Neben der sonst üblichen Feldbegehung über die Versuchsflächen stellten zudem rund 30 Unternehmen, Verbände und Forschungsinstitute zu den Themen Düngung, Pflanzenschutz, Agrarhandel und Gartenbautechnik ihre Produkte und Ideen vor. Außerdem konnten sich die Gemüseanbauer im Rahmen einer Sortenschau über zehn verschiedene Gemüsearten informieren.
Sehr interessiert zeigte sich das Publikum bei den Technik- und Maschinenvorführungen, die moderne Verfahren und Methoden der Bewirtschaftungstechnik, Unkraut- und Schädlingsregulierung präsentierten.
Dr. Kai-Uwe Katroschan, Leiter des Kompetenzzentrums, wies in seiner Begrüßung daraufhin, dass die Organisation eines Feldtages dieser Größe für sein Team eine große Herausforderung gewesen sei. Dr. Till Backhaus, Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt des Landes Mecklenburg-Vorpommern, eröffnete die Veranstaltung und betonte, dass die Gründung des Kompetenzzentrums Freilandgemüsebau eine richtige Entscheidung gewesen sei, um das Versuchswesen der norddeutschen Bundesländer zu bündeln und leistungsfähig sowie effizient zu gestalten. „Der Erfahrungsaustausch ist immer noch die einfachste und preisewerteste Investition in die Zukunft“, betonte Backhaus. Wissenschaftliche Forschung sei wichtiger denn je, denn die Herausforderungen bezüglich Ressourcenschutz, Digitalisierung und die Entwicklung neuer innovativer Produkte seien riesig.
Moderne Hacktechnik von Schmotzer
Der Hacktechnik-Profi Schmotzer, mittlerweile ein Tochterunternehmen von Amazone, präsentierte seine ausgefeilte Technik zur Beikrautbekämpfung im Gemüsebau. Die vorgestellte Hacke war ausgerüstet mit einem Linearverschieberahmen, der einen Verschiebeweg von 40 cm (+/20 cm) in der Reihe bietet. Die eingebaute Kamera sitzt zwischen Verschieberahmen und Hacke und kann Kulturpflanzen von 2 x 2 cm Größe erkennen sowie bis zu fünf Reihen erfassen. Grundsätzlich ist die Maschine in der Lage, ab einem Reihenabstand von 12,5 cm sauber zu hacken. Die KPP-Parallelogramme besitzen fünf Werkzeugebenen. So kann die Hacke je nach Kultur, Beikrautbewuchs und Bodenbeschaffenheit flexibel und optimal armiert werden.
Die Arbeitstiefeneinstellung ist mit einer Handspindel einfach zu bedienen und kann für jede Reihe unabhängig eingestellt werden. Gerade in trockenen Jahren ist es überaus wichtig, dass die flache Arbeitstiefe von 2-3 cm eingehalten wird, um das Kapillarwasser zu halten und die Wurzeln der Kulturpflanze zu schonen. Die Werkzeuge von Schmotzer, die letztendlich das Hacken erledigen sind ebenfalls höchst ausgefeilt. Geachtet wird auf eine schmale Messerbrust, die eine Häufelwirkung verhindert und eine höhere Fahrgeschwindigkeit ermöglicht. Die leicht federnden Elemente sorgen dafür, dass das Beikraut durch einen Vibrationseffekt freigelegt wird und eine bessere Krümelung der bewegten Erde erreicht wird.
Einzelpflanzenbehandlung mit KI
Agravis präsentierte den Feldroboter Ara, der vom Schweizer Hersteller Ecorobotix entwickelt wurde und erst seit drei Jahren auf dem Markt ist. In Deutschland existieren zwei Geräte, die beide bei Agravis im Einsatz sind. Die Präzisionsfeldspritze für die Einzelpflanzenbehandlung arbeitet mit einer ausgefeilten und aufwändigen künstlichen Intelligenz. Der große, aber leichte Blechkasten kann von kleineren und auch älteren Schleppern gezogen werden. Das Hightec-Gerät braucht nur ein Zugfahrzeug mit Heck- und Fronthydraulik sowie einer Zapfwelle.
Ara hat eine Arbeitsbreite von 6 m. Je Meter ist eine Rechnereinheit mit Kameraoptik und Höhensensor für die Unebenheiten in der Fläche verbaut. LED-Licht sorgt dafür, dass die Maschine Tag und Nacht arbeiten kann. Die Lichtverhältnisse sind unter der Abschirmung immer identisch und erhöhen so die Genauigkeit. Auf den sechs Metern Arbeitsbreite wurden 156 Düsen verbaut. Jede dieser im Abstand von 4 cm stehenden Düsen wird einzeln in einem Bruchteil von Sekunden angesteuert. Ein Höhensensor sorgt zusätzlich dafür, dass die Einschaltung der Düsen noch einmal um Millisekunden verzögert oder schneller eingesetzt werden kann, um so die Zielpflanze möglichst genau zu treffen.
Der Anwender kann über sein Tablett entscheiden, ob ein selektives Herbizid oder ein Totalherbizid ausgebracht werden soll. Das System legt dann z.B. bei letzterem eine 4 cm große Sicherheitszone um die Kultur. Auch können Fungizide, Insektizide oder flüssige Düngemittel ausgebracht werden. Vorteil dieser Technik ist auch, dass der Rechner kontinuierlich darüber informiert, wie lange die Spritzbrühe im Bestand mit der aktuellen Verunkrautung noch reicht.
Die Zapfwelle treibt einen 4-KW-Generator an, der die Batterien kontinuierlich lädt, denn die Rechner und die Kameras brauchen viel Strom. Über eine Cloud werden alle Daten gesammelt und geben genauestens Auskunft darüber, welche Pflanzenschutzmittel wo verbraucht wurden. So sind genaue Angaben darüber möglich, wie verunkrautet jede Teilfläche war. Durch diese gezielte Einzelpflanzenbehandlung verspricht der Hersteller eine Einsparung von Pflanzenschutzmitteln von bis zu 95 %.
Autonomer Feldroboter
Geo-Konzept stellte einen vollständig autonomen Geräteträger des dänischen Herstellers Agrointelli vor, dessen Vertriebspartner sie seit knapp einem Jahr sind. Die Vorteile des Gerätes sind beeindruckend: 3-4 l pro Stunde Kraftstoffverbrauch, mit 3 t Gewicht deutlich leichter als jeder Schlepper und damit für verdichtungsgefährdete Böden ideal geeignet. Der Roboter ist mit einer Dreipunktaufhängung, Standard-Dieselhydraulik und Standardzapfwelle ausgestattet, sodass alle gängigen Werkzeuge angehängt werden können.
Das vorgestellte Gerät hat rechts und links zwei 75-PS-Motoren eingebaut, die die Hydraulik, die Zapfwelle und jedes Rad einzeln antreiben. Die Maschine ist in der Lage, sich auf der Stelle zu drehen, sodass das Vorgewende klein gehalten werden kann. Die Arbeitsbreite beträgt standardmäßig drei Meter, aber andere Arbeitsbreiten sind auch möglich. Zur Vorführung war eine Hacke der Firma K.U.L.T. angebaut, die fünfreihig Salat bearbeiten konnte.
Zu Beginn des Einsatzes muss erst die Feldgrenze eingemessen werden. Das geschieht entweder über die eingebaute Technik oder es werden vorhandene Daten hochgeladen. Dann wird die Spurplanung eingegeben. Mit etwas Übung – so verspricht der Hersteller – sei das in wenigen Minuten erledigt. Die verbauten Kameras ermöglichen es dem Nutzer, die Arbeit der Maschine stets zu überwachen. Dies kann über einen Laptop oder über das Mobiltelefon erfolgen. Außerdem können so auch alle Funktionen wie z.B. die Höhe des Hubwerkes, die Spurplanung, die Arbeitsgeschwindigkeit etc. bequem vom Büro aus nachgesteuert werden.
Die RTK-GPS-Technologie für die Navigation hat eine allgemeine Genauigkeit ab 2 cm. Arbeitsscheinwerfer sorgen dafür, dass auch nachts gearbeitet werden kann. Das Sicherheitssystem ist redundant ausgelegt, d.h. es gibt mehrere Systeme, die im Ausnahmefall zum Einsatz kommen. So wird die Maschine nie über die einmal eingelesene Feldgrenze hinaus fahren. Rund um das Gerät sind Notschalter angebracht und sog. Leadersensoren sorgen dafür, dass die Maschine stoppt, wenn etwas im Wege stehen sollte. Zudem besitzt das Gerät rundherum ein Sicherheitsgestänge, das bei Berührung ebenfalls dafür sorgt, dass der Roboter anhält.
Strip-Till und Strip-Plant
Die Live2give GmbH stellte ihr Projekt „Entwicklung einer konservierenden Bodenbearbeitung im ökologischen Landbau“ vor. Das Unternehmen bewirtschaftet einen Gemüse- und Maschinenbaubetrieb in Dickendorf in Rheinland-Pfalz. Im Rahmen des Projektes werden auf verschiedenen Betrieben geeignete Kombinationen von Gemüsekulturen und Untersaaten sowie Verfahren zur streifenförmigen Bodenbearbeitung (strip-till) und Pflanzung (strip-plant) ermittelt. Besonderen Wert wird auf die Auswirkungen hinsichtlich Wasserhaushalt, Nährstoffverfügbarkeit, Bodenfruchtbarkeit und Ökonomie gelegt. Dabei sollen konventionelle Maschinen so zusammengestellt und zusammengebaut werden, dass sie sich für den speziellen Bedarf im Gemüsebau eignen.
Durch die Strip-Till- und Strip-Plant-Verfahren soll eine dauerhafte Durchwurzelung des Bodens und Bedeckung des Bodens erreicht werden, um den Unkrautdruck einzudämmen, die Ernährung des Bodenlebens sicherzustellen, eine optimale Bodengare zu gewinnen, die Pflanzengesundheit zu garantieren sowie den Schutz vor Erosion und Verdunstung zu gewährleisten.
Das Bewirtschaftungsverfahren beginnt mit der Ausaat der Zwischenfrucht. Hierzu hat das Unternehmen den MulchTec-Seeder entwickelt, dem es gelingt, unter der Mulchdecke und den Ernteresten die Zwischenfrucht auszubringen. Das Saatgut wird auf dem Bearbeitungshorizont abgelegt, damit die Anbindung an die Bodenkapillare sichergestellt ist. Außerdem verhindert die Maschine, dass frisches organisches Material aus dem Frässtrom mit dem Saatgut vermischt wird.
Die Zwischenfrucht durchwurzelt den Boden und produziert Biomasse, um das Bodenleben zu aktivieren und Humus aufzubauen. Mit Hilfe der Ernterückstände und der vorjährigen Zwischenfrucht erzeugt der MulchTec-Seeder zudem eine Mulchdecke, die 15 t TM/ha aufbringen bzw. eine 8 cm dicke Schicht bilden soll. Diese Auflage wird ggf. bei Bedarf nachgestreut.
Im nächsten Schritt wird mit dem ebenfalls von der Firma entwickelten MulchTec-Planter die Gemüsekultur direkt durch die dicke Mulchschicht in den Boden gepflanzt und gleichzeitig eine Unterfußdüngung ausgebracht. Damit soll die Kulturpflanze optimal versorgt und angehalten werden, ihr Wurzelsystem nach unten zum Wasser hin auszubilden. Hier sind bis zu 75 % des Düngemitteleinsatzes einzusparen. Beide Geräte sind Prototypen, die aus Standardmaschinen und –geräten zusammengebaut worden sind und die den Ausstellungsbesuchern im Arbeitseinsatz vorgestellt wurden. Vorne schneidet die Scheibe den Boden sauber auf, wie sich die interessierten Gemüsebauern überzeugen konnten. Hinten wird der Pflanzhorizont freigeräumt und ein Grubberzinken lockert den Boden. Dahinter befindet sich eine Düngelanze, die den Dünger in die vorgesehene Tiefe einbringt. Zum Schluss verschließt die Andruckrolle den Boden. In den nächsten drei Jahren soll mit verschiedenen Zwischenfrüchten experimentieren werden, um das Verfahren zu optimieren.
Josefine von Hollen