Heidenheimer Zeitung: Preise für Salat

MODERN

Foto: Valenta

Bisher kostet Salat noch ungefähr so viel wie im Vorjahr. Das könnte sich bald ändern. Denn die Ernte ist schlecht, die Pflanzen haben unter der Hitze gelitten. Welche Produkte besonders betroffen sind.

Es ist bereits die Rede von einer „Versorgungskrise“. Alarm schlägt aktuell unter anderem der Branchenverband Kulinaria Deutschland. Grüner Salat könnte knapp werden. „Alle Salate sowohl im konventionellen als auch im Bio-Anbau sind betroffen“, erläutert Kulinaria-Hauptgeschäftsführer Markus Weck. Gründe dafür sind in diesem Fall mal nicht die Energiekrise oder die Inflation.

Die Gemüsebauern haben ein anderes Problem: Die meisten Salat- und Gemüseanbauregionen in Europa hätten in den vergangenen Wochen und Monaten unter den dramatischen und extremen Wetterbedingungen gelitten, schreibt der Verband. Hinzu kämen Einschränkungen oder Verbote der Wassernutzung, da in fast allen Anbauregionen verstärkte Alarmstufen oder bereits Krisenwarnungen gegolten haben und teilweise noch gelten.

Alle Sorten betroffen

„Die Probleme betreffen alle Blattsalate“, sagt auch Hans-Christoph Behr, Experte für Gartenbau bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Die extrem hohen Temperaturen und der hohe Wasserbedarf zeigten Folgen. „Grundsätzlich wird Salat nur angebaut, wenn man bewässern kann. So eine Bewässerungsanlage wird aber auf einen normalen Wasserbedarf ausgerichtet und nicht auf die absolute Spitzenlast, die höchste denkbare Menge“, erklärt Behr.

Gerade kopfbildende Salate könne man nicht in der Mittagshitze mit kalten Wasser beregnen, sonst entstehe Brand, der dann in Fäulnis übergehe. „Man kann also nur früh am Morgen, am Abend oder nachts beregnen. Das reicht einfach nicht“, sagt er mit Blick auf die extreme Hitze und Trockenheit. Blattsalate seien besonders empfindlich. Es werde weniger Salat geerntet, weil Pflanzungen kaputtgegangen seien und sich die Qualität verschlechtert habe. „Dann kann man unter Umständen nicht alles abernten.“

So entstehen Versorgungsengpässe. Davon seien die Hersteller von Fresh-cut Salaten besonders stark betroffen, also von vorgeschnittenen Salatmischungen aus der Kühlung. „Trotz aller von unseren Mitgliedsunternehmen getroffenen Maßnahmen, die die Folgen der Wetterextreme für ihre Kunden begrenzen sollen, müssen wir feststellen, dass die Versorgung mit praktisch allen Fresh-cut-Rohwaren  extrem gestört ist“, erläutert Weck die Lage der Hersteller. „Es ist außerdem absehbar, dass sich diese Probleme in den kommenden Wochen verstärken werden.“

Der Verband führt mehrere klimatische Phänomene auf, die Schuld an der Misere tragen – wie eine erste Hitzewelle Mitte Juni mit Auswirkungen auf die Anpflanzungen, eine zweite Hitzewelle, die in der zweiten Julihälfte noch stärker ausfiel, mit bereits jetzt irreversiblen Schäden an der Qualität aller Blattgemüse und das „beispiellose Wasserdefizit in weiten Bereichen Europas“. Die Folgen für die Kulturen seien vielfältig: Den Pflanzen drohte Schwarzfäule, der Ertrag pro Hektar sinke stark und frisch gepflanzte Salate können nicht wurzeln und sterben ab. Letzteres verursache heute bereits die Lieferengpässe der kommenden Wochen.

Für den weiteren Verlauf der Ernte seien die Wetterbedingungen in den nächsten Wochen entscheidend, sagt Weck. Aber bereits jetzt sei klar, dass eine ernste Versorgungskrise herrsche, die in diesem Monat ihren Höhepunkt erreicht und Auswirkungen bis Ende Oktober haben werde. Dies gelte sowohl für alle Salat-Sorten, die derzeit geerntet werden, als auch für die traditionellen Herbst-Rohwaren.

Und das sind nicht die einzigen Probleme der Gemüsebauern. Wie es beim Deutschen Bauernverband heißt, sind die Erzeugerkosten für Bewässerung und Energie auch im Gemüseanbau massiv gestiegen. Das belastet die Betriebe, da sie ihre Kosten nicht vollständig an die Verbraucher weitergeben könnten – auch weil der Wettbewerbsdruck durch günstigere Importe aus dem Ausland hoch sei.

Die schlechte Ernte und der Druck auf die Gemüsebauern wird Folgen haben. Das werden auch die Kunden im Laden merken, sagt Behr. „Im August kostete Eisbergsalat 90 Cent im Durchschnitt aller Einkaufsstätten. Das ist noch halbwegs preiswert, im Vorjahresmonat kostete er wegen der Starkregenfälle im Juli sogar 94 Cent.“ Insgesamt sei Gemüse in den vergangenen Monaten nicht viel teurer geworden. Allerdings kann sich das laut dem Experten bei Salat noch ändern. Denn viele Pflanzen, die kurz vor der Ernte sind, haben gelitten.

Und auch die Experten des Bauernverbands gehen davon aus, dass die Verbraucherpreise im Lebensmittelhandel steigen werden – und sie müssten auch noch weiter steigen, damit die Betriebe weiter wirtschaften können. Die Preise für Obst und Gemüse seien allerdings bisher nicht gestiegen. Teilweise werde es derzeit sogar besonders günstig angeboten.

Jeder isst 2,5 Kilo Eisberg- und Kopfsalat

Im Jahr 2020 lag die Freiland-Erntemenge von Eisbergsalat, der beliebtsten Salatsorte der Deutschen, bei 128 000 Tonnen, gefolgt von Romanasalat mit fast 46 000 Tonnen und Kopfsalat mit 42 700 Tonnen. Die Freiland-Anbaufläche von Eisbergsalat lag bei 3700 Hektar, an zweiter Stelle kam Feldsalat mit 2500 Hektar. Rund 2,5 Kilogramm Eisberg- und Kopfsalat konsumierte hierzulande eine Person im Jahr 2020/2021. Insgesamt lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Gemüse bei 109,4 Kilogramm.

Quelle: Heidenheimer Zeitung