Familie Meinert ist im Knoblauchsland mit zwei Betrieben vertreten: „Jürgen Meinert Gemüsebau“ produziert Gemüse und Kräuter und die „Meinert GmbH“ handelt mit Obst, Gemüse und Kräutern. Stets führten Marktanpassung, Rationalisierung und intensiver Kundenkontakt zum Erfolg beider Firmen. Aktuell werden wieder einmal Zukunftsstrategien durchdacht.
Auf insgesamt 17 ha produzieren Karin, Jürgen und Senior Heinz Meinert Salate, Rettich, Sellerie, Karotten, Buschbohnen Weißkohl, Blaukraut, Blumenkohl, Kürbisse, Wirsing, Lauch, Beifuß und Schnittlauch.
Die 3 000 m2 Hochglasfläche dienen dem Mini- (1 000 m2) und Schlangengurkenanbau (2 000 m2). Im Produktionsbetrieb arbeiten vier gärtnerische Fachkräfte, ein Mechaniker, bis zu zehn Saisonkräfte und vier auf 450-€-Basis Beschäftigte. Karin Meinert hat das Büro unter sich und Seniorchef Heinz Meinert schaut im Freiland regelmäßig nach dem Rechten.
Ware aus der Region
Jürgen Meinert (47) managt die Meinert GmbH als Geschäftsführer. Ein Lagerleiter und gleichzeitig QMB (Qualitätsmanagementbeauftragter) kümmert sich hauptsächlich um die Zertifizierungen (IFS, GQ-Bayern, GLOBALG.A.P). Karin Meinert und Karin Lödel regeln Buchhaltung und Personalwesen. Im Lager sind zwei und beim Verpacken drei Festangestellte tätig. Bis zu vier Fahrer und sechs auf 450-€-Basis Beschäftigte komplettieren das GmbH-Team.
Über die Meinert GmbH wird die gesamte Ernte des eigenen Produktionsbetriebes vermarktet. Mengenmäßig macht das ca. 20 % des GmbH-Handels aus. Zu 80 % verkauft die Meinert GmbH, wenn möglich, Ware von örtlichen Kollegen. Inländisches wird direkt beim Erzeuger oder bei langjährigen Geschäftspartnern des Großhandels bezogen. Waren aus Belgien, den Niederlanden und Italien werden teilweise direkt importiert. Wo immer es geht, wird Regionales bevorzugt vermarktet.
Je zur Hälfte wird an direktvermarktende Lebensmittelgeschäfte und an Gastronomiebetriebe sowie Wochenmarktbeschicker, zu deren Sortimentsergänzung, verkauft. Ca. 30 % des Obst-, Gemüse- und Kräuterangebotes wird abgeholt, ca. 70 % mit vier eigenen Kühl-Lkw und drei Transportern geliefert.
Die Kunden der Meinert GmbH sind zum Großteil in Nordbayern ansässig verstreut. Dem Betriebsleiter ist Kundenkontakt sehr wichtig. Telefonisch geht das ganz gut und zwischendurch fährt Jürgen Meiner Liefertouren auch selbst und schaut persönlich bei seinen Kunden vorbei.
Nicht stehen bleiben
Es gibt nichts, was nicht verbessert und rationalisiert werden könnte. An dieser Schraube des Betriebserfolges zu drehen, ist für Familie Meinert selbstverständlich. Zur steten Rationalisierung gehört heutzutage die stete Digitalisierung. Bestellungen, so Jürgen Meinert, laufen inzwischen zu einem Drittel über den eigenen Internetshop für angemeldete Kunden. Ein geringer Teil wird noch telefonisch in Auftrag gegeben. Was noch bis 18 Uhr bestellt ist, kann am nächsten Morgen bereits ab 7 Uhr abgeholt werden. Jetzt, in der „Corona“-Situation, müssen die Liefertermine flexibel gehalten und bei Bedarf schnell reagiert werden.
Über Smartphones und Tablets sind die Mitarbeiter im Lager und beim Kommissionieren stets mit dem Büro verbunden. Auch die Rechnungen werden schon digital erstellt. Das papierlose Büro ist nicht mehr fern.
Natürlich machte und macht sich die „Corona“-Krise auch bei Meinerts bemerkbar. Während Karin Meinert über die Schwierigkeiten stöhnt, genügend geeignete Saisonkräfte ins Land zu bekommen und sie hygienisch unbedenklich arbeiten und wohnen zu lassen, staunt Jürgen Meinert über die Verschiebung der Nachfrage beim Handel. Es meldeten sich zwar ca. 20% weniger Kunden pro Tag an, dafür kauften die anderen mehr ein, der Umsatz blieb in etwa gleich dem von vor der Krise. Die Nachfrage nach Topfkräutern aus Italien vervierfachte sich im Frühjahr und die Hofläden fragten sogar nach Zier- und Zitruspflanzen. Offensichtlich, so Meinert, wird jetzt mehr selbst gekocht und die Bevölkerung versorgt sich verstärkt über Hofläden und Wochenmärkte, wo sie auch ihren Bedarf an Kräutern, Blumen und Zierpflanzen decken will. Klar, dass sich die Meinert GmbH anpasst. Was der Kunde wünscht, wird besorgt.
Freiland oder Hochglas?
Soweit läuft bei Jürgen Meinet Gemüsebau und Meinert GmbH alles rund, nichtsdestotrotz macht sich das Betriebsleiterehepaar Gedanken über die Zukunft. Soll weiter rationalisiert und eventuell nur auf einen Betrieb gesetzt werden? Das Handelsunternehmen läuft in eingespielter Routine, die Produktion allerdings fordert ständige Anpassung, unter anderem aufgrund der wechselnden Witterungsbedingungen. Den Anbau aufgeben und die Flächen verpachten? Pachtflächen sind im Knoblauchsland sehr gefragt.
Lieber nicht, denn zwei Standbeine, Produktion und Handel, machen unabhängiger als nur ein einzelnes. Außerdem sei, so Karin Meinert, der Anbau ein seit Generationen tradiertes Erbe, dessen Aufgabe sie sich nicht vorstellen kann und mag. Eine weitere Möglichkeit wäre die Rationalisierung durch Gewächshausproduktion statt Freilandanbau. Das bedeute, von den stetig strenger werdenden Umweltauflagen des Freilandanbaus wegzukommen, den Anbau besser steuern zu können und bessere Chancen zu haben, Personal zu finden. Denn die Menschen arbeiten nun mal lieber im Gewächshaus als im Freien. Welche Gemüsekulturen sollten dann im künftigen Glashaus wachsen? In die Tomatenproduktion einzusteigen, hält Jürgen Meinert für problematisch. Schließlich wurden andernorts in Bayern in den letzten Jahren große Gewächshausanlagen (in Kooperation mit dem Einzelhandel) für Fruchtgemüse gebaut. Der Gurkenmarkt sei schwierig, der Paprikaanbau werde im Knoblauchsland verdoppelt und der Tomatenmarkt ist schwer umkämpft.
Jürgen und Karin Meinert denken, dass man bei Investitionsplanungen für die nächsten Jahrzehnte die gesamte Familie miteinbeziehen und überlegen sollte, wie es mit der Betriebsnachfolge weitergehen könnte. Tochter Ann-Katrin (23), kaufmännische Angestellte, hilft mit, wenn sie es mit ihrer Tätigkeit vereinbaren kann. Stefanie Meinert (18) macht eine Lehre im Handwerk und Sohn Lukas (14) ist für so eine schwerwiegende Zukunftsentscheidung noch zu jung.
Was also tun? Karin und Jürgen Meinert wollen erst einmal abwarten, was das zweite „Corona“-Jahr so bringt. Im Herbst wird dann innerhalb der Familie entschieden, wohin die betriebliche Reise geht. Trotzdem werden vorsorglich die Pläne zum Bau von 1,6 ha Hochglas vorangetrieben. Der Tag der Entscheidung wird kommen und dann kann’s gleich losgehen – oder auch nicht.
Ramona Schneider