich erneut Branchenexperten und Interessierte aus aller Welt, um die Entwicklung der Branche und ihre öffentliche Wahrnehmung als wichtigen Zukunftsfaktor gemeinsam weiter voranzutreiben und auf dem Weg dorthin nachhaltige Kontakte zu knüpfen.
Mit der VertiFarm sollen Wissen, Technik, Entwicklung und Netzwerk an einem zentralen Standort in Deutschland vereint werden. Dabei setzte die Fachmesse für das Vertical Farming den Fokus auf die Präsentation neuer Technologien, komplexer Automatisierungen sowie vertikalen Anbaumethoden. Ergänzt wurde das Thema Vertical Farming durch Aussteller, die die neusten Entwicklungen in den Bereichen New Food und Controlled Environment Agriculture präsentieren. Insbesondere mit Blick auf die Herausforderungen urbaner Nachhaltigkeit bietet die VertiFarm innovative Ansätze der dezentralen Produktion – direkt in den Ballungsräumen. Zudem präsentierte die Messe mit einem Rahmenprogramm Lösungsansätze und Themenblöcke für weltweite Herausforderungen, wie Ernteausfälle, Nahrungsergänzungen, Versorgungsabsicherung und Energieeffizienz. Die schwierigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen der vergangenen Jahre verlangsamten die rasante Entwicklung der Branche zwar zuletzt. Die Phase der Konsolidierung, in der sie sich derzeit befindet, und welche für viele Marktteilnehmer aktuell einer Geduldsprobe gleichkommt, könnte insgesamt jedoch ein wegweisender Schritt hin zur Herausbildung einer stabilen wettbewerbsfähigen Industrie sein, wie wir es aus anderen Branchen kennen.
Chance für Gründer Gründer, die sich auf dem Markt etablieren möchten, brauchen starke Partner an ihrer Seite. In den Dialog treten konnten sie in der Start-up Area. Der offen gestaltete Bereich bot jungen Unternehmen in diesem Jahr erneut die Chance, sich dem internationalen Messepublikum zu präsentieren und Kontakte zu knüpfen. Mit spannenden neuen Geschäftsmodellen waren dort unter anderem die Start-ups Direct Carbon aus Schweden, das Lösungen zur Reduktion von CO2 - Emissionen entwickelt, und AgriData Innovations, das sogenannte Smart Eyes für ein datengesteuertes Gewächshausmanagement entwickelt, vertreten. Auch die Firma OnlyGreens zog mit ihren Anbauregalen durchgehend zahlreiche Fachbesucher an ihren Stand in der Start-up Area.
Start-ups mit Sitz in Deutschland hatten die Möglichkeit, ihren Messeauftritt im Rahmen des Young Innovator Programms in Kooperation mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) mit bis zu 7500 € fördern zu lassen.
Unter dem Motto „Grow to the Next Height“ fand zudem erstmals eine Start-up Challenge statt. Die Gewinner sind das indische Start-up 4Climate und das Leipziger Start-up greenhub solutions GmbH. Sie erhielten u. a. eine einjährige AVF-Mitgliedschaft und ein Experten-Coaching. Das Team von greenhub solutions GmbH um Gründer Alexander Jaworski und Kay Plat entwickelt automatisierte Indoor-Farming-Lösungen für die Landwirtschaft. Ein erstes marktfähiges Produkt steht in den Startlöchern: der GreenResearcher. Das kompakte Plug-and-Play-System ermöglicht es, Daten aus standardisierten Experimenten zu gewinnen. Deren Analyse soll dazu beitragen, Pflanzenwachstum und Anbaumethoden effizienter und produktiver zu gestalten. Das Start-up 4Climate aus dem indischen Ahmedabad entwickelt Automatisierungslösungen für die Landwirtschaft auf Basis von modernen Technologien wie dem Internet of Things (IoT) und Künstlicher Intelligenz (KI). Die Lösungen von 4Climate sind speziell auf geschlossene Umgebungen wie CEAGewächshäuser, hydroponische vertikale Farmen und Aquakulturen ausgerichtet.
8. Summit der Association for Vertical Farming Ein weiteres Highlight der VertiFarm war der 8. Summit der Association for Vertical Farming e. V. (AVF). Er bot Experten, Unternehmern, Forschern, Investoren und Interessenvertretern einen Rahmen, um nicht nur über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Zukunftstrends zu diskutieren, sondern auch Best-Practice-Beispiele auszutauschen und von den Ideen und Erfahrungen anderer Unternehmen zu lernen. Mit dabei waren unter anderem Dr. David Meszaros, Gründer und CEO von Smartkas, der sich mit seinem Unternehmen zum Ziel gesetzt hat, Vertical Farming im urbanen Raum zu etablieren, der AeroFarms-Mitgründer und CEO von Oshima Good Food, Marc Oshima, Seriengründer, Investor und Digitalexperte Carsten Puschmann, der den zweiten Messetag mit einer Keynote zum Thema „Investing in Food Tech“ eröffnete, sowie Jan Bredack, Gründer und CEO der Veganz Group.
Breite Expertise mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung Die Partner der VertiFarm präsentieren erneut Leuchtturmprojekte für die Landwirtschaft der Zukunft. Mit dabei ist unter anderem das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT. Mit seinem inFARMING®-Konzept hat das Institut ein innovatives Konzept der gebäudeintegrierten Landwirtschaft entwickelt. Es ermöglicht die ressourcenschonende Nahrungsmittelproduktion in städtischen Gebieten, indem beispielsweise Dächer und Fassaden für den Anbau von Pflanzen genutzt werden. Ein prominentes Beispiel ist der ALTMARKTgarten in Oberhausen, wo seit 2019 landwirtschaftliche Produkte auf dem Dach eines Jobcenters angebaut werden. Besucher der VertiFarm konnten das Projekt im Rahmen einer Exkursion besichtigen.
Das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie IME präsentiert seine Systeme OrbiPlant® und OrbiLoop®. Sie wurden entwickelt, um das Vertical Farming effizienter und skalierbarer zu gestalten, indem flexible Förderbänder für den Pflanzenanbau verwendet werden. Diese sind leicht, benötigen kein Substrat und können Sonnenlicht nutzen, was sie für die Integration in bestehende städtische Strukturen wie Fassaden und Dächer geeignet macht.
Ebenso verfolgt das von Henry GordonSmith gegründete und in Brooklyn, New York, ansässige Beratungsunternehmen Agritecture das Ziel, neue landwirtschaftliche Konzepte in Städte zu bringen. Sie sollen Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsprobleme lösen, insbesondere im Kontext des Klimawandels. Im Mittelpunkt der Arbeit von Agritecture steht die Verbindung zwischen architektonischem Design und landwirtschaftlicher Praxis, um nachhaltige Lebensmittelproduktion in urbanen Räumen zu unterstützen.
Auch das European Photonics Industry Consortium EPIC ist ein wichtiger Partner der VertiFarm. Die Organisation konzentriert sich auf die Förderung der Photonikindustrie in Europa. Die Photonik ist entscheidend für die Entwicklung moderner Technologien, einschließlich solcher, die im Vertical Farming eingesetzt werden, wie etwa innovative Beleuchtungssysteme und Sensortechnologien.
Birgit Scheel
(Artikel aus GP 01/25)