Apfeltag 2022 - Effizienter düngen, ernten, häckseln…

MODERN

Wie jedes Mal war der Apfeltag ein Publikumsmagnet<br>Foto: Valenta

Auf dem diesjährigen Apfeltag des DLR Rheinpfalz, der LWK NRW und der Uni Bonn drehte sich eigentlich alles um Effizienz. Um weiter steigende Kosten irgendwie abzufangen, bleibt oft nur, die Produktion schneller, einfacher oder automatisierter zu gestalten. Zahlreiche Anregungen gaben Aussteller und Anbauberater in Klein-Altendorf.

Harald Rödel, Ergoschutz GmbH, stellte den Anbauern verschiedene Exoskelette des französischen Herstellers Ergosante vor. Exoskelette werden an Rücken und Beinen oder Armen an den Körper geschnallt und unterstützen die Gelenke und Muskeln z.B. beim Heben schwerer Kisten oder beim Arbeiten über Kopfhöhe. Dies geschieht je nach Modell und Verwendungseinsatz mittels Federstäben oder Motor. Zum Pflücken von Obst würde sich Modell hapo anbieten, das die Arme und Schultern unterstützt und so ermüdungsfreies Arbeiten über einen längeren Zeitraum ermöglicht. Die Firma Ergoschutz bietet Interessenten einen zweiwöchigen Testgebrauch mit intensiver Einführung in das System an.

Die Ernte effektiver zu gestalten, ist auch das Ziel von Stefan Scharrer, Darwin Harvesting Group. Allerdings geht es hier nicht um Technik, sondern um die Schulung der Mitarbeiter. Scharrer berichtete von einer Studie, die belegt, dass viele Arbeitsstunden eingespart werden können, wenn die Mitarbeiter richtig und intensiv geschult werden. „Und hier geht es nicht darum, tausend Sachen anders zu machen. Es sind sechs, sieben Details, die den Unterschied machen“, regte Stefan Scharrer die Anwesenden zum Nachdenken an. Ein bisschen Technik hatte der Südtiroler aber auch im Gepäck. Er stellte die autonome Erntemaschine von Tevel vor, die mittels Drohnen Äpfel pflückt. Ein Prototyp ist in diesem Jahr bereits im Einsatz, dann wird sich zeigen, wie weit die Technik schon ausgereift ist.

Kälte- und Klimatechnik Peters, Jork, und Kältetechnik Kreutzträger, Bremen, haben sich zusammengeschlossen, um ihre Anlagen durch das deutschlandweite Servicenetz von Kreutzträger bundesweit anzubieten. Industrielle Kälteanlagen – v.a. mit natürlichem Kältemittel – sind der Schwerpunkt von Kreutzträger. Volker Peters betonte, dass man auch versuche, die Energie aus PV-Anlagen in der Kühlung zu speichern.

Ganze Bäume häckseln

Technik der etwas robusteren Art sind Forsthäcksler, die nach dem Roden von Obstanlage zum Zerkleinern der Stämme und Äste bzw. nach Schnittmaßnahmen in der Anlage zum Einsatz kommen. Vorgestellt und in Aktion gezeigt wurden Geräte der italienischen Hersteller Zanon und Seppi. Den Forstmulcher TL 1600 von Zanon hatte Obstanbauer Stefan Ippendorf, der auch Obstbaugeräte vetreibt, mitgebracht. Für den Mulcher mit 1,60 m Arbeitsbreite wird ein Schlepper mit mindestens 90 PS benötigt. Es gibt auch Modelle mit 2,25 m Arbeitsbreite. Das Gerät zerkleinert Äste und Stämme bis 25 cm Durchmesser – mit zwei Überfahrten werden diese fein gehäckselt. Die Geschwindigkeit schätzt Stefan Ippendorf auf 1,2 km/h (bei der zweiten Überfahrt dann schneller). Die Südtiroler Firma Seppi bietet Häcksel in verschiedene Mulchgeräte, darunter auch Pick-up-Mulcher, die v.a. im Obst- und Weinbau zum Einsatz kommen. Der Rotor, der die Stämme und Äste zerkleinert, ist ein Patent von Seppi und „geht auch bei Steinen nicht kaputt“, so ein Firmenvertreter. Das Gerät selbst soll bis zu 25 Jahre laufen, lediglich Verschleißteile müssen getauscht werden. Der Rotor dreht sich mit 2 000 Umdrehungen/Minute, das Mulchgut wird angehoben und in einem Durchgang fein zerkleinert. Geübte Fahrer schaffen 1,5-2 km/h.

Optimal Spritzen

Michael Stuch, LWK NRW, erinnerte die Anbauer, dass 75% und mehr Abdriftminderung nur mit entsprechend eingetragener Technik möglich ist. Ausschlaggebend sind die Listen des JKI – auch einsehbar und laut Stuch übersichtlicher bei LTZ Augustenberg. Wird „alte“ Technik mit abdriftmindernden Düsen oder unter Hagelnetz verwendet, kann maximal 50 % Reduzierung erreicht werden. Der Experte empfahl außerdem die Zapfwellengeschwindigkeit etwas herunter zu regeln, um größere Tropfen und – nebenbei – Dieselersparnis zu erreichen.

Injektordüsen sind laut Stuch auch für die Herbizid-Ausbringung optimal, da die größeren Tropfen weniger verwirbelt werden oder verdampfen als feine Tropfen und die Wirkung des Herbizids so besser genutzt wird. Denn „jede Spritzung muss sitzen, da immer weniger Mittel zugelassen sind und die Spritzhäufigkeit gesetzlich immer weiter reguliert wird“, so Anbauberater Manfred Fischer, LWK NRW.

Durchwachsbäume

„Knipbäume sind Standard im Obstbau, aber sie sind totaler Stress für die Pflanzen“, ist Henk Nooteboom, Fruitmasters, überzeugt. Die Bäume bekommen in der Kultur sehr viel Stickstoff, um schnell zu wachsen, und dann wird das Wachstum abrupt abgebremst. „Das ist gegen die Natur“, so Nooteboom. Um die Pflanzen mit weniger Stress heranzuziehen, hat er zusammen mit niederländischen Baumschulkollegen das System des Durchwachsbaums erfunden. Hier werden die Bäume nicht im ersten Jahr stark zurückgeschnitten, sondern mit Regalisbehandlungen die Internodien verkürzt. Henk Nooteboom ist überzeugt, dass Durchwachsbäume aufgrund der stressärmeren Kultur auch weniger anfällig für Krebs sind.

Entblättern für Farbe

Um eine bessere Ausfärbung und damit bessere Erlöse durch höhere Preise für die Äpfel oder eingesparte Pflückdurchgänge zu erreichen, kann Entblätterung eine Strategie sein. Adolf Betz, Fruit Tec, stellte sein pneumatisches Entblätterungsgerät REDpulse vor. Ein pulsierender Luftstrom entfernt bzw. zerfetzt dabei Blätter. Dadurch erhalten die Äpfel mehr Sonne und färben besser aus. Neben der Ausfärbung soll auch die Pflückleistung erhöht werden, da die Früchte schneller gefunden werden. Beste Ergebnisse werden mit REDpulse in mechanisch geschnittenen Anlagen bzw. Fruchtwänden erzielt. Das Gerät gibt es mit zwei oder drei Rotoren, die Arbeitshöhe geht bis 1,80 m. Das Gerät kann aber auch horizontal gestellt werden, um nur den untern Baumbereich zu entlauben. „Besser als Sommerschnitt“, war die Meinung eines Praktikers vor Ort, da dieser hohe Arbeitskosten verursache und die Gefahr bestehe, dass die Bäume kaputt geschnitten werden. Laut Adolf Betz ist noch eine Erweiterung der Maschine in Entwicklung, die mit einem Messerbalken ausgestattet, vor der Entlaubungseinheit den Neuaustrieb stutzt.

Bewässerungssteuerung

Das Planungs- und Sachverständigenbüro irriport, 2008 von Parssa Razavi Ingelheim am Rhein gegründet, beschäftigt sich deutschland- sowie weltweit mit der Wasserversorgung in der Landwirtschaft. In Klein-Altendorf hat die Firma 2021 einen Versuch zu trockenheitsverträglichen Unterlagen mit Feuchtesensoren ausgestattet. Diese messen in drei verschiedenen Tiefen die Bodenfeuchte und senden die Werte an zentrale Server, über die die Mitarbeiter des DLR die Bewässerungsanlage steuern und Auswertungen erstellen.

Die solarbetriebene Wetterstation Wolky Tolky, entwickelt mit der Baumschule Fleuren, arbeitet cloudbasiert. Über Mobilfunknetz meldet sie ihre Daten – unter anderem Niederschlagsmenge, Windstärke, Bodenfeuchte und Temperatur – an ein Rechenzentrum. Die Zusammenstellung der Sensoren erfolgt betriebsspezifisch. Die Station meldet automatisch, wenn ein festgelegter Wert unter- oder überschritten wird.

Artenvielfalt fördern – auch im IP-Anbau!

Jürgen Lorenz, DLR Rheinpfalz, stellte erste Ergebnisse eines sechsjährigen, deutschlandweit angelegten Projekts vor. Dort wurde parallel in IP- und Bio-Anlagen (im Alten Land, am Bodensee, in Sachsen und im Rheinland) versucht, durch gezielte produktionsintegrierte Maßnahmen, die Biodiversität zu fördern. In den IP-Anlagen waren dies hauptsächlich Blühstreifen im Randbereich der Anlage, nicht in der Fahrgasse, da während der Kultur auch B1-Maßnahmen nötig werden können. Durchgeführt und wissenschaftlich ausgewertet wurde vom DLR und der Uni Hohenheim. Untersucht wurde nicht nur zur Blütezeit der Äpfel, sondern auch zur Walnussgröße und zur `Elstar´-Ernte. In den Anlagen fanden die Wissenschaftler schließlich insgesamt über 100 Wildbienen-, 54 Schwebfliegen- und 74 Laufkäferarten, darunter viele seltene und gefährdete Arten. Während der Obstblüte fanden die Wissenschaftler in allen Anlagen (mit und ohne Blühstreifen) ungefähr gleich viele Insekten, da die Blüten der Apfelbäume attraktiv sind.

Anders nach der Blüte – hier punkten die Anlagen mit Blühstreifen deutlich. Jürgen Lorenz´ Fazit: „Wenn wir Angebot schaffen, dann sind die Arten auch da. Je vielfältiger die Blüh- und Raumstrukturen, desto mehr Arten finden wir.“ In den Insektenfängen 2018-2020, die geringer ausfielen als vor dem Start der Maßnahmen, zeigt sich außerdem, welch starken Einfluss die Witterung (heiß und trocken) auf das Vorkommen oder die Verteilung der Insekten in der Natur hat.

Die Ergebnisse aus den Bio-Betrieben stellte Martina Zimmer, Uni Hohenheim, vor. Hier wurden verschiedene Maßnahmen betriebsindividuell zusammengestellt: Blühstreifen in der Fahrgassenmitte, Hochstaudensaum am Anlagenrand, Ankerpflanzen am Reihenanfang/-ende, Nisthilfen für Insekten, Vögel und Kleinsäuger. Die Auswertung (2017-2021) an bundesweit 18 Standorten ergab, dass v.a. bei Arthropoden (Käfer, Schwebfliegen, Tagfalter, Wildbienen…) sowohl der Naturschutz als auch der Obstbau (durch nützliche Eigenschaften der Insekten) profitieren. Allerdings gibt es auch Schattenseiten der Maßnahmen: Auch Wanzen und Mäuse fühlen sich mitunter in Blühstreifen wohl und der Arbeitsaufwand für die Anlage und Pflege der Maßnahmen ist sehr hoch.

Unterlagen für Natyra®

Martin Balmer, DLR Rheinpfalz, stellte einen Versuch mit Unterlagen für die schwachwüchsige Sorte SQ 159 (Natyra®, Magic Star®) vor. Auf der Suche nach Alternativen zu M9 werden dort seit 2017 v.a. Geneva-Unterlagen (CG11, CG 41, CG 202 und CG 935), aber auch M 9 Sel. Pajam 2, M 200 und P 67 getestet.

Ein Vergleich einer ungedämpften mit einer gedämpften Parzelle ergab, dass die Wuchsstärke bei den meisten Unterlagen nach einer Bodendämpfung etwas höher ist als ohne Dämpfung, lediglich bei P 67 und CG 202 konnte ein leicht negativer Effekt festgestellt werden. Die Wuchsstärke bei CG 11 ist in beiden Varianten schwächer als bei M 9 – hier muss man bei kleinfrüchtigen Sorten vorsichtig sein. Aber neben der Wuchsstärke – gab Martin Balmer zu Bedenken – hat die Unterlage auch Einfluss auf Astwinkel und Verzweigungsneigung.

Vergleicht man die Unterlagen miteinander, ergeben sich recht unterschiedliche Hektarerträge (Summe 2018-2021, 3 300 Bäume/ha netto): M 9 wird von M 200 und CG 41 leicht, von CG 202 etwas mehr und am stärksten von CG 11, CG 935 und P 76 übertroffen. Allerdings lässt das Packout (Anteil Früchte 70-85 mm und >50 % rote Deckfarbe) bei fast allen Unterlagen zu wünschen übrig, nur bei CG 202 wird mit 76 % der gleiche Wert wie bei M 9 erreicht. „Die wüchsigeren Bäume müsste man stärker ausdünnen, um das gleiche Packout zu erreichen“, so Balmer. Bislang zeigen sich alle Unterlagen vital und ohne ausgeprägte Anfälligkeiten. Leider ist aber die Blutlaus-Resistenz der Geneva-Unterlagen (G) bereits durchbrochen, am genetischen Hintergrund wird bereits geforscht.

Kompoststreuer

Um Kompost oder ähnliche Materialien sauber in der Baumreihe abzulegen, bieten verschiedene Hersteller Kompoststreuer an. Die Firmen PWH Landmaschinentechnik, Jork, und Freilauber, Flonheim, nutzen die Gelegenheit, ihre Geräte auf dem Apfeltag vorzuführen. Beim Gerät aus Jork kann durch das Tellerstreuwerk auf beide Seiten gleichzeitig gestreut werden. Durch den hydraulischen Stauschieber eignet sich das Gerät auch für die Ausbringung von Champost oder Kalk. Die Firma PWH bietet auch Streuer mit Förderband und Tandemachse sowie Knickdeichsel an.

Freilauber bietet, ursprünglich aus der Weinbautechnik stammend, auch für den Obstbau einige Geräte an, darunter Fingerhacken, Sprühgeräte oder Schneidegeräte. Der Streuer von Freilauber arbeitet mit einem Querförderband zu einer Seite hin, die Firma bietet aber auch zweiseitig arbeitende Geräte an. Kratzboden, Förderband und Streuwalzen können unabhängig voneinander eingestellt werden, sodass auch gröbere Streugüter wie Stroh oder Holzschnitzel gut verteilt werden können.

Marion Valenta