Kalkstickstoff direkt vor der Pflanzung

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Bodenvorbereitung und Düngerausbringung erfolgen in wenigen Arbeitsschritten<br>Foto: Reimann

Seit über 100 Jahren ist Kalkstickstoff auf dem Markt und wird mit Erfolg in der Landwirtschaft eingesetzt. Die positive Wirkung des ältesten mineralischen Düngers ist seit langem bekannt und wird in den Betrieben geschätzt. Allerdings lautet die Empfehlung, beim Einsatz von Kalkstickstoff in vielen Kulturen eine Wartezeit von mindestens acht bis zehn Tagen zwischen Düngung und der Saat bzw. dem Pflanzen einzuhalten. Mit einem angepassten Anbauverfahren verkürzen heute einige Betriebe diese Wartezeit. Heiner Korff, Gemüsebauer in Krefeld, stellt sein Anbauverfahren vor, bei dem er den Kalkstickstoff direkt vor der Pflanzung in Salat ausbringt.

„Bei Kalkstickstoff handelt es sich um eine Verbindung aus Kalk, Kohlenstoff und Stickstoff, die in der chemischen Summenformel CaCN2 zum Ausdruck kommt und auch unter der Bezeichnung Calciumcyanamid bekannt ist“, erläutert Martin Reimann von der Alzchem Trostberg GmbH. „Die aschgraue bis grau-schwarze Farbe dieses Düngers wird durch den enthaltenen Kohlenstoff hervorgerufen“, so Reimann weiter. Kalkstickstoff enthält 19,8 % Stickstoff, der im Ausgangsprodukt als Calciumcyanamid vorliegt. Erst über verschiedene Umsetzungsstufen entsteht der von Pflanzen aufnehmbare Ammonium-Stickstoff (NH4) und letztlich Nitrat-Stickstoff (NO3). Wird Kalkstickstoff auf den Acker ausgebracht, wird über die Reaktion mit Wasser das stickstoffhaltige Cyanamid freigesetzt. Diese sogenannte Cyanamid-Phase bei der Umsetzung des Kalkstickstoffs hält über mehrere Tage an. Erst nach einer Wartezeit von 8-10 Tagen ist die Cyanamid-Phase abgeklungen, sodass keine keimhemmende Wirkung mehr gegeben ist. Die Umsetzungsgeschwindigkeit hängt von Bodenfeuchtigkeit, -temperatur, -aktivität, Humusgehalt und auch von der ausgebrachten Düngermenge ab.

Anpassung der Wartezeit

Das Wissen um die langanhaltende Stickstoffwirkung und die Nebenwirkung von Kalkstickstoff gegenüber Unkräutern und Parasiten ist der Grund, warum dieser Dünger insbesondere für einen gesunden Boden auf Ackerflächen vor allem im Gemüsebau zum Einsatz kommt. Bis heute zeichnet sich der Spezialdünger Kalkstickstoff durch seine bewährte und seit Jahrzehnten bekannte Mehrfachwirkung aus. Dazu zählen die langanhaltende Stickstofffreisetzung, der hoch reaktive Kalk, die Stärkung der Kulturpflanze gegenüber Unkräutern und der positive Einfluss auf die Bodengesundheit. Allerdings bereiten der Abbau des Cyanamids und die daraus resultierende Wartezeit den Betrieben auch häufig Schwierigkeiten im Arbeitsablauf kombiniert mit der Witterung.

„Die Schwierigkeit bei der Wartezeit ist vor allem das Wetter“, unterstreicht Reimann. „Wenn ich den Kalkstickstoff im Boden eingearbeitet habe, wird der Boden bei Regen schnell zu nass oder er trocknet bei Wassermangel rasch aus.“ Deshalb hat sich das Unternehmen AlzChem intensiver mit der Thematik beschäftigt, die Kalkstickstoffausbringung näher an den Pflanztermin zu bekommen. „Wird direkt in den frisch bearbeiteten Boden gepflanzt, kann die Bodenfeuchtigkeit besser ausgenutzt werden“, erklärt Reimann. Im Rahmen einiger anwendungstechnischer Versuche wurde Kalkstickstoff im Salatanbau ohne Wartezeit ausgebracht. In den Versuchen zeigte sich, dass durch die Reduzierung der Wartezeit, die den Anwender in Bezug auf Düngungs- und Aussaat- bzw. Pflanztermin flexibler agieren lassen, die Kulturverträglichkeit in den Versuchen gegeben war. „Außerdem wurde deutlich, dass bei dieser Anwendung sowohl der Kalkstickstoff als auch die Kulturpflanze die vorhandene Bodenfeuchtigkeit besser ausnutzen können.“ Reimann stellte bei den Versuchen auch neben der sehr guten Verträglichkeit, dem positivem Stickstoff- und Kalkeffekt und der gesteigerten Bodengesundheit eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Unkräutern fest. Die Unkräuter, die durch die Bodenbearbeitung im Zuge der Kalkstickstoff-Einarbeitung, der Aussaat und des Pflanzens der Kulturen zum Keimen angeregt werden, werden durch die Cyanamid-Phase des Kalkstickstoffs sehr gut erfasst.

Spezielle Ausbringungstechnik

Der Gemüseproduzent Heiner Korff in Krefeld setzt seit vielen Jahren schon Kalkstickstoff aufgrund der Stickstoff- und Unkrautwirkung sowie der Reduktion von Schäden durch Schnecken und vor allem wegen der Bodengesundheit in seinem Betrieb ein. „Zunehmende Auflagen und fehlende Pflanzenschutzmittel, vor allem auch fehlende Wirkstoffe gegen Schnecken, haben wir kaum noch etwas entgegenzusetzen“, führt Korff aus. „Zudem kommen ständig steigende Kosten und zwingen uns, mehr denn je sparsam zu wirtschaften.“ Der Gemüsebauer hat sich zum Ziel gesetzt, den Arbeits- und Maschineneinsatz in seinem Gemüsebetrieb zu reduzieren. Die Idee entstand, das Gemüse am selben Tag zu pflanzen, an dem der Boden gepflügt und gedüngt wird. So kann die Bodenfeuchte von Pflanze und Dünger genutzt werden, man spart Maschineneinsatz, Diesel sowie Arbeitskräfte und ist etwas unabhängiger von der Witterung.

Vor ein paar Jahren hat sich Heiner Korff nach und nach herangetastet, die Kalkstickstoff-Ausbringung an den Termin der Salatpflanzung zu nähern. „Ein wesentlicher Aspekt bei diesem System ist eine flache Kalkstickstoff-Einarbeitung direkt nach dem Streuen“, betont Korff. „Die Einarbeitung muss vor der Saat bzw. Pflanzung erfolgen, zudem ist auch auf ausreichend Bodenfeuchte zu achten.“ Für die Düngerausbringung hat sich Korff die passende Technik bauen lassen. Diese sollte möglichst kompakt konstruiert sein. Nachdem er einige Zeit suchen musste, hat er einen Hersteller gefunden, der ihm einen Aufsatz für den Festdünger auf einen JCB Fastrac mit besonders breiten Reifen, um den Boden zu schonen, in ausreichender Größe bauen konnte.

Korff hat mittlerweile sein Anbausystem, bei dem an einem Tag der Boden bearbeitet, gedüngt und direkt im Anschluss bepflanzt wird, umgestellt. Dabei wird die Ackerfläche zunächst gepflügt. Ein nachlaufender Packer sorgt dafür, dass sich der Boden ein bisschen setzt. Danach folgt eine zügige Überfahrt mit dem Fastrac mit 4 km/h, der den Boden pflanzfertig vorbereitet. Dabei befindet sich im Frontanbau ein Walzengestänge und im Heckanbau eine Kreiselegge. Der Dünger aus dem aufgesetzten Tank wird direkt in das Kreiselwerk der Egge eingestreut und ca. 8 cm tief in den Boden eingearbeitet. Im Anschluss folgt die Pflanzmaschine und setzt die Salat- oder Selleriepflanzen in den frisch bearbeiteten Boden. „Vor der Umstellung hatten wir zum Teil große Probleme mit der Pflanzmaschine, da der Boden zeitweise zu trocken war und die Pflanzen keinen vernünftigen Bodenschluss bekamen“, erläutert der Gemüsebauer. „Nun haben die Jungpflanzen ausreichend Bodenfeuchte und können gut anwachsen.“

Besonderen Wert legt Korff beim Pflanzen darauf, dass die Kulturpflanzen tief in den Boden gesetzt werden. „Früher hieß es immer, der Erdballen darf nicht zu tief in die Erde. Meine Erfahrung ist aber, dass der Topf ganz in die Erde muss.“ Ansonsten verbrennen die feinen Wurzeln oben am Wurzeltopf in der Cyanamid-Phase, so die Erfahrung des Betriebsleiters. Mit einer Handbewegung horizontal am Hals wissen die Arbeitskräfte auf der Pflanzmaschine auch gleich was gemeint ist.

Für die gesamte Bodenbearbeitung wird im Prinzip eine Arbeitskraft benötigt. Hinzu kommen nur zwei, drei Personen auf der Pflanzmaschine. Kosten hat Korff nicht nur durch die kombinierten Überfahrten eingespart. Auch ein Düngerlager gibt es nicht mehr auf dem Hof. Der Gartenbauingenieur berechnet im Vorfeld genau wann er wo wieviel Kalkstickstoff benötigt und lässt diesen auf einem Hänger direkt zum Feld liefern. Kosten für Verpackung werden somit auch eingespart. Über eine Schnecke wird der Dünger dann vom Anhänger direkt in den Tank auf dem Fastrac gefüllt. Das Öffnen des Tankdachs und der Antrieb der Schnecke laufen pneumatisch und sind vom Schlepper aus zu steuern und kontrollieren. In den Tank passen zwar 3 t Dünger, doch i.d.R. wird er nur mit 1 t gefüllt, um den Boden mit dem Gewicht nicht zu belasten und Bodenverdichtungen zu riskieren.

Korff hat mittlerweile viele Erfahrungen gesammelt und weiß heute, dass er im Frühjahr bei den ersten Sätzen Salat und Sellerie aufgrund der Vliesabdeckung keinen Kalkstickstoff verwendet.

Sein Anbauverfahren hat Korff mittlerweile auch in Kombination mit einer Sämaschine für die Ausbringung von Gründüngung im Herbst erweitert.

„Wer kontinuierlich auf seinen Flächen Kalkstickstoff einsetzt, merkt schnell, dass die Bodengesundheit zunimmt“, unterstreicht der Gemüsebauer. „Am liebsten wäre mir, alle Kollegen, mit denen wir Flächen tauschen, würden auf dieses Verfahren umstellen“, so Korffs Wunschvorstellung.

Birgit Scheel