Aprikosen und Pfirsiche „hoch-tief“

MODERN

Obstbau-Begehung, LTZ Augustenberg

Aprikosensorte `Robada´ brachte einen guten Ertrag</br>Foto: Hormes

Engagierte Fachleute kümmern sich um Steinobstarten wie Aprikosen und Pfirsiche. Anlässlich der Obstbau-Begehung am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg, Karlsruhe, wurden Herausforderungen des Anbaus dieser Spezialitäten deutlich.

Wird der Anbau der beliebten Früchte Aprikosen und Pfirsiche immer schwieriger? Aus den wenigen Sätzen, die auf der Begehung am LTZ kürzlich zu diesen Steinobstarten gesagt wurden, kann man das durchaus ableiten. Einerseits wirkt sich der Klimawandel negativ auf diesen Anbau aus. Andererseits sind auch hier wieder die bekannten Probleme durch fehlende Pflanzenschutz-Zulassungen vorprogrammiert.

Richtig kalte Winter wären gut

Bei den Aprikosen träumt der Leiter des Obsthofs des LTZ Augustenberg, Hermann Meschenmoser, von „richtig kalten Wintern“ und Frühjahren „wie früher“. Im vergangenen Winter zählte er insgesamt zehn Frostnächte bis zur Ernte. Aber Blüten schon im März und danach zwei Monate kalt, das bringt alles durchei­­nan­­der. Im Freiland hängen nicht weniger Aprikosen am Baum als unter Schutznetzen, weil nicht die Blüten erfroren sind, sondern bereits die kleinen Früchte.

Bei den Sorten der Aprikosen gebe es sehr große Unterschiede, meinte er. `Pricia´ ist die früheste Sorte. Bei `Bergeron´ handelt es sich um eine alte, nicht wenig wichtige Standardsorte. `Samurai´ hält am besten Frost aus. `Ninja‘ und `Robada´ bringen Gewicht, waren die kurzen Fazits zu Aprikosensorten. Erstmals prüft Meschenmoser auch eine Nummernsorte aus der Schweiz, die vielversprechende Eigenschaften zeigt.

Scharka-Krankheit, das Aus für Pfirsiche

Bei Pfirsichen stellt der Befall durch die Scharka-Krankheit (Plum pox Virus, PPV) das Aus für eine Anlage dar. Seit den 1960er-Jahren breitete sich dieser viruelle Erreger in Deutschland aus. Heute trifft man die Krankheit deutschlandweit an. Baumausfälle sind die Folge und befallene Bäume müssen aus der Anlage entfernt werden, wie Sonderkulturberater Arno Fried, Landwirtschaftsamt Bruchsal, sagte. Zu klären ist die Ursache des Virus und ob es bereits mit dem Pflanzgut aus Baumschulen eingeschleppt wird.

Eine weitere Herausforderung bleibt nach wie vor die Kräuselkrankheit des Pfirsichs, hervorgerufen durch den Pilz Taphrina deformans. Entscheidend für einen Befall sind die ersten zwei Wochen im Januar. Schon beim Austrieb kräuseln sich die Blätter und bilden Blasen. Später werden die Blätter abgeworfen, wodurch sich die Photosyntheseleistung des Baums verringert. Der Blüten- und Fruchtansatz wird weniger und auch der Knospenansatz für das nächste Jahr ist verringert. Die Kräuselkrankheit schädigt die Bäume so stark, dass keine Früchte reifen. In einem Applikationsversuch prüfte Fried neben der unbehandelten Kontrollparzelle das Mittel Cuprozin progress (Aufwandmenge 1 l/ha m Kh, Wirkstoff: 383 g/l Kupferhydroxid), ein neues Bio-Mittel von Neudorff mit den höheren Aufwandmengen 15 l/ha und 20 l/ha sowie das gute alte Mittel Syllit (Aufwandmenge 0,625 l/ha m Kh, Wirkstoff 400 g/l Dodin). Die Behandlungstermine mit der Honda-Motorrückenspritze (4 bar, Wasseraufwandmenge 500 l/ha m Kh) waren am 02.02, 16.02. und 06.03.2023). „Betriebe, die fünf Behandlungen durchführten, waren nicht erfolgreicher als wir mit drei Applikationen“, gab Fried zu bedenken. Nach den Resultaten wurde mit Cuprozin progress der sicherste Ertrag erreicht. Die beiden Varianten des Neudorff-Mittels eröffnen Alternativen, wenn man einmal Syllit nicht mehr zur Verfügung hätte. Das beste Ergebnis schließlich wurde mit Syllit in der verminderten Aufwandmenge von 0,625 l erzielt. In der unbehandelten Variante waren durch den Befall der Kräuselkrankheit schlicht keine Früchte zu verzeichnen.

Doris Betz, LTZ Augustenberg, fragte in ihrem Applikationsversuch bei ökologisch produzierten Pfirsichen danach, ob der Kupfereinsatz noch weiter reduziert werden kann und eine Wirkungsverbesserung von Cuprozin progress durch Tankmischung mit Kumar erzielbar ist. Der Hintergrund im ökologischen Anbau ist die Begrenzung des Einsatzes von Kupfer auf 3 kg/ha Reinkupfer pro Jahr beziehungsweise 12 l/ha Cuprozin progress. Behandelt wurde gegenläufig (zwei Fahrten/Seite). Acht Bäume standen je Versuchsglied in zwei Blöcken. Bei der Befallsbonitur am 11.05.2023 wurden 100 Blattbüschel/Baum in fünf Befallsklassen eingeordnet. Im Ergebnis war Cuprozin progress (0,5 l) als Solo-Präparat nicht ausreichend. Die Mischung Cuprozin progress und Kumar (Carbonat) in unterschiedlichen Aufwandmengen deutlich besser als Kupfer solo. Bei sehr starkem Befallsdruck war die Wirkung der Tankmischung mäßig. Die unbehandelte Kontrolle zeigte 100 % Befall. „Wenn man mit Kupfer plus Kumar im Öko-Anbau die Wirkung erzielt, die mit 1 Liter Kupfer solo erreichbar ist, zählt das als gutes Ergebnis“, sagte Betz. Man könne mit der Tankmischung „spielen“.

Interessant war, zu erfahren, dass das Dienstleistungszentrum Neustadt (DLR) und das LTZ Augustenberg mittlerweise die einzigen Einrichtungen in Deutschland sind, die auf dem Gebiet der Kräuselkrankheit über Wissen verfügen und noch Versuche fahren.

Elke Hormes

(Artikel aus GP 11/2023)