Gemüsebau auf den DLG Feldtagen - Bewässerung im Fokus

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Zum Thema Bewässerung gab es auf den DLG Feldtagen einiges zu sehen<br>Foto: Brammert-Schröder

Auf den DLG Feldtagen auf dem Gut Kirschgartshausen war auch der Feldgemüsebau vertreten. Technik zur mechanischen Unkrautbekämpfung, neue Gemüsezüchtungen und besonders die Beregnungstechnik standen im Zentrum des Interesses der Besucher.

Welche Trends gibt es in der Bewässerung – nicht nur im Gemüsebau? Bei den kommentierten Rundgängen zur Thematik Bewässerung wurde Unterschiedliches angesprochen – von Wetterstationen und Prognosemodellen bis hin zur wassersparenden Beregnungstechnik. Mit steigenden Temperaturen wächst auch der Bewässerungsbedarf. „Künftig wird mehr Fläche bewässert werden. Aber auch die Wasserwirtschaft wird ein Auge darauf haben“, erklärte Dr. Martin Müller, Leiter des Bewässerungsforums Bayern, einleitend. Es komme künftig noch mehr darauf an, die Bewässerung an den Bedarf der Pflanzen anzupassen und das Wasser mit so wenig Verlust wie möglich zu applizieren. Und nicht zuletzt kommt es, so Müller, auf die Arbeitseffizienz und das Management der Bewässerungssysteme an.

Bodenfeuchte

Wichtig ist, den Bedarf der Pflanzen zu kennen und den richtigen Beregnungszeitpunkt zu treffen. Der Deutsche Wetterdienst bietet mit ISABEL, das für InformationsSystem zur Agrarmeteorologischen Beratung für die Länder steht, eine Vielzahl an meteorologischen Informationen speziell für die Landwirtschaft an. Das System bietet sowohl agrarmeteorologische Deutschlandübersichten beispielsweise zur Entwicklung der Bodenfeuchtesituation oder der Verdunstung in den nächsten sechs Tagen an. „Wir planen ein bundesweites System mit Sensoren für die Bodenfeuchtemessung“, erklärte Reinhard Spengler, Referatsleiter beim Deutschen Wetterdienst. Aktuell werden an vielen Orten noch Bodenfeuchtemessungen mit dem Bohrstock durchgeführt. Über den Bodenfeuchteviewer kann die Bodenfeuchtesituation bis ein Jahr zurückverfolgt werden. ISABEL ist für die Landwirte kostenlos nutzbar und bietet auch Vorhersagen, unter anderem für Krankheits- und Schädlingsdruck, Heuwetter oder Bienenflugintensität. Zu erreichen ist das Informationssystem über die Internetseiten der zuständigen Landesbehörde (z.B. LLH) oder der Landwirtschaftskammer. Für Rheinland-Pfalz besteht allerdings noch keine Verwaltungsvereinbarung zur kostenlosen Nutzung von ISABEL (www.dwd.de).

Wetterstation

Genaue Daten über Temperatur und Bodenfeuchte in der einzelnen Parzelle liefern Wetterstationen. Pessl Instruments stellte ihre Station für den Gemüsebau vor, die neben Blattfeuchte, Bodentemperatur und Luftfeuchtigkeit auch über Bodensensoren den Bewässerungsbedarf ermitteln. Grenzwerte für Alarme, etwa bei Frost, sind setzbar (www.metos.at). Das System soll zu einem Bewässerungsmanagementsystem erweitert werden.

Das Unternehmen Agranimo, das seinen Hauptsitz in Chile hat und in Deutschland in Berlin zu Hause ist, stellte einen Bodenfeuchtesensor vor, der in bis zu vier Tiefenstufen die Bodenfeuchte messen kann. Die Daten werden an eine Wetterstation gesendet. Kombiniert mit der Wettervorhersage, Satellitenbildern und agronomischen Kennwerten sowie Algorithmen für maschinelles Lernen wird auf der Agranimo-Plattform die Bewässerungssituation analysiert. Dadurch lässt sich nach Aussage von Tobias Schulz jede Bewässerungszone individuell ansteuern und der Bedarf genau ermitteln (www.agranimo.com).

Beregnung

Bei aktuell hohen Strom- und Treibstoffpreisen geht es auch bei der Beregnung darum, möglichst effizient zu arbeiten. Einige Anbieter von Beregnungstechnik setzen auf Düsenwagentechnik. Martin Beinlich, Geschäftsführer der Firma Beinlich, nannte als Vorteile: „Die Beregnung mit Düsenwagen spart 20-30 % Wasser und bis zu 50 % Energie gegenüber der Regnerkanone.“ Die Energieersparnis komme dadurch zustande, dass an der Düse nur 1,4 bar Druck benötigt werde, so Beinlich. Die Verteilung des Wassers erfolgt in kleineren Tropfen näher am Boden, dadurch wird die Verdunstung reduziert. Durch die feineren Tropfen wird der Boden nicht so schnell verschlemmt, was gerade im Gemüsebau wichtig ist. Die Düsenwagen gibt es in verschiedenen Breiten, mit Randdüsen sind Arbeitsbreiten bis 66 m möglich (www.beinlich-beregnung.de).

Die Firma Bauer stellte ebenfalls eine kleine Beregnungsmaschine mit Auslegerstativ vor, die gut für den Gemüsebau geeignet ist. Die Maschine kommt mit 0,8 bar Druck an den Düsen aus, der Einsatz ist auch bei geringen Wassermengen von 7,5 m³ möglich (www.bauer-at.com).

Fasterholt stellte ihre FM-Serie vor, mit der auch Kurven gefahren werden können. Zum Auslegen des Schlauchs wird der Trommelwagen durch den Bestand gezogen. Der Schlauch kann auch in der Kurve abgelegt werden, sodass der Landwirt Arbeitszeit einspart, weil er die Maschine nicht so oft umstellen muss. „Es entsteht kein Verschleiß am Schlauch“, fügte Geschäftsführer Joachim Timm an. Die Schläuche sind dünnwandig, sodass sich durch das größere Schlauchvolumen geringere Fließgeschwindigkeiten ergeben. Fasterholt arbeitet mit der Firma Raindancer zusammen, die Beregnungssteuerung und –überwachung anbieten. Damit ist es möglich, Beregnungszonen festzulegen. Neu ist die Sektorsteuerung für die Regner, die immer garantieren, dass die Beregnung im Rahmen der Schlaggrenzen erfolgt. So wird verhindert, dass Wasser auf Radwege und Straßen gelangt. Mit Raindancer ist auch eine Dokumentation der Beregnungsmengen auf den einzelnen Schlägen möglich. Fasterholt stellte auf den DLG-Feldtagen zudem ein neuartiges Gestänge für die Beregnung vor, mit dem eine Verteilung des Wassers über einzelne Düsen auf der Fläche möglich ist. „Wir haben uns für eine teleskopierbare Lösung entschieden“, so Geschäftsführer Timm. „Dadurch können wir die Arbeitsbreiten anpassen, etwa am Vorgewende, oder auch Hindernissen wie Bäumen im Acker ausweichen.“ Auch Kurvenfahrten sind damit möglich. Als maximale Arbeitsbreite beschrieb Timm 90 m, wobei das Gestänge 66 m breit ist und an beiden Seiten Randdüsen zum Einsatz kommen können. Die Maschine mit Gestänge soll ab nächstem Jahr in den Markt gebracht werden (www.fasterholt.de und www.raindancer.com).

Tropfbewässerung

Die Tropfbewässerung bildete den zweiten Schwerpunkt im Special Bewässerung. Netafim (www.netafim.de) zeigte verschiedene Verlegevarianten. Im Mais wurden die Tropfschläuche 80 cm tief verlegt, einmal ein Schlauch in der Mitte zweier Reihen und eine Variante mit einem Schlauch unter einer Doppelreihe. Die Wurzeln wachsen in Richtung Wasser, das war durch einen Bodenaushub mit Plexiglasscheibe gut zu erkennen. Dort wird auch die Bodenfeuchte gemessen. Über Sensoren wird die Verdunstung ermittelt und die Bewässerungsgaben werden entsprechend gesteuert. In Salat wurde eine Variante mit Bewässerung und Fertigation vorgestellt. Die Schläuche wurden zwischen den Reihen verlegt. Die Steuerung von Wasser- und Nährstoffzufuhr erfolgt über eine Pumpenanlage. Tropfbewässerungen arbeiten zwar wassersparend, allerdings ist die Verlegung der Schläuche arbeitsaufwendig. Zudem müssen sie regelmäßig ersetzt werden, was die Frage nach der Nachhaltigkeit aufwirft. „Das Produkt kann bei uns zurückgegeben werden“, sagte Kai-Uwe Eisenhut von Netafim. „Es wird recycelt.“

Einen neuen Ansatz bei der Bewässerung mit Tropfschläuchen verfolgt das Irri360°-AgriSystem. Das modellgestützte Bewässerungssystem befindet sich in der Prototypen-Phase und soll im nächsten Jahr marktreif sein. Der Brunnen- und Pumpen-Spezialist GWE kümmert sich um die Technik, der Schwerpunkt des Partners DHI liegt in der Digitalisierung, Modellierung und Visualisierung von Wassersystemen. In Irri360° bringen beide ihre Kompetenzen ein. Ziel ist es, die Bewässerung nach Bedarf der Pflanzen zu steuern. Hierfür werden Echtzeit-Wettermodelle, lokale Wetterdaten sowie wolkenbrechende Satellitenbilder in das Irri360°-AgriSystem eingespeist, um die Verdunstungsraten und Bewässerungstermine abzustimmen. Aktuell werden Versuche mit der landwirtschaftlichen Praxis in Kartoffeln, Sonnenblumen und Zwiebeln durchgeführt (www.irri360.com).

Imke Brammert-Schröder