Erfolgreich mit Stauden

MODERN

Stauden haben sich inzwischen zu erfolgreichen Topfpflanzen entwickelt. Sie lassen sich energiearm produzieren, bieten ein umfangreiches Sortiment und besitzen aufgrund ihrer Natürlichkeit ein positives Image.

Das erklärt auch, warum sich in letzter Zeit viele Gartenbaubetriebe und auch Jungpflanzenproduzenten verstärkt dieser Gruppe widmen. Absatzschwächen bei etablierten Sortimenten und vor allem diverse Probleme mit energieintensiven Produkten haben dazu geführt, dass einige Betriebe auf die Kalt- und Freilandkulturen umstellen.

Vor dem Gewinn steht allerdings erst einmal der Verkauf. Und so sind viele Staudenproduzenten derzeit damit beschäftigt, Neuheiten mit viel Werbeaufwand im Markt zu etablieren und Konzepte zu entwickeln, die den Absatz erleichtern sollen.

Trendgerechte Konzepte

Konzepte erleichtern den Handel. Das betrifft nicht nur den Wareneinkauf oder die Präsentation. Es schafft sowohl für den Markbetreiber wie für den Verbraucher Übersicht, Struktur und Orientierung. Besonders wichtig ist das für das sehr umfangreiche Sortiment wie die Stauden.

So nimmt sich Happy Youchera den Heuchera an, die inzwischen in einer unglaublichen Sortenvielfalt zu haben sind. Hinter dem Sortiment steht der belgische Pflanzenproduzent Denis-Plants. Das Premium-Sortiment umfasst inzwischen rund 20 Sorten und konzentriert sich auf Züchtungen, die sich vom Allerlei deutlich unterscheiden. So wie die neu etablierten Sorten `Pinky Panky´ und `Snowy Panky´, die sich durch ihre cremefarbene Panaschierung auszeichnen. Das Happy Youchera-Konzept besteht aus Sorten des Züchters Dirk Scheys, die nicht nur Frost und Winternässe besser als anders Sorten überstehen. Sie sollen auch Trockenheit und direkte Sonneneinstrahlung tolerieren.

Den Auswirkungen des Klimawandels widmen sich inzwischen zahlreiche Pflanzenproduzenten und bringen entsprechend angepasste Pflanzensortimente auf den Markt. Trockene und heiße Sommer sowie milde Winter zeigen, wo es langgeht und fördern die Etablierung mediterraner Pflanzen und Sukkulenten mit bester Anpassung an Hitze und Trockenheit. Die niederländische Gärtnerei F.N. Kempen ist da besonders aktiv und führt zahlreiche Programme im Sortiment. Rock your Garten ist eines davon. Dabei handelt es sich um sukkulente Arten (Chamaelobivia-, Echinopsis- und Aloe-Hybriden), die sich gut für Stein- und Topfgärten eignen. Einige der Kakteen, so heißt es, überdauern unter bestimmten Bedingungen (trockener, geschützter Standort) auch den Winter. Dazu gesellt sich mit Chick Charms ein ausgesuchtes Sortiment an Sempervivum. Bei ihnen stehen vor allem die markanten Blattfarben und Zeichnungen im Vordergrund.

Neu bei den pflegeleichten Pflanzen sind auch die sukkulenten Mangaven, die in jüngster Zeit vor allem durch die Marketingkampagne Mad about Mangave auf sich aufmerksam machen. Mangaven sind Hybriden aus den Gattungen Manfreda und Agave, die sich als dekorative (aber nicht frostfeste) Topf- und Kübelpflanze für trockene, heiße Standorte eignen.

Individuelle Konzepte für den Pflanzenverkauf – das ist Leitthema des Marketingexperten Renner Print Media aus Österreich. Gemeinsam mit der Firma Green Happens (Gartenbau Leenen/Straelen) und weiteren renommierten Produktionsbetrieben sind Pflanzenkonzepte für unterschiedliche Zielgruppen und Situationen im Handel entwickelt worden. Es umfasst die konzeptionelle Ausarbeitung, grafische Gestaltung bis hin zur Produktentwicklung und Druckproduktion in Großformat und Etikettendruck. Der Fokus liegt nicht nur auf dem visuellen Erscheinungsbild, sondern auch auf der produktionstechnischen und logistischen Umsetzbarkeit. Für 2023 ist die Einführung von sieben Konzepten geplant.

Pflanzen für die Biodiversität

Griffioen Wassenaar ist einer der größten Staudenproduzenten der Niederlande. Die Strukturierung des sehr umfangreichen Sortiments war und ist schon immer ein besonderes Anliegen. Jetzt widmet sich der Staudenproduzent verstärkt den heimischen Pflanzen. Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit dem Wildblumensamenlieferanten Cruydt-Hoeck und IVN Natuureducatie entwickelt. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, die Verbraucher auf den Wert einheimischer Pflanzen für die Biodiversität aufmerksam zu machen. Das Sortiment wird im eigenen Betrieb angebaut und erfüllt mehrere Kriterien für Nachhaltigkeit, einschließlich der PlanetProof-Zertifizierung. Es ist allerdings auf das Gebiet der Niederlande und Teile Belgiens ausgerichtet und somit nicht uneingeschränkt auf andere Länder übertragbar. Es zeigt aber, dass sich auch heimische Wildstauden vermarkten lassen und damit die Natur fördern, wenn sie denn entsprechend attraktiv angeboten werden.

Diesem Thema widmet sich auch das Pflanzenkonzept NATUR 2 NATUR. Es umfasst ein speziell ausgewähltes Sortiment zur Förderung der Biodiversität, unterteilt in den vier Kategorien Vögel, Bienen, Schmetterlinge und Käfer. Die winterharten Pflanzen sind mit einem artspezifischen Etikett mit einer inspirierenden Darstellung der Pflanze versehen. Text und Bild zeigen, welche Tiere die Pflanze anzieht. Auf der Rückseite befinden sich ein Barcode, ein Pflanzenpass und ein Text in vier Sprachen. Die einheitliche Etikettenlinie verleiht dem gesamten Konzept einen farbenfrohen, wiedererkennbaren Look. Hinter dem Konzept steht der niederländische Pflanzenproduzent Van Son & Koot, der immer wieder mit trendigen Verkaufsideen auf sich aufmerksam macht.

Um Wildstauden und insektenfreundliche Arten ins Licht zu rücken, hat Stauden Becker die Futterkiste für Insekten entwickelt. In einer nachhaltig hergestellten, attraktiven Holzkiste werden hier rund zehn bis zwölf verschiedenen Insektenfutter-Pflanzen angeboten, die ohne großen Aufwand für perfekte Mischpflanzungen geeignet sind. Die Futterkiste gibt es für verschiedene Standorte von vollsonnig bis schattig, von feucht bis trocken. Die Auswahl der Sorten variiert je nach Jahreszeit entsprechend der Blühzeitpunkte der Pflanzen. Möglich sind auch individuelle Bestückungen, etwa zu bestimmten Farbmischungen. Hintergrund der Idee war, dass es sehr viele insektenfreundliche Pflanzen zur Auswahl gibt und es dem Endkunden schwerfällt, die genauen Standort-Anforderungen und Blühzeitpunkte zu erfassen. Für den Handel entstehen daraus oft aufwändige Beratungsgespräche, die Zeit und Geld kosten.

Wie interessant inzwischen das Thema Wildpflanzen geworden ist, zeigt auch das Projekt „Insektenfreude - mit regionalen Wildpflanzen“ vom NABU als Teil des Bundesprogramms Biologische Vielfalt. Dabei sollen sich gebietsheimische Wildpflanzen auf neuen privaten, betrieblichen und öffentlichen Flächen etablieren und bestehende Flächen umgestaltet werden. In Kooperation und mit Unterstützung durch Pflanzenproduzenten sowie mit Beteiligung des Versuchszentrums Gartenbau der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Straelen möchte die NABU-Naturschutzstation Niederrhein regionale Wildpflanzen als kleinste Insektenschutzgebiete Deutschlands auf den Markt bringen. Der Verkauf wird durch Informationen und Vorlagen für Point-of-Sale-Materialien begleitet, um das Thema zielgruppengerecht zu transportieren.

Energiepflanze für Garten und Landschaft

Nicht nur für den Gartenlaien interessant ist ein Konzept, welches sich dem sogenannten Elefantengras Miscanthus x giganteus widmet, einer natürlichen Kreuzung aus Miscanthus sinensis und Miscanthus sacchariflorus. ECO2Grass nennt es sich und wird von der gleichnamigen Firma aus Boskoop angeboten. Dahinter steht die Baumschule De Jong Plant aus Boskoop. Das Riesen-Chinaschilf ist weltweit eine der drei ertragreichsten Energiepflanzen und zeichnet sich durch eine besonders hohe Biomasseleistung aus. Es wird daher bevorzugt als nachwachsender Rohstoff zur energetischen und stofflichen Nutzung angebaut. Für den Garten eignet es sich hervorragend für den Wind- und Schallschutz. Das Gras bindet Feinstaub und speichert sehr viel CO2. Mit dem Konzept sollen aber auch öffentliche Institutionen und Unternehmen angesprochen werden, um beispielsweise Industriebrachen, Bahntrassen und ähnliche Problemstandorte sinnvoll zu begrünen. Darüber hinaus bietet sich eine stoffliche Verwendung für die Herstellung von Papier, als Ersatz für Kunststoff, Ökogrundstoff für die Bau- und Automobilindustrie oder als Mulch und Torfersatz an.

Blüte zwischen Herbst und Frühjahr

Die größte Dynamik ist derzeit bei den Helleborus zu beobachten. Sie entwickeln sich zu einer Hauptkultur im Herbst- und Wintersortiment. Jedes Jahr kommen neue Hybriden hinzu und bringen Farbe in den winterlichen Garten. Diverse Vermarktungskonzepte zielen derzeit auf den Absatz von Christrosen als Topfpflanze. Die Blütenfarben reichen vom klassischen Weiß über helles Grün bis zu Rosétönen. Neben unifarbenen sind auch gefleckte Blüten im Angebot. Einige Konzepte konzentrieren sich ganz bewusst auch auf die Verwendung der Christrose als Zimmerpflanze, um dadurch den Absatzbereich über die gesamte kalte Jahreszeit (teilweise bereits ab Oktober) zu erweitern. Helleborus ist allerdings keine einfache Kultur. Versuche haben gezeigt, dass Hybriden ungleich auf die Treiberei reagieren, was sich letztendlich auf den Blütebeginn auswirkt. Zudem hängt der Blütezeitpunkt auch vom vorangegangenen Witterungsverlauf ab. Eine zuverlässige Kultursteuerung ist aber absolut notwendig, da der Absatz auf die Advents- und Weihnachtszeit ausgerichtet ist. Als kalkliebende Pflanze benötigt die Christrose zudem ein entsprechendes Substrat. Es muss für einen langfristig hohen pH-Wert und für eine ausreichende Kalknachlieferung sorgen sowie die Nährstoffpufferung sicherstellen.

Vor allem den Orientalis-Hybriden hat das Sortiment interessante Blütenfarben und Zeichnungen zu verdanken. Inzwischen gibt es Sorten mit gefleckten und wunderschön gezeichneten Blüten (Guttatus-Formen), gerüschten Formen und Varietäten mit gefüllten Blüten in den unterschiedlichsten Ausprägungen. Das Farbspektrum geht bis in kräftig rote, violette oder blaue Bereiche. Spezialist hierfür sind in Deutschland der Gartenbaubetrieb Heuger und in den Niederlanden der Gartenbaubetrieb Verboom, der seine Pflanzen unter der Marke Winter Angels vermarktet.

Neues im Sortiment

Obwohl das Staudensortiment kaum überschaubar ist, zeigen die letzten Fachausstellungen, dass durchaus noch Platz für Neuheiten ist. Fraglich ist allerdings, ob sich diese auch am Markt durchsetzen können. Erfahrungen zeigen, dass die meisten von ihnen die Schau kaum überstehen und danach in der Versenkung verschwinden.

Das wird wohl auch dem Phlox `Olympus´ (Paniculata-Gruppe) ergehen, einem Goldmedaillen-Gewinner der letzten Plantarium. Spektakulär ist sein cremefarben panaschiertes Laub, welches sich darüber hinaus mit der Zeit zur Triebspitze rot verfärbt. Die Blüte ist lila mit einem weißen Zentrum. Die Pflanze wirkt dadurch unnatürlich bunt und ist schwer in Pflanzkonzepten zu integrieren. Im deutschsprachigen, eher konservativ geprägten Raum wird es die Neuheit dadurch schwer haben. In England oder den Niederlanden mag das funktionieren, dort sind buntblättrige Pflanzen eher gefragt. Bei uns wird es wohl bei einer Rarität für den Pflanzensammler bleiben.

Ähnlich verhält es sich mit der Silberstechpalme Atriplex nummularia `Silver Holly´, einem Vertreter der Chenopodiaceae. Die Art wächst als salzverträglicher Halophyt in den ariden Gebieten Australiens. Sie widersteht extremen Bedingungen und wird dort auch gerne genutzt, um Böden und Dünen vor Erosionen zu schützen. Die Blätter erinnern in der Form an Ilex, sind aber weicher. `Silver Holly´ ist eine schöne silbrige Auslese, die sich auch unter trocken-heißen Bedingungen als saisonale Blattschmuckpflanze verwenden lässt.

Bei den Bergenien (Bergenia cordifolia) steht derzeit die Blütenfarbe Weiß ganz hoch im Kurs. Mit ihren immergrünen Blättern und der frühen Blüte sorgt die Pflanze für Aufsehen. `Schneekristall´ ist eine entsprechende Sorte im Frühlingsflirt-Sortiment von Kientzler. Sie besticht durch die hervorragende Eignung im Topf und blüht zuverlässig früh mit dauerhaft reinweiß bleibenden Glockenblüten auf dunkelroten Stielen. Mit der `Snowtime´ beschreitet auch Jelitto diesen Weg. Die Sorte behält zuverlässig ihren weißen Farbton, auch bei wärmerer Kultur für den Absatz im Herbst.

Natürlich darf bei den Neuheiten die Semponium `Destiny´ nicht fehlen. Die Hybride aus Aeonium und Sempervivum wurde kürzlich während der Chelsea Flower Show zur „Pflanze des Jahres 2022“ gewählt. Gezüchtet von Surreal Succulents (England) wird sie europaweit sortenrechtlich durch das Lizenzbüro Plantipp vermarktet. Auch hier haben wir wieder einen Vertreter der Sukkulenten vor uns, der wenig Pflege benötigt und gut mit den heißen und trockenen Sommern zurechtkommt.

Peter Springer