"Kom in de Kas" - Tag der offenen Türen

MODERN

Die Gewächshäuser bei Schreurs Planten waren Anfang April noch nicht leerverkauft.</br>Foto: Jacobsen

Am 2. April 2023 hieß es zwischen Sevenum, Grubbenvorst, Melderslo und Venlo einmal mehr „Komm ins Gewächshaus“. Mit Bakker Sweet Peppers, Schreurs Planten, Bejo, Hendrix-Rasing Aardbeien, B&B Plant, Groentebedrijf Baetsen, Westburg, der Kokkerelli & Kids University for Cooking und dem Brightlands-Campus Greenport Venlo gab es nichts weniger als die gesamte Bandbreite des Gartenbaus zu sehen.

Nur: Wer alle neun Stopps gebührend würdigen wollte, musste sich ganz schön sputen.

Bakker Sweet Peppers

Mit dreimal so viel Vitamin C wie eine Orange ist der Verzehr orangefarbener Paprika höchstwahrscheinlich äußerst Gesundheits-förderlich. Dies mag einer, aber ebenso höchstwahrscheinlich nicht der ausschlaggebende Grund dafür gewesen sein, dass sich Bakker Sweet Peppers als einziger Produktionsbetrieb im Süden der Niederlande dem Anbau und der Aufbereitung von orangefarbenen Paprikas verschrieben hat. Auf rund 5,2 ha werden Jahr für Jahr 1,5 Mio. kg geerntet. Frank Bakker erklärt, wie es für die Paprika dann weitergeht: „Wir sind bestrebt, ein täglich frisches Produkt zu liefern. Unsere Paprika werden nach Qualität, Gewicht und Größe sortiert und nachdem sie dann verpackt sind, werden sie noch am selben Tag zu unseren Kunden weltweit transportiert.

Unser Unternehmen ist Mitglied des Erzeugerverbandes ZON und unsere Produkte werden über ZON Fruit & Vegetables verkauft. Wir sind auch Mitglied von Pamosa, einer Gruppe leidenschaftlicher Paprikaproduzenten. Wir haben uns zusammengetan, weil wir alle das gleiche Ziel haben, nämlich die besten, schönsten und leckersten Paprikas zu produzieren. Durch den gemeinsamen Verkauf unserer Paprika unter einem Namen können mehr Menschen diese köstlichen Produkte genießen. Um alle Nachhaltigkeits- und Qualitätsanforderungen zu erfüllen, sind wir Planet Proof, Better for Nature & Farmer, Global GAP und GRASP zertifiziert.“

Schreurs Planten

Unweit des Paprikaproduzenten ist Schreurs Planten auf den Anbau von Gemüsejungpflanzen für die Freilandproduktion spezialisiert. Auf 11 ha werden verschiedene Arten von Kohlpflanzen, die verschiedensten Salate, Endivie, Sellerie, Fenchel und das nahezu gesamte Kräuterprogramm plus Veilchen als Presstopf- oder Traypflanzen angezogen. Seit 2019 gehört Schreurs Planten zur Gipmans-Gruppe in Venlo. John Houben erklärt die Vorzüge der Schreurschen Jungpflanzen: „Wir sind bekannt für unsere Qualität und flexible Lieferung. Unsere Kunden sind professionelle Freilandanbauer, hauptsächlich in den Niederlanden und Deutschland.“

2023 stand passend auch das 50. Firmenjubiläum an: 1973 starteten Toon und An Schreurs am Horsterweg in Sevenum in einem 4 500 m2 großen Gewächshaus mit der Kultur von Salatjungpflanzen. 1978 wurde am jetzigen Standort in der Heerstraat ein neues Gewächshaus mit 5 000 m2 gebaut. In den Folgejahren wurde dieses auf 75 000 m2 erweitert. 2012 ging das Unternehmen an die Kinder Twan und Edith. Im selben Jahr wurde auch ein Standort in der Nähe des heutigen Unternehmens mit 3,5 ha erworben. Die gesamte Unterglasfläche beträgt nun 11 ha, wovon 2 ha als Cabrio-Gewächshaus der Kultivierung von Kohlpflanzen in Kisten vorbehalten sind.

Bejo

Wer dann gerne wissen wollte, wo das Saatgut eigentlich herkommt, war bei Bejo am Standort Melderslo gut aufgehoben, denn „Bejo ist nichts weniger als ein international tätiges niederländisches Familienunternehmen, das sich auf die Züchtung, Produktion und den Verkauf von Gemüsesaatgut spezialisiert hat“, wie John Gielen erklärt. „Gemeinsam mit Kunden und Partnern in der Kette erforscht Bejo Marktchancen und entwickelt innovative Forschungsmethoden. Bejo versorgt Erzeuger weltweit mit Gemüsesorten höchster Qualität, damit sie gesundes und schmackhaftes Gemüse ernten können, das den Verbrauchern schmeckt. Jetzt und in 50 Jahren.“ 7 ha unter Glas stehen in Melderslo für Züchtung und Saatgutproduktion zur Verfügung.

Groentebedrijf Baetsen

Und schon ist der gedankliche Sprung zu `Nerac´ nicht weit, der wohl weit verbreitetsten Lagermöhrensorte in Nordeuropa - auch wenn René und Teun Baetsen `Maestro´, die Sorte des französischen Mitbewerbers, aufgrund ihres süßen Geschmacks eigentlich besser finden. Und so haben die Beiden dann auch eine ganze Menge Maestros im Haus, wie sie nimmermüde den Komindekas-Besuchern erklärten. Die Möhren werden täglich frisch gerodet und verarbeitet, was dank Strohabdeckung auch im Winter kein Problem ist. Sowohl der Anbau als auch die Verarbeitung erfolgen vor Ort, sodass alles nach Wunsch für den Kunden verarbeitet und verpackt werden kann.

Familie Baetsen ist zwar seit 28 Jahren auf Möhren spezialisiert, aber auch, was den Knollensellerie-Anbau angeht, weiß der Familienbetrieb Bescheid. Bewirtschaftet werden rund 40 ha in einem 25 km Radius, von denen um die 4 Mio. kg Frischprodukte abgefahren werden. Die Mission ist klar: „Ein schmackhaftes und qualitativ hochwertiges Produkt mit möglichst wenig umweltbelastenden Ressourcen anzubauen. Wir kultivieren sozial verantwortlich mit Blick auf Mensch, Umwelt und Tiere.“ Fast ebenso lange arbeiten Groentebedrijf Baetsen B.V. und In't Zandt Agro B.V. eng zusammen, um Qualität, Frische und Ertrag weiter zu optimieren, ihre Partnerschaft firmiert unter VersePeen.

Auch wenn beide Unternehmen ihre eigene Identität behalten haben, komme der Erfahrungs- und Wissensaustausch der Produktqualität und Frische aller VersePeen-Produkte zugute. `Laguna´ und `Napoli´ ergänzen die Hauptsorte `Maestro´ zu Beginn der VersePeen-Saison, gegen Saisonende werden dann vermehrt `Nerac´ und `Nairobi´ gerodet. Neben farbigen Möhren in Lila und den Regenbogenschattierungen Weiß, Gelb und Lachsrosa hat Groentebedrijf Baetsen auch snackfähig geschälte Möhren im Angebot.

Hendrix-Rasing Aardbeien

Von Natur aus snackfähig sind die Erdbeeren von Hendrix-Rasing. Anspruch ist „der verantwortungsvolle und nachhaltige Anbau von holländischen Erdbeeren höchster Qualität, damit der Verbraucher eine köstliche und ehrliche Schüssel Erdbeeren genießen kann.“ Geert Rasing und Rob Hendrix fanden Anfang 2020 zueinander, Hendrix Aardbeien B.V. wurde seinerzeit in Hendrix-Rasing Aardbeien umbenannt. „Auf einer Fläche von 4 ha unter Glas haben wir uns voll und ganz auf den Anbau von Erdbeeren der Sorte `Elsanta´ spezialisiert. Beim Anbau von Erdbeeren ist kein Tag wie der andere und das macht das Ganze interessant.“

Die Herbstsaison beginnt Ende September und zielt hauptsächlich auf England und in geringerem Maße auf Skandinavien, Deutschland und die Niederlande ab. Nach einer Winterruhezeit, in der das Gewächshaus kalt gestellt wird, beginnt Mitte April dann normalerweise die Frühjahrssaison. Die dann geernteten Erdbeeren sind hauptsächlich für den niederländischen und deutschen Markt bestimmt. Anfang Juni werden die Pflanzen gerodet und der Kreislauf beginnt von neuem. Aufgrund der hohen Energiepreise begann dieses Jahr die Saison mit ein paar Wochen Verzögerung.

B&B Plant

Hochstammerdbeeren gab es bei B&B Plant zwar (noch?) keine, sonst gab es aber so gut wie alles, was es an Sträuchern so gibt als Hochstammversion für Terrassen und Balkone. Stimmigerweise wird ein kleiner Teil der Ware unter dem Namen „Just Terrace“ vertrieben. Das Unternehmen besteht aus zwei Standorten in Lottum und Melderslo. Im besuchten Melderslo werden hauptsächlich Jungpflanzen aus bewurzelten Stecklingen und Handveredelungen angezogen. In Lottum werden die Pflanzen dann zu lieferfähigen Produkten weiterkultiviert. Der weitaus größte Teil der Produkte findet über Gartencenter und Baumärkte im In- und Ausland Käufer. Jährlich werden auf 3,3 ha unter Glas und 4 ha Containerfeld rund 350 000 Pflanzen in mehr als 100 verschiedenen Sorten angebaut.

Westburg

Nicht weniger beeindruckend, wenn auch ganz anders, dann Westburg in Grubbenvorst. Westburg erweiterte die Farbpalette roter Snacktomaten um gelbe, orangefarbene, braune und elfenbeinfarbene Varianten und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu nichts weniger als dem Farbspezialisten für Snacktomaten in Nordeuropa. „Aber nicht nur die Farbe ist wichtig, die Sorten werden auch nach Geschmack, Qualität und Haltbarkeit ausgewählt.“ Computerdaten legen die Grundlage für eine optimale Kulturführung, Nachhaltigkeitsaspekte kommen bei den installierten Solarpanels und der Nutzung von Restwärme zur Beheizung der Gewächshäuser zum Vorschein.

Die Snacktomaten werden in der Verpackungshalle auf sieben verschiedenen Verpackungslinien weiterverarbeitet. „Durchsichtige Eimer, Schalen und Beutel machen die schönen bunten Snacktomaten sofort sichtbar. Durch die Verarbeitung der Snacktomaten im Top-Seal wird weniger Verpackung und damit Plastik verwendet und das Produkt bleibt gut sichtbar: Lecker, nachhaltig hergestellt und eine Augenweide.“ Produziert wird auf 14 ha in drei Gewächshäusern, die Verarbeitungshalle ist noch einmal 6 000 m2 groß. Die jährlich rund 5 Mio. kg entsprechen etwa 500 Mio. Tomaten. Auch hier sind mit Bas und Ton van Leeuwen zwei Brüder am Werk.

„Mit einem Team engagierter Mitarbeiter ist es unser Ziel, jeden Tag die leckersten Snacktomaten zu liefern. Wir sind ein zuverlässiger und flexibler Lieferant und verpacken unsere Snacktomaten nach den spezifischen Wünschen des Kunden. So können wir möglichst viele Verbraucher dazu bringen, bewusst und lecker zu naschen.“ Zwischen 20 und 30 neue Sorten werden in Absprache mit Züchtungsunternehmen in den Gewächshäusern von Westburg ständig auf unverwechselbaren Geschmack und Aussehen getestet.

Brightlands-Campus Greenport Venlo

An der Kokkerelli & Kids University auf dem Brightlands-Campus Greenport können Kinder dann lernen, was sich mit den Tomaten alles anstellen lässt. Erlebnisorientierte Ernährungserziehung soll den Kindern im Alter von acht bis zwölf Jahren deutlich machen, wie unterhaltsam und lecker „gesund“ sein kann. Der Brightlands Campus Greenport bietet darüber hinaus Unternehmen, Wissenschaftlern und Studenten ein Zuhause, deren kleinster gemeinsamer Nenner irgendwas mit gesund und nachhaltig ist.

Tim Jacobsen

 

 

Artikel aus Gartenbau-Profi 06/2023