Zum elften Mal fand vom 13.-15. Januar die Fruchtwelt Bodensee in Friedrichshafen statt. Im Rahmenprogramm zeigten verschiedene Vorträge und Podiumsdiskussionen die aktuellen Herausforderungen der Branche auf.
Anstelle einer schriftlichen Zusammenfassung der Podiumsdiskussionen haben wir eine Übersicht erstellt. Das Schaubild erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber es zeigt, wie Erzeuger, Einzelhändler, Politik, Medien und Verbraucher miteinander in Interaktion stehen: Jede Personengruppe verfolgt ihre eigenen Aufgaben und Ziele, hat gewisse Handlungsspielräume und zudem konkrete Wünsche an die anderen Akteure.
Das Dilemma der Erzeuger wird bei genauer Betrachtung deutlich: Sie können zwar ein gutes Stück weit beeinflussen, welche Fläche sie bewirtschaften, welche Kulturen sie anbauen und mit welchen Strategien sie Kosten sparen und die Qualität verbessern – doch sobald sie den überschaubaren Sektor der Direktvermarktung verlassen und die großen Märkte beliefern, haben sie noch keine Möglichkeit gefunden, direkten Einfluss auf den Preis zu nehmen.
Interessen unterscheiden sich deutlich
Entsprechend richten sie ihre Wünsche an Verbraucher, Händler und auch an Politik und Medien, sie mögen sie darin unterstützen, ein angemessenes Preisniveau zu erreichen. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage, wo Verbraucher verstärkt auf ihren Geldbeutel schauen, im Einzelhandel der Aspekt der Regionalität immer weiter in den Hintergrund tritt und zugleich auf der Erzeugerseite die Produktionskosten in verschiedenen Bereichen steigen, werden die Wünsche nach höheren Preisen dringender und lauter, und nicht wenige Obsterzeuger stehen langsam oder auch schneller mit dem Rücken an der Wand.
DIE eine Lösung, welche die Probleme aller Obsterzeuger flächendeckend lösen könnte, wurde auch auf der Fruchtwelt nicht gefunden. Wenn Erzeuger, Einzelhändler und Verbraucher „einfach nur“ offen und fair miteinander umgehen würden, dann würde es für alle reichen, so der Grundtenor. Aber wenn Einzelhändler zu sehr auf die eigene Gewinnmaximierung achten und bei den Verbrauchern Preise wichtiger als Regionalität sind, dann sind es die Erzeuger, auf deren Rücken dies ausgetragen wird.
Die eigene Position bestimmen
Für jeden Erzeuger kann es eine hilfreiche Denkaufgabe sein, das Schaubild als stark vereinfachte und daher unvollständige Übersicht zu betrachten: Welche Aufgaben, Handlungsspielräume und Wünsche an andere Akteure gehören aus Ihrer Sicht auch dazu? Und vielleicht sind auch Aspekte aufgelistet, die Sie streichen würden? Bestimmt fallen Ihnen auch weitere Einflussfaktoren ein, die hier nicht genannt sind – die Klimaerwärmung spielt eine Rolle, die Erzeuger im Ausland, auch Genossenschaften und Großhändler wurden aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht ins Schaubild aufgenommen. Verändern Sie das Schaubild in Ruhe so, dass es Ihrer persönlichen Einschätzung der aktuellen Lage entspricht. Der so gewonnene Überblick kann hilfreich sein, der Realität klarer ins Auge zu blicken, sich stärker auf die eigenen Handlungsspielräume zu fokussieren und den eigenen Betrieb optimal zu gestalten – gut angepasst an die aktuellen Gegebenheiten und im Einklang mit ihren eigenen Werten und Vorlieben.
Für den einen mag die Investition in die neuste arbeitskräftesparende Technik der nächste wichtige Schritt sein, für den anderen, seine Flächen soweit zu reduzieren, dass die Vermarktung zu stimmigen Preisen überwiegend in den eigenen Händen liegt, und der dritte mag die Flucht nach vorne antreten und mit den eigenen politischen Vorstellungen und Forderungen nach draußen gehen und sich damit z.B. in den sozialen Medien, auf Podiumsdiskussionen oder in der Kommunalpolitik engagieren. So viele Betriebe es gibt, so viele Lösungsansätze wird es geben. Wie zukunftsweisend Ihrer ist – das kann niemand besser steuern als Sie selbst.
Katja Brudermann