GP 07/23: Straelener Topfpflanzentag 2023 - Unkrautmanagement in der Freilandtopfkultur

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Abstreuautomat am Versuchszentrum Gartenbau in Straelen</br>Foto: Aldenhoff

Der Topfpflanzenanbau auf Freilandstellflächen stand im Mittelpunkt des diesjährigen Straelener Topfpflanzentags. Ein Programmpunkt war die Unkrautkontrolle sowohl auf den Kulturflächen wie auch in den Töpfen.

Zum Einstieg in das Thema Unkrautkontrolle auf Freilandstellflächen erläuterte Rainer Wilke, Pflanzenschutzdienst NRW, die aktuelle Herbizidsituation im Zierpflanzenbau. Demnach gibt es ohnehin wenig Zulassungen von Herbiziden für den Zierpflanzenbau und schon gar nicht für die spezielle Anwendung auf Stellflächen mit Bändchengewebe und/oder Drainage. Gibt es Daten zu Verträglichkeit und Wirksamkeit können im Einzelfall einzelbetriebliche Genehmigungen nach § 22.2 PflSchG erteilt werden. Insgesamt sei die Situation aber auch vor dem Hintergrund der Forderungen des Handels nach weniger Rückständen so, dass alternative Bekämpfungsstrategien möglichst komplett ohne Herbizide zu bevorzugen sind, so Wilke.

Eine Möglichkeit, verunkrautete Stellflächen mit Bändchengewebe, zu reinigen, ist der Einsatz von Heißwasser mit oder ohne Schaum. Schaum soll dazu dienen, die Hitze noch etwas länger an den zu bekämpfenden Pflanzen zu halten. Ein nennenswerter Effekt des Schaums gegenüber ohne Schaum konnte in Versuchen des Pflanzenschutzdienstes aber nicht beobachtet werden. Was den Erfolg der Unkrautbekämpfung angeht, so gilt, wie so oft: je früher, desto besser. Gerade Unkräuter mit Pfahlwurzel sind sonst mit Heißwasser nicht mehr zu entfernen. Nach der Flächenbehandlung mit Heißwasser (dafür gibt es spezielle Geräte) sollte das abgetötete Material unbedingt entfernt, sprich die Fläche sauber gebürstet werden, sonst siedeln sich rasch neue Unkrautsämlinge an. Ein zusätzlicher Desinfektionseffekt gegen Bakterien, Viren oder ähnliche Schaderreger ist aufgrund der rasch abfallenden Temperaturen mit der Heißwasser-Methode nicht zu erzielen, betonte der Pflanzenschutzexperte.

Erfahrungen aus der Praxis mit Heißwassergeräten bestätigen die Wirkung, so Christoph Nobis, Zierpflanzenberater der Landwirtschaftskammer NRW, allerdings müsse man dran bleiben und die Unkräuter rechtzeitig bekämpfen. Für den großflächigen Einsatz ist die Methode zu aufwändig, zeit-, energie- und personalintensiv. Als großer Vorteil wird gesehen, dass keine Chemie zum Einsatz kommt. Ein Nachteil sind hohe Investitions- und Betriebskosten.

 

Töpfe direkt abmulchen

Versuchsleiter Peter Tiede-Arlt, Versuchszentrum Gartenbau Straelen, stellte das herbizidfreie Unkrautmanagement durch Abmulchen vor. Dabei geht es um auflaufende Unkräuter direkt in den Kulturtöpfen/-containern. Die Methode kommt aus dem Baumschulbereich und wird inzwischen nicht nur in Zierpflanzen, sondern sogar auch schon in der Jungpflanzenproduktion angewandt, da es keine zugelassenen Herbizide gegen Lebermoos mehr gibt.
Bereits beim Topfen muss die Mulchschicht mit berücksichtigt werden. Dementsprechend wird die Topfmaschine mit speziellen Bohrern ausgerüstet, die nicht nur das Pflanzloch etwas tiefer machen, sondern auch das eingeschüttete Substrat bis etwa 2 cm unter dem Topfrand scheibenförmig entfernen. Alternativ kann auch eine scheibenförmige Andrückplatte das Substrat entsprechend zusammendrücken. Getopft wird dann so, dass der Pflanzenhals etwa auf Höhe des Topfrandes ist. Anschließend fährt der Topf auf dem Förderband der Topfmaschine weiter unter eine Schüttvorrichtung, an der das Mulchmaterial aufgestreut wird.

Die Materialdicke muss mindestens 1,5 bis 2 cm betragen, damit sie einen guten Schutz gegen im Topf aufkeimende Unkräuter darstellt. Am Versuchszentrum wurden verschiedene Abstreumaterialien in der Callunen-Kultur getestet: Reisspelze, Pinienrinde, Mix aus Kokos-Chips und -Fasern, Strohpellets, Flachspellets grob und fein, Klasmann Containermulch sowie Kontrollvarianten mit und ohne Herbizid.
Die Strohpellets erwiesen sich als ungeeignet, da die Pflanzen Kümmerwuchs zeigten. Möglicherweise vom Nährstoffentzug des Strohs und Pflanzenschutzmittelrückständen auf dem Stroh. Der Mix aus Kokos-Chips und -Fasern war für kleine Töpfe zu grob und ist eher für Container zu empfehlen, wo er in ausreichender Dicke aufgestreut werden kann. Die Reisspelzen mit ihrer hellen Oberfläche sahen schick aus, so Tiede-Arlt, allerdings war die Stellfläche durch das leichte Material etwas verschmutzt. Großer Vorteil: die Topfoberflächen mit Reisspelzen waren mit Abstand die trockensten im Versuch und die Unkrautbekämpfungswirkung war bei dieser Variante am besten. Nachteilig ist jedoch, dass die Reisspelzen bis zum Schluss leicht bleiben, was in der Vermarktung ärgerlich ist, wenn mal ein Topf umfällt und das Abstreumaterial gleich he­rausfällt. Was Verbraucher zu dem unbekannten Material sagen, das möglicherweise noch den Kofferraum verschmutzt, wurde noch nicht getestet.

Der Klasmann Containermulch war gut zu verarbeiten, blieb im Topf und vermied das Unkraut gut. Ebenso verhielt es sich bei den Flachspellets fein. Die groben Flachspellets sind eher für größere Töpfe geeignet. Auch Pinienrinde sollte ausreichend fein gekörnt sein; das Unkraut bekämpfte sie im Versuch nur mittelmäßig.

Nicht zu unterschätzen sei – je kleiner der Topf desto gravierender – die Verringerung des Substratvolumens durch das Abstreumaterial. Dies wirke sich auf das Wurzelsystem, den Wasserhaushalt und den Ernährungszustand der Kulturpflanze aus, so der Referent. Die Mulchschicht wirke als Verdunstungsschutz und trägt damit zur Wasserersparnis bei. In jedem Fall ist die Verwendung von Mulchmaterial auf der Topfoberfläche nachhaltiger und umweltschonender als ein Herbizideinsatz. Die Kosten für das Material seien vertretbar, so Tiede-Arlt, zu berücksichtigen seien die Kosten für den Abstreuautomat.

Sabine Aldenhoff