Bereits Anfang der 2000er-Jahre beschäftigte sich Gärtnermeister Bernd Brüx mit Anbaualternativen, um den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Zum einen zum Schutz seiner kleinen Kinder, die in den Gewächshäusern spielten. Außerdem ließ der Boden immer mehr zu wünschen übrig, wie sich der Betriebsleiter erinnert. „Wir wollten etwas ändern, dem Boden was Gutes tun. So wurde Kompost eingebracht, in Kulturpausen Gründüngung angesät und Pflanzenstärkungsmittel eingesetzt.“ Damals war vieles noch nicht bekannt, schon gar nicht in Schnittblumen, sodass Brüx vieles selbst herausfinden musste, wie beispielsweise die organische Flüssigdüngung. „Jetzt läuft’s, der Boden regeneriert sich von selbst, wir müssen nicht mehr so viel zuführen wie in den ersten Jahren.“
Ende der 1960er-Jahre wurde der Betrieb von Bernd Brüx‘ Eltern als Siedlungsstelle mit zwei Gewächshäusern gegründet. Damals wurde im Freiland Gemüse angebaut, rasch kamen Rosen und Chrysanthemen hinzu. Bis in die 90er Jahre wurden Gemüse und Schnittblumen gemeinsam kultiviert; die Gewächshausflächen wurden nach und nach erweitert. Im Jahr 1997 übernahm Bernd Brüx den elterlichen Betrieb, der damals schon ein reiner Schnittblumenbetrieb mit viel Freilandrosen und Warmhauskulturen wie Eustoma war. Inzwischen stehen 19 000 m² unter Glas und Folie an zwei Standorten zur Verfügung sowie 5 000 m² Freilandfläche.
Pioniere im Bio-Zierpflanzenbau
Bernd Brüx zählt zu den Gründungsmitgliedern der AG Bio-Zierpflanzen, die sich 2011 mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zusammenfand. Zunächst hatten die fünf Gründungsbetriebe gar nicht an „Bio“ gedacht, sie suchten nur nach Alternativen zu nach ihrem Empfinden zu viel Chemie.
Relativ rasch gelang es Brüx, seine Kulturen ökologisch zu produzieren. Was ihn lange Zeit vom endgültigen Schritt der Bio-Zertifizierung abhielt, waren die Schwierigkeiten, mit Bioware auskömmliche Preise zu erzielen. Seit dem Jahr 2015 ist der Betrieb nach EU-Richtlinien biozertifiziert und seit Ende 2019 ist er im Biolandverband. „Die ersten Jahre war es sehr schwierig, bei den im Bioanbau höheren Kosten auch entsprechende Preise für die Ware zu erzielen“, betont Brüx.
Schnittblumen rund ums Jahr
In dem Straelener Betrieb werden 52 Wochen im Jahr Schnittblumen geschnitten und angeboten, wobei das Frühjahr die Hauptabsatzzeit ist mit Ostern und Muttertag bis Ende Juni, wenn der erste Flor Rosen durch ist. Im Winter stehen Helleborus im Vordergrund, gefolgt von Anemonen, Ranunkeln und Myosotis. Mit Pfingstrosen, über 20 Sorten Rosen, Dahlien und Freilandschnittblumen, darunter Artischocken, geht es über den Sommer. Unterstützt werden Bernd und Renate Brüx sowie Sohn Simon, der aktuell Agrarwissenschaft in Bonn studiert, von drei Halbtagskräften und zwei ganzjährig beschäftigten polnischen Mitarbeitern.
Anemone coronaria werden Mitte August als Knolle ins Gewächshaus gepflanzt und zeigen vier Wochen später die ersten Blüten. „Anemonen in Biokultur sind eine Herausforderung wegen der Botrytisgefahr. Besonders feuchte, dunkle Winter sind kritisch“, erzählt Brüx. Trotzdem wird auch im Winter zumindest einmal in der Woche über Kopf beregnet. Die Kultur wird frostfrei gehalten bei geöffneter Lüftung, solange es nicht friert. Ventilatoren sorgen für Luftbewegung und halten die Pflanzen aktiv. Der Hauptflor ist im Februar/März, dann muss täglich geschnitten werden. Gerodet werden die Anemonen im Mai; bis dahin hat jede Knolle acht bis zehn Stiele gebracht. Gegen Unkraut liegt zwischen den Reihen Bändchengewebe, sodass nur in den Reihen gejätet werden muss. Unterstützend sind Schwedische Blumenhühner in den Gewächshäusern unterwegs, die das Unkraut klein halten.
Rosen in Sorten
Rosen sind eine der Hauptkulturen im Betrieb Brüx. Ihre Kultur ist längerfristig angelegt; wenn die Farbe läuft, können die Pflanzen bis zu zehn Jahre stehen. Die Sorten sind so gewählt, dass sie für die Kaltkultur unter Glas geeignet sind. Im Januar/Februar werden die Rosen in Sätzen auf 15-20 cm über dem Boden zurückgeschnitten. Gegen Rote Spinne, Thrips, Blatt- und Wollläuse wird mit Nützlingen gearbeitet, die zum Teil auch überwintern. Falls es für sie zu kalt ist, kommen Spruzit, Neudosan, NeemAzal oder Promanal zum Einsatz. Gegen Echten Mehltau wird mit Kumar oder VitiSan (beide Kaliumhydrogencarbonat) behandelt.
Einige Kulturen wie Myosotis oder Bartnelken werden im Betrieb selbst ausgesät und pikiert, da es schwierig ist, Jungpflanzen aus Bioherkunft zu bekommen.
Die Helleborus stehen mehrjährig. Übers Jahr bilden sie Laub und brauchen dafür nur Wasser, kaum Dünger. Anfang November wird das Laub zurückgeschnitten und die Blüten treiben durch für die Ernte über Winter. Allerdings sind sie wegen ihrer nicht ganz zuverlässigen Vasenhaltbarkeit schwierig zu vermarkten, wie Bernd Brüx betont. Möglicherweise wird er sie deshalb nicht weiter kultivieren.
In den Kulturpausen wird als Gründünger Wickroggen ausgesät, der später geschnitten, trocknen gelassen und eingearbeitet wird. Gedüngt werden alle Kulturen ansonsten nach Bodenanalyse organisch gegebenenfalls mit Kalk, Schafwolle oder Hornspänen. Zusätzlich wird flüssig gedüngt. Den Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln konnte Brüx zurückfahren, da der Boden inzwischen gut ist. Für seine Kulturen braucht Bernd Brüx nur wenig Heizenergie. Mit rund 25 000 m³ Erdgas pro Jahr kommt er hin. Temperatur und Bewässerung werden automatisch gesteuert.
Aufbereitung und Vermarktung
Für die Rosen gibt es eine Sortiermaschine, die nach Längen sortiert. Gebündelt wird von Hand. Eine Spezialität von Bernds Blumenglück, so die betriebseigene Marke, sind gemischte Sträuße in Bioqualität, die das ganze Jahr über zum gleichen Preis vermarktet werden. Dafür wird zusätzlich Schnittgrün wie Eucalyptus angebaut. „Die Tüte muss voll sein“, sagt Brüx, „je nach Jahreszeit und beispielsweise Dicke der Rosen kommen eben zwei Stiele mehr oder weniger in den Strauß.“ Das Binden der Sträuße ist viel Handarbeit.
Der Absatz der Schnittblumen erfolgt unter anderem an Bloomways, an Gartencenter, an den Biofachhandel wie den Naturkostgroßhandel Bio-Rhein-Maas und den Bioladen Weiling sowie an Händler, die die Ware ab Hof abholen. Rund ein Drittel der Ware geht an die Veiling.
Sabine Aldenhoff