Ein Teil der Wintermessen und Veranstaltungen liegt hinter uns und häufig zeigt sich ein ähnliches Stimmungsbild unter den Besuchern. Zunächst einmal positiv zu vermerken ist, dass die Veranstaltungen meist gut besucht sind. Richtet man den Blick auf die vergangene Saison, so ist in den Aussagen der Teilnehmer meist eine gewisse Anspannung bis hin zum klaren negativen Resümee zu verspüren. Dies bedeutet aber noch nicht, dass für alle Betriebe die vergangene Saison wirtschaftlich schwierig verlief, einige wenige Unternehmen haben eine durchaus positive Saison erlebt.
Vielmehr als der Blick zurück beschäftigt die Erzeugerbetriebe aber die Bewältigung der Gegenwart und der Zukunft. Wenn schon die Gegenwart mehr Fragen als Antworten aufwirft, wie soll man dann erst positiv in die Zukunft schauen können, ist ein Eindruck, den man häufig aus Gesprächen mitnimmt.
Doch das ist zum Glück nur eine Seite der Medaille, denn auf der anderen Seite wird bewusst, was die Branche und die einzelnen Betriebe schon alles geleistet haben, welche Herausforderungen, die vielleicht deutlich schwieriger zu bewältigen waren als die aktuellen, schon gemeistert wurden und im gleichen Zug weicht die Skepsis der Zuversicht, die Überhand gewinnt.
„Wir schaffen das“ – der vor Jahren berühmt gewordene Satz der ehemaligen Kanzlerin gewinnt in unserer Branche Aktualität und er beschreibt, was viele Erzeugerbetriebe trotz nicht wegzudiskutierender Schwierigkeiten bewegt und antreibt. Landwirte und Gartenbauer denken in langen Zyklen, ihre Betriebe und Unternehmen sind auf Nachhaltigkeit aufgebaut. Grund und Boden, die darauf errichtete Infrastruktur, der Personalstamm, Technik und Maschinen, das Denken und Handeln der Verantwortlichen und deren Philosophie – alles ist auf Langlebigkeit ausgerichtet.
Krisen hat es dabei immer wieder gegeben, ebenso wie Anpassungen der betrieblichen und unternehmerischen Ausrichtung als Reaktion auf die Erfordernisse der Zeit. Denken wir einmal zurück an die industrielle Revolution und die beginnende Technisierung der Landwirtschaft, die aktuell in immer höherem Tempo voranschreitet, an die beiden Weltkriege, die Weltwirtschaftsreform, die Tschernobyl-Krise u.a. Es hat immer wieder ein „Morgen“ gegeben, auch wenn zum Zeitpunkt der Krise nicht klar war, wie dieses „Morgen“ aussehen würde.
Schwierige Zeiten schweißen auch zusammen und führen zu mehr Zusammenarbeit innerhalb einer Branche und darüber hinaus – ein Aspekt, den man gegenwärtig in manchen Bereichen etwas vermisst oder der zumindest zu kurz kommt. Die deutschen Verbraucher haben über viele Jahre hinweg die niedrigsten Preise und fast innerhalb ganz Europas den geringsten Anteil ihres verfügbaren Einkommens für Lebensmittel gezahlt.
Obst und Gemüse sind auch in Zeiten hoher Inflation nicht die Preistreiber, auch wenn dies in der öffentlichen Wahrnehmung oft nicht so dargestellt wird, denn bei vielen Berichten zum Thema Preissteigerung wird gleich ein Bild aus dem Obst- und Gemüseregal mitgeliefert. Die letzten Monate haben zum Vorschein gebracht, wie fragil die Faktoren Regionalität und Nachhaltigkeit sind, wie Einzelhändler damit umgehen und welchen Stellenwert sie beim Verbraucher haben, wenn z.B. aus der Ferne importierte Produkte angeboten werden und der Preis entscheidendes Kaufargument ist.
Die vergangen Monate haben aber auch gezeigt, wie wichtig es ist, auf Erzeugerseite das Produktangebot noch viel stärker zu bündeln als aktuell gegeben. Im Gegensatz zum oft zersplitterten Erzeugerangebot ist der Einzelhandel in Deutschland hoch konzentriert. Dessen Einkäufer bekommen in Deutschland das gleiche Produkt aus einer Region manchmal von einer ganzen Reihe von Anbietern, die auch noch im Wettbewerb zueinander stehen, geboten, während ausländische Produzenten uns in diesem Punkt oft weit voraus sind, ihr Angebot längst konzentriert haben und mit einer Stimme sprechen.
Bei aller berechtigter Kritik an den gegenwärtigen Rahmenbedingungen dürfen auch die eigenen Hausaufgaben nicht auf der Strecke bleiben – hier ist mehr gemeinsames Handeln gefordert.
Thomas Kühlwetter
Kernsatz: Im Gegensatz zum oft zersplitterten Erzeugerangebot ist der Einzelhandel in Deutschland hoch konzentriert.