Für die Biologinnen Pia Kambergs von der Biologischen Station Mittlere Wupper und Stefanie Egeling von der benachbarten Biologischen Station Haus Bürgel gab es zum letzten Wochenende schon mal ein vorweihnachtliches Geschenk. Beide arbeiten zusammen im Projekt „Bergisches Saatgut für Bergische Vielfalt“ und haben am Freitag, den 02. Dezember, mit Unterstützung von Landwirt Rolf Beckershoff auf Gut Katers in Mettmann, ihre diesjährige Wildpflanzen-Ernte gedroschen. „Es ist toll, wenn man nach dem langen Prozess der Sammlung und Vermehrung endlich das fertige Saatgut in Händen hält!“, sagt Kambergs begeistert.
Zusammen mit Stefanie Egeling und ehrenamtlichen Helfern der Biologischen Stationen befüllt sie die Dreschmaschine, neben der sich die Ernte in Form getrockneter Wildpflanzen in großen weißen BigBags aufreiht. In der Dreschtrommel werden Pflanzenmaterial und Samenkörner voneinander getrennt, die kleinen, olivgrünen Samen des Sumpf-Hornklees rieseln unten aus der Maschine in eine Papiertüte. „Mit dem heute gewonnen Saatgut verschiedener Wildkrautarten sollen artenarme Wiesenflächen im Bergischen Land zukünftig wieder aufgewertet werden“, erklärt Egeling. „Dann werden sie auch wieder Futterpflanzen und Nistmöglichkeiten für zahlreiche Insektenarten bereithalten und bodenbrütenden Vögeln einen Lebensraum bieten“, freut sie sich.
Das Gemeinschaftsprojekt der beiden Biologischen Stationen wird durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR) und die Aufwind für Naturschutz gGmbH gefördert. Weitere Projektpartner sind die Biologischen Stationen Rhein-Berg und Oberberg sowie der Naturpark Bergisches Land.
Wildpflanzen-Anbau als Standbein in der Landwirtschaft
Landwirt Beckershoff baut seit acht Jahren Wildpflanzen an und kooperiert mit den Biologischen Stationen, um die Vermehrung des Saatgutes weiter voranzutreiben. „Mich reizen besonders die Herausforderungen, die sich beim Anbau jeder neuen Art ergeben“, so Beckershoff. Denn im Wildpflanzen-Anbau gibt es weniger dokumentierte Erfahrung als beispielsweise im Getreideanbau. Da der steigende Bedarf an regionalem Saatgut derzeit kaum gedeckt werden kann, haben Landwirte mit dem Wildpflanzen-Anbau die Chance ein weiteres Standbein für ihren Betrieb aufzubauen. "Wir suchen noch dringend weitere Landwirte, die in den Anbau einsteigen, um für unsere Region eine ausreichende Artenvielfalt zu gewährleisten“, sagt Kambergs. Gute Voraussetzungen bringen z.B. Betriebe aus dem Gemüseanbau, aber auch Garten- und Landschaftsbau und verwandte Betriebszweige mit. Bei Anbau und Ernte beraten die Biologischen Stationen.
Saatgutmischung „Rheinisches Bergland“ ab 2024
Sobald durch den Anbau genügend Saatgut vorhanden ist, soll daraus die Saatgutmischung
„Rheinisches Bergland“ entstehen. Privatpersonen, Naturschutzverbände und weitere in Naturund
Artenschutz tätige Einrichtungen können die Mischung dann ab 2024 über die
Regiosaatgut-Förderung des LVR beziehen (www.lvr.de).
Weitere Informationen und Beratung
- Biologische Station Mittlere Wupper e.V. für Remscheid, Solingen und Wuppertal, Vogelsang 2, 42653 Solingen, www.bsmw.de
Dipl.-Biol. Pia Kambergs 0212-2542730, kambergs@bsmw.de - Biologische Station Haus Bürgel - Stadt Düsseldorf - Kreis Mettmann e. V., Urdenbacher Weg, 40789 Monheim am Rhein, www.biostation-d-me.de
Dipl.-Biol. Stefanie Egeling, Tel: 0211-99612-26, stefanie.egeling@bsdme.de
Weitere Projektinformationen finden Interessierte unter www.bergisches-saatgut.de.
Quelle: Biologische Station Haus Bürgel