Einlegegurken-Anbau in Polen

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Foto: Scheel

Einlegegurken hatten in Polen immer eine gewisse Bedeutung. Welchen Stellenwert die Produktion heute hat, wo die Anbaugebiete liegen und wie der Anbau im Nachbarland aussieht, berichtete Angelina Folger von Bejo Samen mit ihrem polnischen Kollegen Irek Ruciński von Bejo Polen beim Industriegemüsetag der LWG Veitshöchheim im Januar.

 

„Die Anbaufläche der Einlegegurken in Polen ist in den letzten drei Jahren von 5852 ha (2022) auf 5142 (2024) gesunken“, berichteten die Bejo-Mitarbeiter. Die Gründe für diesen Rückgang liegen in erster Linie in der schlechten Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften, die überwiegend aus der Ukraine und zunehmend aus Bangladesch, Usbekistan und Kolumbien kommen. Der offizielle Mindestlohn liegt in Polen bei 7,44 €/Std. Außerdem bevorzugt die Verarbeitungsindustrie Großbetriebe, um eine einheitliche Rohware zu erhalten. Zudem führen ein hoher Krankheitsdruck sowie der Rückgang der Pflanzenschutzmittelzulassungen zu einer abnehmenden Anbaufläche von Einlegegurken. Hinzu kommt, dass seit mehreren Jahren ein Saatgut-Coating in Polen nicht mehr zugelassen ist.

 

Im Jahr 2024 wurden ca. 118000 t Einlegegurken in Polen geerntet. Der durchschnittliche Ertrag der überwiegend weiblich blühenden Sorten liegt bei ca. 23 t/ha mit einer Ernte von Hand in den Eimer und bei parthenocarpen Sorten im Jahresdurchschnitt bei ca. 80-120 t/ha, die meist mit Fliegern und 20 Personen (2 Personen/10 Reihen Gurken) erfolgt.

 

Die Hauptanbaugebiete konventioneller Einlegegurken liegen in Polen südwestlich und südlich von Warschau; das Bioanbaugebiet befinden sich bei Lublin.

 

Anbau im Tunnel und Freiland

 

Die parthenocarpen, gestachelten Sorten in Folientunnel (150 ha, s. Tabelle) werden nur für den Frischmarkt und die kurzfristige Salzkonservierung angebaut. Diese Anbaufläche sinkt jedoch jedes Jahr. Parthenocarpe, gestachelte Sorten im Freilandanbau (1800 ha) gehen zu 95 % an die Industrie (90 % Essiggurken, 5 % Salzgurken) und 5 % sind für den Frischmarkt. Hier wächst die Anbaufläche weiter.

 

Verwendung finden überwiegend weiblich blühende Sorten im Freilandanbau (3050 ha Anbaufläche mit sinkender Tendenz). Davon sind 5 % für den Frischmarkt bestimmt und 95 % für die Industrie (70 % Salzgurken, 30 % Essiggurken).

 

Polnische EinlegegurkenProduktion

 

Im konventionellen Anbau werden 90 % der Gurken direkt gesät, 10 % werden als Jungpflanzen gesetzt. Im Bioanbau werden dagegen 90 % gepflanzt und 10 % direkt gesät. Bei dem konventionellen Direktsaatanbau (im Zeitraum vom 28.04. bis 03.05.) wird in Polen i.d.R. mit einem Abstand von 1,50 m oder als 2. Variante von 1,30 m zwischen den Reihen und 0,33 m bzw. 0,25 m in der Reihe gesät. Dabei wird z. T. abwechselnd 2 Korn/Loch bzw. 1 Korn/Loch abgelegt, sodass ca. 30000 Korn/ha ausgebracht werden. Vlies kommt nur vereinzelt zum Einsatz bzw. gar nicht, dafür erfolgt bei Bedarf eine Frostschutzberegnung. Seltener wird nach einer 3. Variante in Polen im konventionellen Anbau direkt gesät: 1,50 m Abstand zwischen den Reihen und 0,33 m Abstand in der Reihe. Mit der Ablage von 2 Korn/Loch wird eine Aussaatstärke von 40000 Korn/ ha erreicht.

 

Im Bio-Anbau wird nach Anweisung des Verarbeiters ab 15.05. entweder direkt gesät oder Jungpflanzen gepflanzt. Bei der Direktsaat liegen die Abstände zw. den Reihen bei 1,50 m/0,50 m/0,50 m/1,50 m/ 0,50 m/0,50 m usw. Der Abstand in der Reihe liegt bei 0,50 m. Es werden 2 Korn/ Loch abgelegt, was zu einer Aussaatstärke von ca. 40000 Korn/ha führt. Eine Vliesauflage erfolgt nicht, gegebenenfalls wird bei Frost beregnet. Beim Anbau von Jungpflanzen sind die Abstände zwischen bzw. in der Reihe ähnlich wie bei der Direktsaat. In der Regel werden pro Erdpresstopf 2 Korn verwendet, sodass für ca. 20000 Töpfe 40000 Korn/ha benötigt werden.

 

Die Bewässerung erfolgt im professionellen Anbau über Tröpfchenbewässerung unter abbaubarer, schwarzer Mulchfolie statt. In weniger professionellen und kleineren Anbaubetrieben werden für die Bewässerung Schlauchtrommeln mit Sprinklern verwendet.

 

Für die mechanische Einmalernte von Einlegegurken kommen in Polen automatische Tomatenvollernter zum Einsatz – dies allerdings nur in wenigen Betrieben (ca. 40 ha). „Hier ist auch die Züchtung gefragt“, erläuterte Folger. „Für die einmalige Maschinenernte werden besondere Ansprüche an die Sorten gestellt: kurze Internodien, viele Früchte/Stängelknoten und eine gleichmäßige Reife der Früchte.“

 

Birgit Scheel

 

(Artikel aus GP 03/25)